Bericht • 01.01.2011

Karton aufreißen – ins Regal schieben – fertig

Bei Edeka oder Rewe sind Kartons in den Regalen verpönt. Dagegen sind sie bei den Discountern die Regel. Sie fordern von den Herstellern Shelf-Ready Packaging, also regalgerechte Verpackungen. Die Hersteller nutzen die Kartons fürs Marketing und lassen sich etwas einfallen, damit die Ware ruckzuck gut präsentiert wird.

„So einfach ist die Sache nicht“, sagt Claudia Rivinius. Sie leitet die Unternehmenskommunikation beim Kartonagen-Hersteller STI-Group. Es gibt nämlich keine normierten Höhen und Breiten für Regale. ECR Europe hat 2007 in einem „Bluebook“ Empfehlungen für Shelf-Ready-Packaging veröffentlicht, GS1 Germany hat diese 2009 für den deutschen Markt in einem  „Assessment Tool“ präzisiert, aber Empfehlungen sind keine Normen, jeder Händler hat nach wie vor andere Maße. Die Discounter stellen zwar einheitliche Regalsysteme in ihre Filialen, aber Aldi, Lidl & Co. unterscheiden sich. Nur die Paletten sind genau definiert. Und weil man im Lkw möglichst wenig leeren Raum transportieren will, wird der Platz auf den Paletten optimal genutzt.

Karton als Transportmedium bezeichnet Claudia Rivinius als „optimal für die Umwelt“. Kunststoff-Boxen fürs Regal hätten sich nicht bewährt. Die Seitenwände aus Karton sind dünner als das Pendant aus Plastik. So geht weniger Platz verloren. Und die Rückführung zum jeweiligen Hersteller der darin transportierten Artikel sei zu aufwändig. Kartons dagegen lassen sich vielfältig bedrucken und flach zusammengefaltet nehmen sie bei der Entsorgung wenig Platz ein. Auch bunt bedruckter Karton könne man umweltgerecht entsorgen.

Discounter machen Druck

Die größten Vorteile von SRP ergeben sich in den Filialen. Sie optimieren jedoch auch die gesamte Logistikkette. Dazu müssen sie ausreichend robust sein, sie müssen stapelbar sein und dennoch soll sich im Laden die Transporthülle leicht vom Tray lösen lassen. Der Tray ist der untere Teil des Kartons, in dem die Ware steht. Auf dem Karton muss das Ladenpersonal auf Anhieb sehen können, was drin ist und wie der Karton geöffnet wird. Handelsgerechte Regalverpackungen sind einfach und ohne Messer zu öffnen und haben eine hohe Displayfähigkeit im Regal; die Marketing-Experten sprechen von „Shelf-Impact“.

Die Discounter mit ihrer Einkaufsmacht haben SRP bei fast 100 Prozent der Artikel durchgesetzt. Wer als Hersteller gelistet werden will, muss passend liefern. Das heißt auch: die Kartons müssen die gewünschte Menge an Artikeln enthalten – jene Menge, die sich in den Filialen in einer bestimmten Zeit auch verkaufen lässt. Der Trend geht hin zu gemischten Sortimenten. Im Karton ist nicht nur Erdbeermarmelade, sondern auch Himbeer, Kirsch und Heidelbeere.

Neue Druckverfahren und pfiffige Perforationen

Die Warenpräsentation soll auch noch stimmen, wenn der halbe Karton abverkauft ist. Daher werden immer mehr Transportkartons auch innen bedruckt, und es gibt Vorschubsysteme, welche die Artikel nach vorn drücken, wenn eine Tüte, ein Glas oder eine Schachtel entnommen wird.

Die Karton-Hersteller bieten immer neue Druckverfahren an. Vorbei die Zeiten, in denen auf braunen Kartons nur eine Farbe möglich war. Inzwischen sind auch Fotos und Sonderfarben machbar, auch Gold- oder Silberglanz. Die Hersteller können genau jene Farbe wählen, die zu ihrem Markenauftritt passt. Dass ist für Markenartikler besonders wichtig. Aber auch bei den Eigenmarken des Handels soll die Farbe des Kartons zur Farbe auf dem Produkt passen.

Die Transportkartons werden mit Perforationen und Eingrifflöchern versehen, die ein leichtes Aufreißen ermöglichen und dem Gebinde dennoch ein eigenes Aussehen verleihen. Teilweise wird innen die Ware von Kartoneinsätzen gehalten, welche das Personal entfernen muss. Damit ist gewährleistet, dass etwa Tüten perfekt aufrecht stehend ins Regal kommen.

Auf SRP folgt Retail-Ready Display

Im LEH ist die Aktionsware ein wichtiger Impuls fürs Geschäft. Viele Ketten werben mit Anzeigen und Prospekten wöchentlich für neue Angebote. Beworben werden nicht nur Artikel, die es lediglich in dieser oder jener Woche gibt, sondern auch Ware aus dem Sortiment zum Sonderpreis. Diese Ware wird im Aktionszeitraum gern zusätzlich in Sonderplatzierungen gestapelt. Auch hierfür bietet sich SRP an: Aktionsware kommt auf Viertelpaletten, teilweise bereits mit Rollen, oder ganzen Paletten direkt auf die Verkaufsfläche. Der Karton wird zum weit sichtbaren Display.


René Schellbach, iXtenso.com

 

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