Vom Rabattcoupon zum Punktekonto: Lidl baut Loyalty-Programm um

Was das neue Punktesystem für den Handel bedeutet

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Quelle: Lidl in Deutschland

Der Schwarz-Discounter Lidl ersetzt zum 1. Juni 2026 die bisherige Rabattsammler-Logik in seiner Lidl-Plus-App durch ein dauerhaftes Punktesystem. Es fließen auch Online-Umsätze ein. 

Der Schritt zeigt, wohin sich Treueprogramme im Lebensmitteleinzelhandel bewegen – weg von reinen Rabatten, hin zur datengetriebenen Plattform.

Was sich ändert

„Die Einführung der Lidl Punkte läutet eine neue Ära ein", sagt Julius von Schnurbein, Leiter Customer Relations bei der Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG. Die Idee mit Blick auf die Experience: Die Kundschaft soll selbst entscheiden, welche Vorteile für sie am besten sind und so individuell die Punkte einsetzen.

Diese sammelt man folgendermaßen: Pro Euro Einkaufswert erhalten Kund*innen demnächst - online wie offline - einen Punkt, gezählt werden maximal die ersten fünf Einkäufe pro Tag. Diese Punkte sind anschließend 24 Monate gültig. Also hat jede*r Zeit, um Gesammeltes einzusetzen. Im neuen Prämienshop stehen über 200 Optionen zur Auswahl: Produkte des täglichen Bedarfs, Gutscheine und Rabatte für den Onlineshop. Wer sich neu registriert, bekommt ein Startguthaben von 50 Punkten. Die bekannten personalisierten Coupons bleiben weiterhin Bestandteil der App.

Loyalty wird zur Datenplattform

Mit der Umstellung synchronisiert Lidl seinen stationären und seinen digitalen Auftritt in einem einheitlichen System. Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wohin die Reise gehen kann, denn dort hat Lidl ein vergleichbares Punktesystem bereits im Mai 2025 ausgerollt und seither Marktanteile aufgebaut.

Die Logik dahinter geht über klassische Kundenbindung hinaus. Je stärker Einkäufe über eine zentrale ID laufen, desto präziser lässt sich die Sortimentsplanung ableiten, lassen sich Aktionen personalisieren - und Retail-Media-Inventar vermarkten. Erst vergangene Woche hatte Lidl eine Partnerschaft mit Criteo zur exklusiven Vermarktung des Werbeinventars auf Lidl.de bekanntgegeben.

Für kleinere Händler*innen liegt der Lerneffekt weniger in der konkreten Punktelogik als in den Prinzipien dahinter: eine einheitliche Customer-ID über alle Kanäle, transparente und langfristige Prämienregeln statt verstreuter Einzelaktionen. Hier wird genau auf die Stammkundschaft geschaut.

Unser Test bei Lidl:

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Der LEH und die Loyalty-Logik

Lidl steht mit dem Schritt nicht allein. Die Loyalty-Programme der großen LEH-Player haben sich in den vergangenen 18 Monaten verändert:

  • Lidl Plus: ab Juni 2026 ein Punkt pro Euro, 24 Monate Gültigkeit, über 200 Prämien, Online- und Filialumsätze gebündelt
  • Kaufland Card XTRA: seit 12. Februar 2026 ebenfalls ein Punkt pro Euro – zuvor ein Punkt pro fünf Euro; die Schwarz-Gruppe vereinheitlicht damit ihre Loyalty-Logik konzernweit
  • Rewe Bonus: seit Januar 2025 ein eigenes Cashback-Modell in Euro statt Punkten; Rewe hat Payback verlassen
  • Edeka & Netto Marken-Discount: seit 2025 bei Payback; Marktführer Payback kommt nach eigenen Angaben an knapp der Hälfte der Edeka-Kassen zum Einsatz
  • Aldi: testet seit Herbst 2025 in einem Berliner Aldi-Nord-Markt erstmals ein digitales Punktesystem – ein Kurswechsel für den Discounter, der jahrzehntelang eher auf niedrigere Preise setzte, statt in die App zu investieren.

Laut der Studie „Beyond Loyalty Apps" von IFH MEDIA ANALYTICS und MEDIA CENTRAL (März 2026) nutzen 91 Prozent der Verbraucher*innen mindestens eine Loyalty-App, im Schnitt sind 4,2 Programme installiert. Das Wachstum ist damit weitgehend ausgereizt. Da stellt sich auch die Frage: Wie wirksam ist ein solches Marketing auf Dauer? Sicher bleibt: Wer dauerhaft binden möchte, muss klaren Mehrwert liefern.

Diskussion um Datenschutz läuft weiter

Loyalty-Programme stehen seit Längerem im Fokus von Verbraucherschützern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte 2025 gegen Lidl Plus geklagt – mit dem Vorwurf, Rabatte wären nicht kostenlos, sondern würden indirekt mit Nutzerdaten bezahlt. Das Oberlandesgericht Stuttgart wies die Klage zurück, ließ wegen der grundsätzlichen Bedeutung aber eine Revision zum Bundesgerichtshof zu.

Was zu beobachten ist

Ob die Umstellung gelingt, zeigt sich an drei Stellen:

  • Einlösequote: Wie aktiv lösen Kund:innen ihre Punkte ab Juni tatsächlich ein?
  • Wettbewerb: Ziehen Edeka, Rewe und vor allem Aldi mit eigenen Schritten nach?
  • BGH: Wie urteilt der Bundesgerichtshof in der laufenden Revision zur Lidl-Plus-Klage

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