Interview • 24.11.2009

Elastische Böden entlasten Mitarbeiter und Kunden

iXtenso-Interview mit Albrecht Rieger vom Bodenhersteller BSW

Neue Leuchten, neue Möbel, neue Wandfarben – vieles wird in den Läden erneuert. Die längste Lebensdauer hat der Fußboden. Er verdient daher viel mehr Beachtung als bislang üblich, findet Albrecht Rieger, Marketing-Leiter des Bodenherstellers BSW aus Bad Berleburg. Die Gestaltung mit Farben und unterschiedlichen Materialien setzt Akzente, wird zum Hingucker oder zum Wegweiser. Im iXtenso-Interview spricht Rieger über Modetrends, Qualitätsnormen und veraltete Vorurteile gegenüber Kunststoffen. BSW, ursprünglich spezialisiert auf Sportböden, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Entlastung der Mitarbeiter und das Laufgefühl der Kunden.


Es gibt Vorzeigeprojekte im Handel mit tollem Ladendesign. Wie jedoch ist Ihr Eindruck im Handel insgesamt. Gibt es einen Investitionsstau beim Boden im Ladenbau?

Das kommt auf die wirtschaftliche Situation und auf das Niveau der Verkaufsfläche an. Dort wo die Umsätze nicht in den Himmel wachsen wird allgemein gespart, auch am Interieur. Dort, wo Einzelhändler neue Verkaufsflächen eröffnen, wird die Wirkung des Bodens bewusst in das Raumkonzept integriert. Freilich gibt es hier gewaltige Unterschiede. Das Spektrum reicht von der reinen Zweckorientierung bis zum elaborierten Bodendesign. Viele Verkaufsflächen haben allerdings Defizite in der Werbewirkung ihrer Böden. Mobile Werbeflächen sind allgegenwärtig, der Boden dient dagegen bestenfalls der angenehmen Atmosphäre und der Besucherführung. Hier gibt es Nachholbedarf.

Gibt es Modetrends beim Fußboden?

Die gibt es und gab es schon immer. Allerdings diversifiziert sich das Bodendesign im Ladenbau entsprechend den zugrunde liegenden Konzepten. Als übergeordneter Trend lässt sich allenfalls ein Faible für Naturoptiken ausmachen. Das reicht von der nicht immer gelungenen Mimikry von Kunststoffböden mit Naturfarben und entsprechenden Oberflächenstrukturen bis hin zu Naturmaterialien, die ihre florale oder mineralische Beschaffenheit demonstrativ zur Schau stellen. Immer öfter sehe ich auch Materialmix. Nicht nur verschiedene Bodenfarben, sondern vor allem verschiedene Bodenarten akzentuieren Flächen. Natur contra Chemie – wie vor 20 Jahren – gilt heute nicht mehr. Hier liegt eine Chance für Kunststoffböden. Denn die Menschen sind aufgeklärt und setzen voraus, dass die Hersteller ihnen keine gesundheits- und umweltschädigenden Fußböden zumuten.

Den Fußboden reißt man nicht so leicht raus. Wann lohnt sich ein neuer Boden? Kann man alte Böden einfach überarbeiten?

Einen neuen Boden auf einen alten zu legen, ist meines Erachtens immer zweite Wahl. Gerade im Ladenbau, wo der Boden recht starken Belastungen ausgesetzt ist, sollten technische Lösungen hundertprozentig sein. Sonst wird der Boden sehr bald vom Hingucker zum Weggucker. Ein neuer Boden lohnt sich also schon, bevor der alte optische oder funktionelle Defizite zeigt. Denn der Kunde überträgt das Produktumfeld intuitiv auf das Produkt. Wenn mir das Umfeld nicht behagt, behagt mir das Warenangebot auch nicht. Es gibt freilich Böden, welche die Renovierung erleichtern oder in ihr Produktkonzept integrieren. decoelast von BSW lässt sich z.B. abschleifen und mit einem neuen Farbfinish versehen. Die sonstige Bodenkonstruktion bleibt erhalten.

Welche Kenngrößen gibt es bei der Wahl eines Fußbodens, zum Beispiel hinsichtlich Lichtbeständigkeit, Trittschall oder Wärmedämmung?

Damit sind schon drei wichtige Qualitätskriterien genannt. Die Lichtbeständigkeit sollte wenigstens Stufe 4 oder 5 erreichen. Mit Stufe 7 = „vorzüglich“, wie bei decoelast, sind Sie auf der sicheren Seite. Hier sind Verfärbungen durch Lichteinstrahlung fast unsichtbar. Gute Trittschalldämmwerte sind immer nützlich, manchmal auch unerlässlich. Bei der Wärmedämmung ist auf eine gesunde Balance zur Wärmeleitfähigkeit zu achten, falls eine Fußbodenheizung vorhanden ist. Ganz wichtig ist außerdem die Brandklasse, die wenigstens mit Cfl s1 = „schwer entflammbar“, in den technischen Unterlagen des Herstellers genannt sein sollte.

Wesentlich für einen Boden im Einzelhandel sind auch seine Langlebigkeit und der notwendige Reinigungsaufwand. Die Langlebigkeit des Bodens hängt von seiner Belastbarkeit ab. Die Beanspruchung sollte im Einzelhandel nach EN 685 bei 32 = „normale Beanspruchung für Gewerbeflächen“ liegen. Ich bin einmal einem Einzelhändler begegnet, der einen wunderschönen, hoch dekorativen Boden aus Naturfasern in seinem Geschäft hatte. Leider war der Naturfaserboden nach kurzer Zeit regelrecht zerfasert, weil der Belag für die vorhandene Belastung nicht geeignet war.

