Bericht • 04.08.2017

Digital Signage in Apotheken: Mit neuen Technologien noch besser beraten

Auch Apotheken brauchen ein Einkaufserlebnis

Touchscreens, Sichtwahl und digitale Beratungstische: Ein Blick in die Rathaus-Apotheke im huma Einkaufszentrum in St. Augustin setzt neue Maßstäbe in Sachen Digital Signage. Das Ziel: Kunden ein besonderes Erlebnis bieten und die Beratung vertiefen.

Am Eingang des neuen Einkaufszentrums huma befindet sich die 260 Quadratmeter große Rathausapotheke in St. Augustin. Rund eine Million Euro hat Inhaber Florian Wehrenpfennig investiert, um dort die neuesten Technologien einzusetzen. „Wenn, dann richtig“, dachte sich der Apotheker beim mittlerweile vierten Umbau, durch den er seine vier Jahrzehnte alte Apotheke schon gelotst hat und erklärt: „Wir haben alles automatisiert, was möglich war – von den Digital Signage-Elementen über elektronische Regaletiketten bis hin zum vollautomatischen Warenlager.“

Zwei große Videowalls sind die Blickfänger des Stores. Hinter den HV-Tischen (den Handverkaufstischen/Beratungstischen) befindet sich eine der Wände mit Sichtwahl – ein virtuelles Regal ohne Touchfunktion. Angezeigt werden hier die apothekenpflichtigen Produkte. Das Regal ist direkt verbunden mit dem Warenlager, das die Produkte vollautomatisch auslagert, ohne dass der Apotheker in das Lager gehen muss.

Zwischen den „echten“ Regalen im Selbstbedienungsbereich auf der Fläche befindet sich ein Touchscreen. Dort können sich Kunden Produkte ansehen, einen Warenkorb zusammenstellen und diese mit einem Bon, den sie am Touchscreen ausdrucken, an der Kasse abholen.

Florian Wehrenpfennig an der Touchsichtwahl
Apotheker mit Visionen: Florian Wehrenpfennig hält sich immer auf dem neuesten technologischen Stand, um konkurrenzfähig zu bleiben. Hier steht er an der Touch-Sichtwahl.
Quelle: Sandra Seifen/Sankt Augustin

Beratung ist das Herzstück der Apotheke: Mehr Zeit für den Kunden

Im Jahr 2012 stellte eine Studie des IFH  (Institut für Handelsforschung) im Auftrag der Apothekerkammern und -verbände in Nordrhein-Westfalen heraus, dass Verbraucher vor allem die Beratung in Apotheken schätzen und sich darüber hinaus weitere Serviceangebote wünschen. „Das Kerngeschäft der Apotheken ist nach wie vor die Beratung“, glaubt auch Wehrenpfennig. In seinem Geschäft übernehmen die Touchscreens kombiniert mit der Sichtwahlfunktion der Beratungstische dabei eine zusätzliche Beratungsfunktion. 

Oliver Müller, Geschäftsführer der OPTIMUM-Media GmbH und zuständig für die Installation der Digital Signage-Elemente in der Rathausapotheke, beschreibt die Funktionen: „Am Beratungstisch zeigt der Screen zehn Hauptindikationen, von den Atemwegen über Schmerzen bis hin zu Ohren und Haut, die mit drei Klicks in 150 Teilindikationen heruntergebrochen werden können. Das unterstützt sowohl den Mitarbeiter als auch den Kunden bei der Auswahl.“ Wehrenpfennig ergänzt: „Eine solche Beratung kann zwar länger dauern, aber dieses Gespräch ist das, was hängen bleibt. Das ist hier das Einkaufserlebnis.“

Die Prozessoptimierung im gesamten Store durch neue Technologien sind umfangreich: Die Regale müssen nicht mit Ware vollgestellt werden, um sie lagern zu können. Selbst wenn von einem Produkt nur eine Packung im Lager ist, kann dieses vielfach dargestellt werden. Das regelmäßige Nachfüllen, Umsortieren der Regale, Staubwischen und so weiter entfällt und somit der Zeitaufwand. Die virtuellen Regale, die schon einmal angelegt wurden, können immer wieder genutzt werden.

