Automatisierung: Shuttles, AMRs und Goods-to-Man im Überblick

Vom Vollsortimenter bis zum urbanen Store: Wie automatisierte Lager die Retail-Logistik neu definieren

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Wer durch einen der großen Supermärkte läuft – vorbei an der Käsetheke, dem Non-Food-Regal mit Büchern und Haushaltsartikeln, den internationalen und regionalen Produkten, stellt sich unweigerlich eine Frage: Wie funktioniert das Lager dahinter? Wie wird ein Sortiment dieser Größe täglich sortiert, disponiert und kommissioniert, ohne dass im Verkaufsraum irgendetwas stockt?

Die Antwort lautet nicht nur bei Online-Riesen wie Amazon oder Zalando heutzutage immer häufiger: dank Automatisierung. Der globale Markt für autonome Lagerroboter (AMR) lag 2025 bereits zwischen 3,1 und 5,3 Milliarden US-Dollar und wächst jährlich mit 17 bis 22 Prozent. Die Botschaft für den Handel: Die Technologien, die jahrelang nur Großkonzernen vorbehalten schienen, kommen jetzt auch bei mittleren und kleineren Händler*innen an.  

Was bedeutet eigentlich was?

Fünf Begriffe dominieren die Debatte und können verwechselt werden:

Begriff



Kurzerklärung


Typischer Einsatz


Shuttle-System

Automatisierte Fahrzeuge transportieren Behälter in dichten Regalanlagen


Zentrallager, Vollsortimenter


AMR


Autonom navigierende Roboter bewegen sich frei durchs Lager


Flexible Betriebe, Omnichannel


Goods-to-Man


Die Ware fährt automatisch zum Kommissionierer – nicht umgekehrt


E-Commerce, E-Grocery


Cube Storage / AutoStore


Kompaktes Grid aus gestapelten Behältern, Roboter fahren obendrüber


Urbane Stores, begrenzte Flächen


KI-Flottensteuerung


Software koordiniert alle Systeme gleichzeitig in Echtzeit

Komplexe Multi-System-Umgebungen



Trend 1: Shuttle-Systeme – Hochdichte Lagerung auf engem Raum

Shuttle-Systeme gehören zu den bekanntesten Technologien in der Lagerautomatisierung. Kleine, schnelle Fahrzeuge bewegen sich automatisch durch dicht-an-dich stehende Regale und bringen Behälter direkt an den Kommissionierplatz. Der globale Markt lag 2024 bei rund 4,57 Milliarden US-Dollar und soll bis 2032 auf 12 Milliarden US-Dollar wachsen. Auf der LogiMAT 2026 in Stuttgart präsentierten mehrere Anbieter weiterentwickelte, wabenbasierte Systeme – flexibler und platzsparender als ihre Vorgänger.

Für Händler*innen: Hohe Einstiegsinvestition, ROI-Horizont 4 bis 7 Jahre. Ab mittlerer Betriebsgröße wirtschaftlich sinnvoll.  

Trend 2: AMRs – Flexibilität als Vorteil

Autonome Mobile Roboter sind das dynamischste Segment des Marktes. Im Gegensatz zu fest installierten Systemen navigieren AMRs frei durchs Lager, weichen Hindernissen aus und lassen sich ohne umbauen integrieren. Bis 2035 soll der AMR-Markt auf 25 Milliarden US-Dollar wachsen. Viele Großlager setzen natürlich heute schon auf diese technologischen Vorteile. Laut Zebra Technologies' Warehousing Vision Study stehen 70 Prozent der Lagerbetreibenden unter konkretem Modernisierungsdruck, 63 Prozent planen Investitionen innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Für Händler*innen: Flexibler Einstieg möglich, mittlere Investition. Auch für KMU geeignet.

Trend 3: Goods-to-Man – Weniger laufen, schneller sammeln

Das Goods-to-Man-Prinzip dreht den klassischen Kommissionierprozess um: Statt, dass Mitarbeitende durchs Lager laufen, kommt die Ware zu ihnen. Automatisierte Systeme bringen, was gebraucht wird. Die Vorteile: deutlich höhere Pickraten, weniger Fehler und eine Entlastung der Belegschaft. Besonders gefragt ist das Prinzip mittlerweile in der Sparte E-Grocery, wo Same-Day-Delivery immer wichtiger wird.

Für Händler*innen: Mittlere bis hohe Investition, aber einem bestimmten Bestellvolumen wirtschaftlich sinnvoll.

kleine autonome Roboter, die zwischen den Regalen Pakete verteilen...
Quelle: envato elements

Trend 4: AutoStore & Cube Storage – Maximales Lager auf minimaler Fläche

Hier wird wirklich jeder Meter genutzt, denn Kunststoff-Bins werden in einem würfelförmigen Grid übereinandergestapelt, Roboter fahren auf einem Raster obendrüber und bringen die benötigten Behälter nach oben. Die Lagerkapazitäten können auf gleicher Grundfläche also teiols verdoppelt oder auch verdreifacht werden. Gerade für urbane Händler*innen mit begrenzten Lagerräumen ist das eine gute Lösung.

Für Händler*innen: Kompakte Einstiegsanlagen verfügbar. Skalierbar für KMU bis Enterprise.

Trend 5: KI-gestützte Flottensteuerung – Das Nervensystem des Lagers

Hier ist Vernetzung das Stichwort, denn alle Systeme funktionieren dadurch am besten. KI-gestützte Flottensteuerung koordiniert Shuttles, AMRs und Goods-to-Man-Stationen in Echtzeit – prognostiziert Auftragsspitzen, optimiert Routings, plant Wartung vorausschauend. KI muss bei der Verwendung solcher Lösungen als Bestandteil der Systemarchitektur gedacht werden. Wie das im Detail funktioniert und welche Anbieter den Markt prägen, greift der zweite Teil unseres Logistik-Clusters auf.

Für wen lohnt sich was?


Klein (< 500 m²)

Mittel (500–3.000 m²)
Groß (> 3.000 m²)

AMRs

✅ Einstieg möglich


✅ Empfehlenswert


✅ Etabliert


Goods-to-Man

⚠️ Nur bei hohem Volumen


✅ Sinnvoll


✅ Standard


Shuttle-Systeme

❌ Meist zu aufwändig


⚠️ Einzelfälle


✅ Ideal


AutoStore/Cube

✅ Kompakt, KMU-tauglich


✅ Flexibel skalierbar


✅ Bewährt


KI-Flottensteuerung

⚠️ Nur in Kombination

✅ Zukunftssicher

✅ Unverzichtbar


Fazit & Ausblick

Die Technologien sind da, die Einstiegsschwellen sinken. Jetzt scheint es noch eine strategische Option zu sein, doch in einigen Jahren könnte es für den Handel zur Notwendigkeit im operativen Geschäft werden. 

Autonome Roboter im Einsatz: Exklusive Einblicke in Sortierprojekt bei GLS - hier geht es zu unserem Interview!

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