Bericht • 21.02.2024

Logistik: Aufladen und ausruhen neugedacht?

Wie das Joint Venture Milence das Rasten, Laden und den Transport im Güterverkehr verbessern möchte

CO2-Ausstoß ist in all unseren Lebensbereichen ein großes Thema. Wusstest du, dass etwa ein Viertel der Emissionen auf den Straßen der Europäischen Union durch Last-Nutzfahrzeuge – also hauptsächlich die Transport-Lkw – verursacht wird?

Generierte Grafik die einen möglichen Rastplatz mit Ladestation zeigt....
Quelle: Proof of the sum

Eine Möglichkeit dies zu minimieren, wäre die Umstellung auf elektrischen Güterverkehr. „Vor einem Jahr, als Milence angekündigt wurde, haben wir uns verpflichtet, das größte Ladenetzwerk für Elektro-Lkw in Europa aufzubauen“, erklärt Anja van Niersen, CEO von Milence.

Und die Idee nimmt Form an. Das Joint Venture aus den Auto-Riesen Daimler Trucks, Traton Group und Volvo Group möchte in den kommenden vier Jahren 1.700 Ladepunkte für den Schwerlastverkehr in ganz Europa schaffen.

Gerendertes Bild der Umgebung von so einer Ladestation/Rastplatz....
Quelle: Proof of the sum

Logistik der Zukunft?

Wie das aussehen könnte, hat das 2022 gegründete Unternehmen zusammen mit den Architekt*innen von Proof the Sum bereits im Herbst 2023 veranschaulicht:

In Wendekreisen werden die Lkw-Fahrer*innen jeweils in einer einzigen Fahrtrichtung zu den Stellplätzen geleitet. Diese sind großzügig bemessen und überdacht. Die Bogen- und Dachkonstruktionen aus laminiertem Holz bieten Schutz für Fahrzeuge und Ladestationen. Auch an die Fahrer*innen wird gedacht, denn in den Pavillons nebenan gibt es eine Lounge, Verkaufsautomaten mit frischen Mahlzeiten, Waschräumen und teils auch mit Fitness-Bereichen.

Drei Trucks an einer Ladestation in Venlo
Quelle: Milence

Bei der gesamten Konstruktion setzt man – ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit – auf biobasierte Materialien. Außerdem sollen große Teile der Stationen abnehmbar und modular bleiben, um die Parkstationen an neue Gegebenheiten oder Bedürfnisse der Logistik-Branche anzupassen. Der modulare Ansatz macht das Konzept zudem leicht skalierbar. In Zukunft könnten an verschiedenen Stationen Ladepunkte unterschiedlicher Größen entstehen. 

Anja van Niersen lächelt in die Kamera, im Hintergrund sind 5 stehende LKW zu...
Anja van Niersen, CEO von Milence
Quelle: Milence

Erstes Ladehub: Veno als strategischer Punkt

Im Dezember 2023 ging man an die konkrete Umsetzung und eröffnete im niederländischen Venlo das erste Ladehub mit vier Ladeschächten. Aktuell läuft die zweite Phase der Fertigstellung: Es werden die beschriebenen Bogen- und Dachkonstruktionen angebracht. Außerdem gehen noch weitere vier Ladestationen in Betrieb. Der neue Ladehub ist mit zwei leistungsstarken Combined Charging System (CCS)-Ladegeräten ausgestattet, die bis zu 400 kW Ladeleistung bereitstellen. Milence plant einen schnellen Übergang zur Megawatt-Ladesystem-Technologie (MCS), sobald diese verfügbar ist.

Warum sich das Joint Venture für Venlo als ersten Standort entschieden hat? „Im Mittelpunkt der Mission von Milence steht das Engagement für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe im Straßenverkehr. Um dies zu erreichen, entwickelt Milence sein Netzwerk mit dem Schwerpunkt auf der Schaffung grüner Korridore für den Straßentransport, die wichtige Logistikzentren verbinden“, heißt es von offizieller Seite. „Venlo liegt strategisch günstig für den internationalen Handel und ist damit ein idealer Standort für die Einführung des ersten großen öffentlichen Ladenetzwerks Europas […].“ 

Sowohl in Venlo als auch an zukünftigen Standorten sollen Elektro-Lkw aller Marken Halt machen können. Um das zu gewährleisten, unterzeichnet Milence derzeit Vereinbarungen mit mehreren großen E-Mobilitätsdienstleistern (eMSPs) in Europa. Auch verschiedene Zahlungslösungen werden verfügbar sein, so das Unternehmen. „Die Eröffnung in Venlo markiert einen wichtigen Moment auf unserem Weg, den Übergang zu nachhaltigem Verkehr zu beschleunigen“, sagt Anja van Niersen, CEO von Milence.  Was wäre die Idee ohne App? Das dachten sich wohl auch die Köpfe von Milence und geben der Kundschaft eine solche an die Hand. So können Kund*innen ganz einfach ein Ladegerät finden, den Ladestatus überwachen und auch bezahlen. Ein Buchungssystem befindet sich zurzeit noch in der Entwicklung.

Zu den Kosten: Der Einführungs-Direkttarif ist auf 0,4 EUR (0,399 EUR) pro kWh ohne Mehrwertsteuer und Transaktionskosten festgelegt. Weitere Infos gibt es in der App oder auf den offiziellen Kanälen des Unternehmens. 

Der Hub in Venlo ist der erste, der in der Benelux-Region eröffnet wird. Die kürzlich angekündigten Standorte in Antwerpen und Gent werden in den Jahren 2024 und 2025 folgen. Milence hat sich bereits mehrere Standorte entlang der zentralen europäischen Verkehrskorridore gesichert, deren Eröffnung im Laufe des Jahres 2024 geplant sind.

Katja Laska

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