Beratungstisch mit Ansicht der Indikationen
Die Beratungstische können bis ins kleinste Detail bei der Beratung helfen.
Quelle: Constatin Meyer/Köln

"Die größte Investition ist in die Mitarbeiter, dicht gefolgt vom Ladenkonzept" (Florian Wehrenpfennig, Apotheker)

Virtuell geht schneller und individueller: Der Einfluss auf das Design

Die virtuellen Regale in der Sichtwahl werden über eine spezielle Software dargestellt. Damit die Inhalte optimal in allen Formaten angezeigt werden, müssen sie allerdings vorab bearbeitet werden. „Die Inhalte kommen direkt von der Pharmaindustrie und werden bei uns durch einen Grafiker für die Digital Signage-Systeme aufbereitet. Der Apotheker kann dann im Store anhand der Pharmazentralnummer, des Namens oder Herstellers das eindeutige Produkt identifizieren und die gewünschte Ansicht für die Sichtwahl aussuchen“, so Müller. Auch den Hintergrund und die Produktdarstellung kann er auswählen. Hierzu stehen Produktbilder zur Verfügung, die die Ware in unterschiedlichen Mengen oder Anordnungen, wie etwa einzelnen Reihen oder in Gruppen, zeigen. Wenn das Bild berührt wird, öffnet sich ein Fenster, das zum einen den Beipackzettel, zum anderen aber auch mögliche Werbevideos sowie Pflichttexte anzeigen kann.

Die Auswahl der visuellen Darstellung ist nicht nur für die Beratung wichtig, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil für das Design und somit die Atmosphäre des gesamten Ladens. „Das Design dieser Apotheke ist sehr klar, arbeitet mit reduzierten Möbeln und vielen weißen und hellen Anteilen. Die beiden großen Medien-Wände im Raum sind ein elementares Gestaltungselement, weil hiermit alle möglichen Stimmungen und Szenarien erzeugt werden können, beispielsweise mit Aktionen, Produkten, Filmen und Landschaftsbildern, die in dieser Größe eine starke Wirkung haben. Mit Digital Signage-Elementen kann die Optik, im Gegensatz zu einer baulichen Wand, schnell verändert werden“, beschreibt Architekt Carl E. Palm, der das Shopdesign entwickelt hat. Er ergänzt: „Damit das Design die gewünschte Wirkung erzeugt, sprechen wir mit dem Apotheker vor der Installation auch darüber, welche Farben beispielsweise als Hintergrund passen und sich in das gesamte Erscheinungsbild der Firma einfügen können.“

Photo
Quelle: Sandra Seifen/Sankt Augustin

Investition in die Zukunft: Immer zwei Schritte voraus

Wehrenpfennig stimmt zu: „Wir sind nicht nur flexibler, wir können den Store mehr emotionalisieren. Das ist unser Vorteil gegenüber dem reinen Versandhandel, wo die einzige Emotion eigentlich der Preis ist. Hierüber können wir im stationären Handel nicht gewinnen. Also müssen wir in Emotionen investieren. Die größte Investition ist in die Mitarbeiter, dicht gefolgt vom Ladenkonzept.“

Die Apotheke vor dem Umbau
Die Apotheke vor dem Umbau im Jahr 2015. Neues Gewand – neue Atmosphäre.
Quelle: Florian Wehrenpfennig

Digital Signage-Experte Müller sieht Investitionen für umfangreiche und große Digital Signage-Elemente vor allem in größeren Apotheken in Innenstadt- oder Centerlagen, die modern und aufgeschlossen seien. Er räumt ein: „Die kleineren Apotheken stellen eher einige wenige Touchbildschirme auf. Darüber hinaus macht die Sichtwahl auch nur Sinn in Verbindung mit dem vollautomatischen Kommissioniersystem.“ Die Kosten für eine derartige Installation seien beachtlich. Architekt Palm schätzt: „Pro Bildschirm sind da schon einmal 5.000 Euro drin. Ein Automat kostet noch dazu um die 100.000 Euro.“ Deshalb werde es auch in Zukunft viele unterschiedliche Mischformen in Apotheken geben. Das hänge sehr vom Standort, der Größe und dem Umsatz ab. Dabei werden seiner Ansicht nach auch nicht alle Produkte digitalisiert dargestellt werden. Denn gerade bei hochwertigen Produkten wie Kosmetika sei die Haptik wichtig.

