Inventurdifferenzen im Einzelhandel: Ursachen & aktuelle Zahlen

Mehr Diebstahl im Handel - Verluste wieder in Milliardenhöhe

Grafik des EHI zu Inventurdifferenzen 2025, Tortendiagramm...
Quelle: EHI

Ladendiebstahl gab es schon immer, aber die Zahlen, die das EHI Retail Institute jährlich erhebt, zeigen, es werden immer mehr Vergehen: Die Inventurverluste im deutschen Einzelhandel sind 2025 auf 5,11 Milliarden Euro gestiegen – und wachsen damit schneller als der Umsatz. Was steckt dahinter, wer ist verantwortlich – und warum bleibt der Großteil der Fälle unbemerkt? Ein Überblick.

Wer verursacht den Schaden?

Hauptursache für die Unstimmigkeiten der Inventuren, ist Diebstahl. Laut EHI entfallen von den 5,11 Milliarden Euro Gesamtverlusten 4,33 Milliarden auf Diebstahl – aufgeteilt auf vier Gruppen:

  • Kundschaft: 3,05 Mrd. Euro
  • Eigene Mitarbeitende: 910 Mio. Euro
  • Lieferanten und Servicepersonal: 370 Mio. Euro
  • Organisatorische Mängel (Erfassungs- und Buchungsfehler): 780 Mio. Euro


Besonders alarmierend: Rund ein Drittel der Ladendiebstähle – etwa eine Milliarde Euro – geht auf organisierte Banden zurück. Also Reisegruppen, die systematisch wochenlang durch Deutschland ziehen, sind längst kein Randphänomen mehr. EHI-Experte Frank Horst sprach letztes Jahr im iXtenso-Interview offen von Deutschland als „Schlaraffenland" für gewerbsmäßige Täter – unter anderem wegen inkonsequenter Strafverfolgung durch die Behörden.

Balkengrafik des EHI zur Entwicklungen der Diebstähle im Handel...
Quelle: EHI

98 Prozent der Diebstähle bleiben unentdeckt

Die Polizeistatistik zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Realität: Über 98 Prozent aller Diebstähle werden laut EHI nicht erkannt und damit auch nicht angezeigt. Hochgerechnet bedeutet das rund 24,8 Millionen unbemerkte Fälle im Jahr ––mit einem durchschnittlichen Schaden von je 123 Euro pro Diebstahl.

Hinzu kommt. das viele Händler*innen gar keine Anzeige mehr erstatten, weil Verfahren ohnehin eingestellt werden. Das Dunkelfeld wächst und so könnte es passieren, dass das Problem unterschätzt wird.

Was kostet Prävention – und ist das genug?

Der Handel reagiert mit steigenden Investitionen. Die externen Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen – von Artikelsicherung über Kameraüberwachung bis zu Detektiveinsätzen – stiegen 2025 auf 1,7 Milliarden Euro. Rechnet man interne Aufwände wie Bestandskontrollen, Schulungen und Datenanalysen dazu, liegt die Gesamtsumme bei rund 3,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Zum Vergleich: Der durch Diebstahl verursachte volkswirtschaftliche Schaden – durch die entgangene Umsatzsteuer beläuft sich allein auf rund 590 Millionen Euro jährlich.

Welche konkreten Technologien und Lösungsansätze Händler*innen heute gegen Inventurdifferenzen einsetzen – von KI-Sensorik bis zu smarten Gate-Systemen – zeigen wir demnächst in unseren Themenschwerpunkt rund um "Loss Prevention". 

EHI Retail Institute, Pressemitteilung „Mehr Diebstahl im Handel", 24. Juni 2026

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