Fachbeitrag • 12.09.2016

Warum Brandschutz und Ästhetik sich nicht ausschließen

Design mit größter Sicherheit

Ted Baker: „Viele verschiedene eingebaute Materialien erhöhen die...
Ted Baker: „Viele verschiedene eingebaute Materialien erhöhen die Brandlast.“
Quelle: Ted Baker

Die Konzeption eines Gebäudes beginnt im Kopf und geht am Computer weiter. Aspekte der ökonomischen Effizienz sowie der Nachhaltigkeit werden genauestens durchdacht, Form und Funktion aufeinander abgestimmt. Eine zentrale Rolle sollte dabei auch die Sicherheit für Mensch, Gebäude und Umwelt spielen, zumal Architekten bei unzureichendem Brandschutz persönlich haften. Doch wie lassen sich die Brandschutzbestimmungen optimal in das Architekturkonzept integrieren?

Moderne Holzbauten, großzügige Glasfronten, raffinierte Stahlkonstruktionen – schön fürs Auge, aber auch sicher für Bewohner und Besucher? Generell haben Architekten und Planer dafür Sorge zu tragen, dass die Brandschutzbestimmungen, die bspw. in der Musterbauordnung definiert sind, erfüllt werden. Doch häufig werden die dazu notwendigen Maßnahmen zu spät bedacht, was zur Verzögerung des Bauprozesses und finanziellem Mehraufwand führen kann. Frühzeitige Absprachen zwischen Bauherr, Architekt, Designer, Fachplaner und Brandschutzexperten hingegen schaffen den nötigen Raum, um die Sicherheitsanforderungen mit dem Anspruch nach Ästhetik zu verbinden.

Baulich auf Nummer sicher gehen

Längst gibt es zahlreiche Lösungen, die die Integration von vorbeugendem Brandschutz und zukunftsorientiertem Designkonzept ermöglichen: nichtbrennbare Baustoffe und feuerwiderstandfähige Bauteile, die sich durch ihre Oberflächengestaltung selbst in ausgefallene unternehmensspezifische Farbkonzepte einfügen lassen. Individuell wählbare Brandschutzbeschichtungen für Holz, Stahl, Kabel oder Abschottungen. Farbiges Brandschutzglas und spezielle Dachverglasungen, die trotz der nötigen Materialstärke die gewünschte Transparenz und Leichtigkeit vermitteln, und vieles mehr.

Architektonische Freiräume schaffen

Elementarer Bestandteil für einen umfassenden Brandschutz sind zudem anlagentechnische Maßnahmen, die stets in Kombination mit dem baulichen Brandschutz zu sehen sind – denn sie erweitern die architektonischen Möglichkeiten zusätzlich. Sprinkleranlagen bieten nicht nur den Löscheffekt, sondern auch den indirekten Kühleffekt des Wassers, der die Temperatur der umliegenden Materialien wie Holz, Plastik oder Stahl im Gefahrfall senkt und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Feuer erhöht. Glasfronten und Stahlkonstruktionen können daher in Verbindung mit Sprinklerschutz in einer geringeren Feuerwiderstandsklasse ausgeführt werden. Dass sich spektakuläre Architektur und guter Brandschutz hervorragend verbinden lassen, zeigt auch das von den Stararchitekten Herzog & de Meuron aus Basel entworfenen VitraHaus. Der Gebäudekomplex aus zwölf Häusern, die zu einem „Häuserhaufen“ aufeinandergeschichtet wurde, steht auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Das Gebäude stellte höchste Anforderungen an den Brandschutz, der optimal integriert wurde und für fast unsichtbare Sicherheit sorgt. Wer auf Sprinkler setzt, spart häufig auch an der Anzahl der Brandschutzwände und -türen und erschließt sich eine größere Flexibilität in der Raumgestaltung. So entschied man sich in dem von Prof. Christoph Mäckler Architekten erschaffenen Bürohochhaus „Tower 185“ in Frankfurt bewusst für ein Sprinklersystem, um auch in der Lage zu sein, Wände zu verändern oder Räume zu erweitern – ohne jedes Mal brandschutztechnisch nachrüsten zu müssen.

