Firmennachricht • 10.12.2013

Wie klimafreundlich kühlen Deutschlands Supermärkte?

Erste Umfrage der Deutschen Umwelthilfe unter 33 Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels – DUH fordert Verbot für klimaschädliche F-Gase

Wie klimafreundlich kühlen Deutschlands Supermärkte?...
Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)

Nicht nur Herstellungsart, Verpackung und Herkunft von Lebensmitteln haben Auswirkungen auf unser Klima, sondern auch ihre Lagerung und ihre Kühlung. Aus diesem Grund hat die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) erstmals die 33 größten Vertreter des deutschen Lebensmitteleinzelhandels nach dem Einsatz von Kältemitteln sowie nach Energieeffizienzmaßnahmen im Kältebereich befragt.

Das Ergebnis: Die Unternehmen erkennen langsam, dass ein effizientes und umweltfreundliches Kühlregal wesentlich zum Klimaschutz beitragen kann. Hintergrund für die Umfrage ist die derzeit in Brüssel diskutierte Revision der sogenannten Verordnung für fluorierte Gase (sogenannte F-Gase). Die DUH fordert eine zügige und verbindliche Abkehr von allen, das Klima belastenden Kältemitteln und einen verbindlichen Ausstiegsplan insbesondere in Bereichen, in denen kosten- und energieeffiziente Alternativen zur Verfügung stehen.

„Angesichts der enttäuschenden Signale aus der internationalen Klimapolitik ist jetzt Brüssel gefordert, einen vollständigen Ausstieg aus der Verwendung klimaschädlicher Substanzen bei der Kühlung von Waren verbindlich zu garantieren“, fasst Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH die Ergebnisse zusammen. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass erste Vertreter des deutschen Lebensmitteleinzelhandels bei ihren Kühlsystemen langsam auf klimafreundliche Kältemittel umsteigen. Von einem flächendeckenden Einsatz natürlicher Alternativen für die Warenkühlung sind wir aber noch weit entfernt.“ Resch kritisierte die Mehrheit der Unternehmen für ihre mangelnde Auskunftsbereitschaft. Von den 33 befragten Vertretern hatten 20 die Auskunft verweigert oder nicht geantwortet. Die beiden Marktführer Rewe und Edeka erteilten außerdem keine differenzierten Auskünfte für ihre Discounter Penny und Netto Marken-Discount.

F-Gase wurden als Ersatz für ozonschädigende Stoffe wie FCKW entwickelt, besitzen aber ein Treibhauspotenzial (GWP), das bis zu 24.000 Mal über dem von CO2 liegt. Dabei werden zwei Drittel der heute in Deutschland eingesetzten F-Gase als Kältemittel verwendet. Besonders beliebt ist die Chemikalie R404A, die alle befragten Unternehmen verwenden. Sie besitzt einen Treibhausfaktor von 3.922 im Vergleich zu CO2. Überraschendes Ergebnis der Umfrage: Vor allem der Discountersektor setzt vermehrt auf natürliche Kältemittel. LIDL und ALDI nutzen nach eigenen Angaben in den kleineren Tiefkühltruhen zwischen 55 und 79 Prozent und in neuen Filialen auch bei größeren Verbundanlagen natürliche Alternativen zur Kühlung. Die Metro Group verzichtet in allen Lagerstandorten, ALDI SÜD in fast allen Logistikzentren auf den Einsatz klimaschädlicher Kältemittel und betreibt diese stattdessen mit der klimafreundlichen Variante Ammoniak. 

Die Kühlung von Waren ist im deutschen Lebensmitteleinzelhandel für durchschnittlich 50 Prozent der Energiekosten verantwortlich. Mit dem Einsatz von Türen an den Kühlregalen und LED-Beleuchtung lassen sich jedoch bis zu 40 Prozent der Kosten dauerhaft einsparen. Während in der Tiefkühlung bereits fast bei allen befragten Unternehmen Türen und Abdeckungen Standard sind, fehlen diese Effizienzmaßnahmen in Kühlregalen in der Regel. Ausnahme ist die Kaiser‘s Tengelmann GmbH, die jedes zweite Kühlregal mit Türen sowie mit einer stromsparenden LED-Beleuchtung ausstattet. Das führt zu Energieeinsparungen von 30 Prozent. Vorreiter in der energiesparenden Abdeckung ist der Bio-Supermarkt Alnatura. Hier sind alle Kühlregale mit Türen ausgestattet.

„Der Umstieg auf natürliche Kältemittel ist vom ökologischen Standpunkt her zwingend notwendig und aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Wir fordern die Politik deshalb auf, mit der anstehenden Revision der Verordnung europaweit klare Signale zum Wechsel auf natürliche Kältemittel zu setzen. Auch der Handel muss endlich reagieren und sich öffentlich zu einem verbindlichen Zeitplan bekennen, der den kompletten Ausstieg aus den F-Gasen regelt“, betont Dorothee Saar, Leiterin für Verkehr und Luftreinhaltung bei der Deutschen Umwelthilfe. Die DUH kündigte weitere Umfragen im Lebensmitteleinzelhandel zum Einsatz von Kältemitteln an.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)

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