Schließlich darf der Reinigungsaufwand nicht unterschätzt werden. Die normale Unterhaltsreinigung muss bei geringem Aufwand größtmögliche Sauberkeit bewirken. Hier spielt auch die Fleckbeständigkeit eine wichtige Rolle. Haushaltsübliche Flüssigkeiten und Schmutzwasser sollten keine bleibenden Spuren hinterlassen, auch dann nicht, wenn sie nicht sofort entfernt werden.

Öko ist in: Wie schätzen Sie Naturmaterialien wie Holz oder Kork ein?

Holzböden sind für den Einzelhandel hervorragend geeignet, man sieht sie überall. Ein guter Parkettboden wirkt vor allem in kleinen aber feinen Geschäften. Bei Kork bin ich etwas skeptisch was die Belastbarkeit angeht. Mittlerweile gibt es aber auch hier Angebote mit sehr guter Qualität.

Sie kommen aus dem Sportbodenbereich. Wie kann der Handel davon profitieren?

Sportböden müssen belastbar und langlebig sein und müssen die Gesundheit durch Elastizität schützen. Das Personal vieler Geschäfte ist einer erheblichen Dauerbelastung durch Stehen und Gehen ausgesetzt. Harte Böden können hier Krankheiten des Bewegungsapparates fördern. Hier bieten die Böden von BSW einen seltenen Zusatznutzen. Wir verkaufen nur Böden, die den Bewegungsapparat schonen und die Ermüdung verzögern. Wir messen deshalb den Kraftabbau unserer Böden. Der Kraftabbau nach DIN 18032-2 vergleicht den geprüften Boden mit der Härte von Beton. Unsere decoelast-Böden haben Kraftabbauwerte zwischen 12 und 16,6 Prozent. Das ist deutlich weicher als die uns bekannten gängigen Bodenbeläge im Einzelhandel. Ihre mechanische Belastbarkeit, etwa ihre Widerstandsfähigkeit gegen Punktlasten, entspricht jedoch den Anforderungen. Wir haben also eine Balance zwischen Widerstandsfähigkeit und gelenkschonender Nachgiebigkeit gefunden. Schließlich geben leicht elastische Böden auch den Kunden ein angenehmes Laufgefühl.

BSW setzt auf Polyurethan. Was spricht dafür?

Polyurethan setzt keine Weichmacher frei. Die von BSW verwendeten Polyurethane sind emmissionsarm, weil wasserbasierend. Die Polyurethanfarben von decoelast sind äußerst licht- und farbbeständig. Polyurethan ist mechanisch hervorragend belastbar. Und schließlich ist Polyurethan langlebig. Wir kennen PUR-Böden von BSW – Vorgängerversionen unserer neuen Produktlinie decoelast – die über 30 Jahre alt sind. Sie sehen noch passabel aus, sind voll funktionsfähig, und niemand sieht Renovierungsbedarf. Kurz gesagt: Diese Böden halten länger als uns lieb ist.

Es gibt hartnäckige Vorurteile gegenüber Kunststoffen. Wie steht es mit Schadstoffen bei der Produktion oder Ausdünstungen und Abrieb während des Gebrauchs?

Vorurteile sind konservierte Erfahrungen aus der Vergangenheit, die den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr entsprechen. Normen und gesetzliche Bestimmungen in Deutschland und EU-weit verhindern längst, dass Baumaterialien gesundheitsgefährdend sind. Das Umweltmanagement von BSW ist zertifiziert nach DIN EN ISO 14001, die Arbeitssicherheit, die auch den Umgang mit Chemikalien einschließt, nach OHSAS 18001. Unser Bodensystem decoelast besteht aus emmissionsarmen Polyurethanen, die Elastikschicht dieses Bodensystems vorwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen, weshalb sie den Blauen Engel besitzt. Durch die lange Lebensdauer wird das aus Erdöl hergestellte PUR äußerst nachhaltig eingesetzt. Vergleicht man dies mit dem Verbrauch von Erdöl in Verbrennungsmotoren und Heizanlagen, ist eine ressourcenschonendere Verwendung kaum vorstellbar. Würde Erdöl nur zur Herstellung von Kunststoffen verwendet, würden die Vorkommen für viele Jahrhunderte ausreichen. In der Entsorgung haben Polyurethane keinen negativen Einfluss auf die Emissionen moderner Hausmüllverbrennungsanlagen, und die dabei gewonnene Wärmeenergie entspricht der von Kohle. Bei näherer Betrachtung verschwimmen also die diesbezüglichen Unterschiede zwischen „natürlichen“ Bodenbelägen und solchen aus Kunststoff.

Muss man bei der Wahl des Bodens bereits den späteren Auszug bedenken?

Man muss sogar die eigene Renovierung bedenken. Deshalb empfiehlt es sich, einen Boden zu installieren, der mit angemessenem Aufwand wieder entfernt werden kann. Bei den meisten Materialien ist das möglich, bei Beschichtungen, die direkt auf den Estrich aufgebracht werden, aber nur maschinell. Die Oberfläche von decoelast ist dagegen eine Beschichtung, die direkt auf Bahnen elastischen Materials aufgebracht wird. Die beschichteten Bahnen lassen sich je nach Verklebung wie ein normaler Bodenbelag entfernen.


Interview: René Schellbach, iXtenso.com
 

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