Dezente, aber doch effektive Sprinkleranlagen werden Brandschutz und Design...
Dezente, aber doch effektive Sprinkleranlagen werden Brandschutz und Design gerecht.
Quelle: panthermedia.net / spopov

Auf unsichtbaren Brandschutz bauen

Störten sich manche designaffine Architekten früher daran, dass Sprinklerköpfe aus der Decke ragen, lassen sich diese inzwischen fast unsichtbar integrieren, dezent zurücksetzen beziehungsweise deckenbündig anbringen. Durch ihre individuelle Oberflächengestaltung und Farbgebung fügen sie sich nahtlos in die Umgebung ein. Auch die Rohrsysteme müssen kein Dorn im Auge sein, sondern lassen sich etwa durch Beschichtungen „Ton in Ton“ tarnen oder direkt im Beton verstecken. Letzteres hat zudem den Vorteil, dass sich die Gesamthöhe des Geschosses verringert – und damit auch die Baukosten. Auch weitere Löscheinrichtungen oder Rauchmelder gibt es in einem ansprechenden, individuellen Design. Bunt geht es inzwischen auch im mobilen Brandschutz zu. Die neuen farbenfrohen oder ornamentverzierten Feuerlöscher sind allerdings nur für den privaten Bereich vorgesehen. Wer sie in Büros oder öffentlichen Räumen einsetzen möchte, benötigt dafür eine behördliche Ausnahmegenehmigung – denn in Deutschland müssen betrieblich genutzte Feuerlöscher laut DIN-Norm rot sein.

Die Mall of Berlin hätte fast wegen mangelnder Brandschutzmaßnahmen das...
Die Mall of Berlin hätte fast wegen mangelnder Brandschutzmaßnahmen das Schicksal des Berliner Flughafens geteilt.
Quelle: panthermedia.net/terroa

Den Brandschutz Ernst nehmen

Der Handel investiert mehr oder weniger Geld in Alarmanlagen, Videoüberwachung, Zutrittskontrollen und Möbelsicherungen. Die Sicherheitsfragen sind ihm durchaus bewusst. Der Brandschutz gehört zwar auch zur Sicherheit, wird aber als notwendiges Übel, verankert in einem unübersehbaren Dickicht von länderspezifischen Vorschriften, wahrgenommen. Während sich beim Ladendiebstahl jeder Ladeninhaber angesprochen fühlt, hört sein Verständnis und seine Fachkenntnis beim Brandschutz schnell auf. Der Brandschutz ist heute eine sehr komplexe Angelegenheit, ob bei neuen Großprojekten oder im Bestand. Die Behörden nehmen die zahlreichen gesetzlichen Regelungen ernst und setzen sie auch durch. Prominentestes Beispiel war die Mall of Berlin, die 2014 wegen erheblicher Brandschutzprobleme fast das Schicksal des Berliner Flughafens geteilt hätte. Übergreifende Planungskompetenz, Errichtererfahrung und Produktqualität im Brandschutz sind elementar, wenn man einen qualitativ hohen Standard gewährleisten will. Mittlerweile sind Ladenbauer, die als Projektverantwortliche oder als Generalunternehmenr (GU) tätig sind, ebenso mit tiefergehenden Brandschutzproblemen befasst wie Planer und Architekten. Insbesondere die Haftung, die sich aus ihrer Tätigkeit ergibt, macht es notwendig, sich ein umfassendes Brandschutzwissen anzueignen. Denn nicht nur Neubauten lassen sich in puncto Sicherheit auf den neuesten Stand bringen. Auch bei Bestandsbauten oder historischen Gebäuden führen ganzheitliche Konzepte zu hervorragenden Lösungen. Jeder Store begeistert Kunden, wenn er ein attraktives Warenangebot hat, modern ausgestattet ist und eine gute Atmosphäre bietet. Die Sicherheit nehmen Kunden nicht wahr, sie erwarten sie einfach!

Autor: Angela Krause, dlv - Netzwerk Ladenbau e.V.

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