Bericht • 01.11.2014

Investieren, um zu sparen

Handel setzt auf umfassendes Energiemanagement und integrierte Systeme

Im Food-Handel fallen knapp 63 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche pro Jahr...
Im Food-Handel fallen knapp 63 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche pro Jahr für Energie an. Die Kühlung hat hier mit 41 Prozent den größten Anteil am Energieverbrauch.
Quelle: panthermedia.net / satina

Die Steigerung der Energieeffizienz ist und bleibt ein immens wichtiger Faktor für den Handel. Denn hier lassen sich nicht nur Kosten sparen, sondern auch das Image verbessern. Dem modernen Verbraucher ist Nachhaltigkeit wichtig und kein Händler kann es sich leisten, diesem Thema keine Beachtung zu schenken.

Der Schlüssel zu beidem ist dabei ein umfassendes Management. Das ermöglicht dem Händler, seine Kühl- und Heizsysteme so zu steuern, dass ein möglichst großer Anteil der vorhandenen Energie genutzt wird – so kann zum Beispiel die Abwärme der Kühlmöbel im Winter zum Heizen eines Supermarkts genutzt werden. Damit das funktioniert, müssen aber die Systeme möglichst nahtlos und intelligent ineinandergreifen.

Energiekosten steigen weiter

Auch im letzten Jahr hat sich der Trend fortgesetzt: Die Energiekosten im Einzelhandel sind gestiegen, teilweise sogar deutlich um bis zu 25 Prozent im Vergleich zu 2012. Das hat das EHI Retail Institute in seiner Studie "Energiemanagement im Einzelhandel 2013" herausgefunden. Als größten Preistreiber betrachten die befragten Händler dabei staatliche Abgaben, die inzwischen 50 Prozent der Kosten ausmachen. Da insgesamt 86 Prozent der Studienteilnehmer im letzten Jahr gestiegene Energiekosten hinnehmen mussten, ist es kein Wunder, dass auch die Bereitschaft für Investitionen in energieeffiziente Anlagen gestiegen ist.

Hohe Kosten im LEH führen zu hoher Investitionsbereitschaft

Die Höhe der Energiekosten ist gerade im Handel stark von der Branche abhängig. Im Food-Handel fallen laut Angaben des EHI knapp 63 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche pro Jahr für Energie an. Die Kühlung hat hier mit 41 Prozent den größten Anteil am Energieverbrauch, gefolgt von Beleuchtung und Klimatisierung mit 27 und 14 Prozent. Im Nonfood-Handel müssen im Schnitt gut 36 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche für Energie aufgebracht werden, wobei hier die Beleuchtung naturgemäß den größten Anteil mit 53 Prozent hat, denn energieintensive Kühlsysteme gibt es hier nicht. Die Klimatisierung hat hier einen Anteil von 22 Prozent an den gesamten Energiekosten.

Allen Handelsbranchen gemein ist jedoch die gestiegene Bereitschaft zur Investition in energieeffiziente Anlagen. 86 Prozent der Händler wollen weiter in die Beleuchtung investieren, wobei die meisten Händler in energiesparende LED-Leuchten investieren wollen. Viele betrachten den Preis für die entsprechenden Lösungen aber immer noch als zu hoch für einen flächendeckenden Einsatz. Auch die Bedeutung der Kältetechnik im Lebensmittelhandel zeigt sich besonders an der großen Investitionsbereitschaft, die seit 2010 konstant bei 80 Prozent liegt.

Integrierte Systeme und umfassendes Management sind Standard in der Branche

Eine durchgängige Energieoptimierung durch die Integration verschiedener Systeme wird im Bereich der Kältetechnik inzwischen von den meisten Händlern genutzt, da diese mit 41 Prozent den größten Energieverbraucher darstellt und somit das größte Einsparpotenzial bietet. Der Einsatz von Systemen zur Wärmerückgewinnung – also zur Nutzung der Abwärme aus der Kälteproduktion zur Heizung oder Warmwasseraufbereitung – kann inzwischen als branchenweiter Standard angesehen werden.

Top Produkt Handel 2014“ kombiniert Kühlung, Klimatisierung, Heizung und Lüftung

Laut EHI setzen also bereits die meisten Lebensmittelhändler Wärmerückgewinnungs-Systeme ein. Und das meist eingebettet in ein Komplettsystem, dass Kältetechnik, Heizung und Klimatisierung steuert. Eine solches System hat zum Beispiel Daikin mit dem Conveni-Pack im Angebot, das auf der EuroShop 2014 als „Top Produkt Handel“ ausgezeichnet wurde und als  erstes seriengefertigtes Komplettsystem Normal- und Tiefkühlung sowie Klimatisierung, Heizung und Lüftung in einem Kreislauf kombiniert.

Die in der Lebensmittelkühlung produzierte Abwärme wird im Winter vollständig zur Beheizung des Supermarktes genutzt. Dies führt zu einer Energieeinsparung von ca. 40 Prozent pro Filiale. „Bei der ganzheitlichen Betrachtung eines Gebäudes und im Zusammenspiel der Komponenten Heizung, Klimatisierung Kälte und Belüftung können Einsparpotenziale am besten ausgeschöpft werden“, ist Gunther Gamst, Geschäftsführer von Daikin Airconditioning Germany, überzeugt.

Mit einem solchen System kann der Supermarktbetreiber auf ein konventionelles Heizsystem verzichten, denn in den Übergangszeiten wird die Wärmenergie aus den Kühlstellen über die Klimageräte direkt zur Beheizung der Verkaufsfläche genutzt. Im Winter kann die Wärmepumpe der Außenluft effektiv Wärme entziehen und diese zusätzlich zur Abwärme als Heizenergie zuführen. Und in den Sommermonaten wird die nicht benötigte Abwärme aus den Kühlstellen und der Verkaufsfläche an die Außenluft abgeführt.

Veranstaltung zum Thema im November 2014 in Bonn

Das Thema Energieoptimierung ist und bleibt also gerade angesichts der steigenden Kosten eines der wichtigsten für den Handel und hat auch in diesem Jahr nichts von seiner Aktualität verloren. Und die Händler blicken sorgenvoll in die Zukunft und rechnen laut der Befragung des EHI mit einem weiteren Anstieg ihrer Energiekosten von im Schnitt 8,5 Prozent innerhalb der nächsten drei Jahre.

Das zeigt sich auch wieder auf dem jährlichen Fachkongress zum Thema „Energiemanagement im Einzelhandel, den das EHI sowie die Handelsverbände BTE (Bundesverband des deutschen Textileinzelhandels), BVL (Bundesvereinigung Logistik), BVT (Bundesverband Technik des Einzelhandels) und BWB (Bundesverband Wohnen und Büro) vom 11. bis 12. November 2014 in Bonn veranstalten. Themen sind in diesem Jahr unter anderem die Ermittlung von Energie-Kennzahlen, der Umgang mit „Energiefressern“ und mögliche ganzheitliche Energiekonzepte. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.energiekongress.com.

Autor: Daniel Stöter, iXtenso.com

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