Apotheker Wehrenpfennig ist schon jetzt sehr zufrieden mit seinem Konzept. Die Reaktionen der Kunden auf den Umbau seien positiv und das neue Ambiente habe viele neue Kunden angezogen. Die Mitarbeiter mussten einigen Kunden anfangs helfen und ihnen die Funktionen erklären: „Das funktioniert gut. Denn die Hauptsache ist, dass die Menschen, die hier arbeiten, die gleichen geblieben sind. Im Kopf des Kunden hängen zu bleiben, funktioniert meines Erachtens nur über die Persönlichkeit. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten haben wir vor allem mehr Zeit für den Kunden gewonnen.“

Neben der optimierten Beratung, die bei den Kunden gut ankommt, konnte er noch weitere Erfolge sehen: „Zwei Mitarbeiter haben sich aufgrund der modernen Ausrichtung unserer Apotheke bei uns beworben.“ Und auch in Zukunft werde er die Augen offen halten, wie sich die technologischen Möglichkeiten weiterentwickeln. Er blickt voraus: „Die Übergänge von online und offline verschwimmen immer mehr. Perspektivisch werden nur die Händler und Apotheker übrigbleiben, die beides können. Wenn man dieses Wissen hat, kann man nicht sagen: ‚Wir bauen hier jetzt eine ganz traditionelle Apotheke‘. Eine richtig schöne alte Apotheke ist auch toll – wie im Museum. Aber drumherum hat sich die Welt gewandelt.“ 

Autor: Natascha Mörs, iXtenso

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: E-commerce Germany Awards 2020 offiziell eröffnet!...
21.11.2019   #Online-Handel #E-Commerce

E-commerce Germany Awards 2020 offiziell eröffnet!

Awardverleihung im Rahmen der E-commerce Berlin Expo

Seit dem 1. November 2019 ist die Anmeldung zu den E-commerce Germany Awards 2020 möglich. Unternehmen im E-commerce Sektor können sich nun in einer der 10 Kategorien bewerben. Gastgeber der jährlichen Awards Show ist die E-commerce ...

Thumbnail-Foto: Neues Jahr, neue Richtlinien
03.09.2019   #Datenmanagement #Datenspeicherung

Neues Jahr, neue Richtlinien

Was ändert sich an deutschen Kassen ab 2020?

Ab dem 1. Januar 2020 wird sich einiges ändern an Deutschlands Kassen. Zwei Begriffe, die dabei durch die Luft schwirren, sind „Belegausgabepflicht“ und „Fiskalisierung“. Was steckt genau dahinter und was ...

Thumbnail-Foto: Deutscher Handelskongress 2019
30.09.2019   #Digitalisierung #Veranstaltung

Deutscher Handelskongress 2019

Das Motto: “Vision. Innovation. Wohlstand. Der Handel schafft Werte”

Die Veranstalter des Deutschen Handelskongresses 2019, Handelsverband Deutschland (HDE) und Management Forum der Handelsblatt Media Group, haben Details zum Kongressprogramm angekündigt. Der Deutsche Handelskongress steht unter dem Motto ...

Thumbnail-Foto: KassenSichV - Status Quo und Aufgaben
13.09.2019   #Sicherheit #Kassen

KassenSichV - Status Quo und Aufgaben

Was wird und was zu tun ist

Die Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) tritt mit dem 1. Januar 2020 in Kraft und mehr als drei Millionen Point of Sales (PoS) werden davon betroffen sein. Ab diesem Zeitpunkt müssen Registrierkassen in Deutschland mit einer zertifizierten ...

Thumbnail-Foto: Wenn der Kunde zum Kassierer wird
01.10.2019   #Kassensysteme #Mobile Payment

Wenn der Kunde zum Kassierer wird

Zwischen traditionell und visionär, zwischen Kassen und Codes

Im Onlineshop tun wir es schon seit Jahren: Füllen unseren Warenkorb, bezahlen per Klick und freuen uns über den Einkauf. Mit der App von snabble – jetzt im Bonner Hobbymarkt Knauber und bei IKEA in Frankfurt im Einsatz – ...

Thumbnail-Foto: drs//POS - Das Kassensystem für viele Checkout-Situationen...
13.09.2019   #POS-Systeme #Kassen

drs//POS - Das Kassensystem für viele Checkout-Situationen

Mit dem neuen System von Superdata voll im Bilde

Die Kasse ist das Ohr in den Markt. Von ihr hängt es ab, wie zeitnah und mit welchem Informationsgehalt Entscheider in der Zentrale in die Lage versetzt werden, Entwicklungen in der Filiale einzuschätzen und situations­gerecht zu ...

Thumbnail-Foto: Ein starkes Team für den POS
18.12.2019   #POS-Systeme #POS-Software

Ein starkes Team für den POS

Ausgründung der neoalto GmbH

POS TUNING, der Spezialist für die Warenpräsentation am Point of Sale, gibt die Ausgründung der Sparte Digitale Services bekannt. Als neoalto hat sich die im September neu gegründete GmbH bereits seit 2018 am Markt einen Namen ...

Thumbnail-Foto: Irma: Flagshipstore in Kopenhagen
30.10.2019   #elektronische Regaletiketten #Preisauszeichnung

Irma: Flagshipstore in Kopenhagen

Dänemarks älteste Einzelhandelskette eröffnet eine neue Filiale

In diesem Jahr feiert Irma, eine dänische Einzelhandelskette, ihren 133. Geburtstag und eröffnet gleichzeitig einen neuen Flagshipstore an der Station Østerport in Kopenhagen. Nach der Umstrukturierung präsentiert die Filiale ...

Thumbnail-Foto: Studie: Digitalisierung im Lebensmitteleinzelhandel...
05.11.2019   #stationärer Einzelhandel #Digitalisierung

Studie: Digitalisierung im Lebensmitteleinzelhandel

In gut jedem zweiten Supermarkt fehlen noch die technischen Voraussetzungen

Obwohl der Lebensmitteleinzelhandel das Potenzial längst erkannt hat, geht es mit der Digitalisierung doch langsamer voran als geplant. Ein wichtiger Grund: In 54 Prozent der Supermärkte fehlt es offenbar noch an den technischen ...

Thumbnail-Foto: Einfach, schnell, intuitiv bezahlen
02.09.2019   #Kassen #Kassenkomponenten

Einfach, schnell, intuitiv bezahlen

Kommt es bei POS-Systemen auf das perfekte und vielseitig einsetzbare Gerät an?

„Der perfekte Allrounder unter den Geräten am POS, der zu jedem Einsatzszenario in jeder Handelsumgebung passt, wurde noch nicht entwickelt“ sagt Oliver Kapahnke Geschäftsführer bei GLORY Deutschland. „Das macht aber ...

Anbieter

iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
Celsiusstraße 43
53125 Bonn
CCV Deutschland GmbH
CCV Deutschland GmbH
Gewerbering 1
84072 Au i.d.Hallertau
Permaplay Media Solutions GmbH
Permaplay Media Solutions GmbH
Aschmattstr. 8
76532 Baden-Baden
Maxicard GmbH
Maxicard GmbH
Gewerbering 5
41751 Viersen
Frost-Trol s.a.
Frost-Trol s.a.
Ctra. Valencia-Barcelona, km. 68,9
12080 Castellon
GLORY Global Solutions (Germany) GmbH
GLORY Global Solutions (Germany) GmbH
Thomas-Edison-Platz 1
63263 Neu-Isenburg
POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH & Co KG
POS TUNING Udo Voßhenrich GmbH & Co KG
Am Zubringer 8
32107 Bad Salzuflen
E-Commerce-Center Köln (ECC Köln)
E-Commerce-Center Köln (ECC Köln)
Dürener Str. 401 b
50858 Köln
Delfi Technologies GmbH
Delfi Technologies GmbH
Landgraben 75
24232 Schönkirchen
Superdata GmbH
Superdata GmbH
Ruhrstr. 90
22761 Hamburg