News • 12.05.2020

Jens Spahn im Digital-Talk von ‚Händler helfen Händlern‘

„Wir hätten besser über andere Kriterien gesprochen als Quadratmeter"

Ein Bildschirm, der eine Videokonferenz von vier Personen zeigt...
Quelle: Händler helfen Händlern

Wie kommt der Handel durch die Corona-Krise? Darüber diskutierte am vergangenen Montag Marcus Diekmann, Geschäftsführer von Rose Bikes und Mitinitiator der Pro-Bono-Initiative "Händler helfen Händlern", mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Mark Rauschen, Geschäftsführer des mittelständischen Mode- und Sportfachhändlers L+T aus Osnabrück. Einige Signale aus Berlin stimmen optimistisch.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kam mit einer beruhigenden Botschaft für den deutschen Handel in die inzwischen fünfte „Digital-Talk“-Runde der Pro-Bono-Initiative "Händler helfen Händlern", die Rose-Bikes-Geschäftsführer Marcus Diekmann inmitten der Corona-Krise organisierte, und der mittlerweile über 2.600 Mitglieder auf LinkedIn angeschlossen sind. "Wenn wir es richtig machen, sehe ich nicht, dass wir noch einmal in umfassende Beschränkungen müssen", wiegelt der CDU-Politiker die Angst der Wirtschaft vor einer zweiten Infektionswelle mit einem zweiten Shutdown ab. Man arbeite schon länger daran, Infektionsherde sofort zu unterbrechen - notfalls mit harten Maßnahmen vor Ort. Wenn dies gelinge, könnten bundesweite oder landesweite Maßnahmen vermieden werden, so der Bundesgesundheitsminister. 

Dennoch hat Deutschland die Corona-Krise noch nicht überwunden - und die deutschen Verbraucher bleiben in ihrer Freiheit beschnitten. Sie müssen weiter Abstand wahren, Hygieneregeln einhalten - und zum Leidwesen von L+T-Chef Mark Rauschen beim Einkaufen in Geschäften auch Masken tragen. "Menschen kommen in die City, um sich vom Alltag ablenken zu lassen", sagt Rauschen. Doch die Maske störe die Leichtigkeit. "Wir würden lieber Abstand halten oder Plexiglasscheiben nutzen." 

Alternativen zur Maskenpflicht im Handel sind denkbar 

Hier allerdings lässt der Bundesgesundheitsminister weniger mit sich reden. Nachdem Virologen erkannt hätten, dass sich die Covid-19-Erreger nicht wie in den ersten Wochen gedacht vermehrt im unteren Teil der Lunge ansiedeln, sondern mehrheitlich im Rachenraum, wurde die Maskenpflicht im Handel und im öffentlichen Nahverkehr eingeführt. "Ich halte Masken in der Sache für richtig, insbesondere da, wo man sich näherkommen könnte", betont Spahn. Noch sei die Frequenz in den Geschäften niedrig. "Aber wenn ich am Samstagmorgen durch Berlin fahre und die Schlange vor den Geschäften sehe, frage ich mich schon, wie lange die Menschen das aushalten." Wenn es in den Geschäften dann wieder enger werde, würden Masken schon einen Unterschied machen. Darüber hinaus würden sie das Bewusstsein aufrechterhalten, dass Deutschland noch immer mitten in der Pandemie sei. 

Doch auch hier gibt es für den Handel Anlass zur Hoffnung. Denn für Jens Spahn sind auch Alternativen zur Maske wie beispielsweise Plexiglasscheiben oder Gesichtsschirme denkbar. "Natürlich kann man den Effekt der Maske auch anders erreichen. Und es gibt ja jetzt schon gute Konzepte. Das wird sich Schritt um Schritt einfach ergeben", beruhigt der Gesundheitsminister. Schließlich könne man auf Dauer das, was nötig ist, ohnehin nicht mit staatlichem Zwang erreichen. "Das geht nur, wenn die Leute wollen", so Spahn. 

"Die 800-Quadratmeter-Regelung hat viel Akzeptanz gekostet"

Ein Paradebeispiel für staatlichen Zwang, der in die falsche Richtung zielte, ist die 800-Quadratmeter-Regelung für die Wiedereröffnung des Handels nach dem Shutdown. Während die letzten Bundesländer wie Hamburg noch immer an der Regelung festhalten, gibt Spahn zu: "Wir hätten besser über andere Kriterien gesprochen als Quadratmeter, denn es hat viel Akzeptanz gekostet, warum 799 Quadratmeter aufmacht und 801 nicht.“ Die 800 Quadratmeter, so erzählt der Gesundheitsminister, seien ein Unterscheidungsmerkmal im Baugesetzbuch. "Da ging es eher darum, überhaupt ein Kriterium zu haben", erklärt er. Allerdings gab es auch die Sorge, dass größere Geschäfte mehr Frequenz in die Innenstädte bringen würden. Und an manchen Bildern von dichtgedrängten Menschen in den Innenstädten sehe man ja dieser Tage schon wieder, dass diese Sorge nicht von der Hand zu weisen sei, so der Minister.

Forderungen seitens der Handelsinitiative

Von den Händlern Marcus Diekmann und Mark Rauschen bekam Spahn noch einige Forderungen mit auf den Weg nach Berlin: "Wir brauchen echte Staatshilfen. Es gibt die Arbeitslosenversicherung als Kurzarbeit und Kredite. Aber mehr nicht. Wir bekommen in unserer Unternehmensgröße nicht einen Euro Zuschuss. Aber ich habe die Sorge, dass viele Player in der City nicht überleben und wir das, was das Einkaufserlebnis in der Stadt ausmacht, langfristig verlieren", sagt L+T-Geschäftsführer Rauschen. Zudem wurde von Handelsseite vorgeschlagen, dass Unternehmen auch die Tilgung von Krediten von der Steuer abziehen dürfen. So könne man gezielt gesunde Unternehmen fördern, die Gewinne machen und die gesparten Steuergelder reinvestieren. Und schließlich forderte Marcus Diekmann, auch die Vermieter ihren Teil zur Krisenbewältigung beitragen zu lassen. Statt Mietzahlungen mit acht Prozent Zins zu verstunden, sollten die Mietverpflichtungen zwischen Händlern und Vermietern geteilt werden. Insgesamt hoffen die Händler, künftig eine bessere Stimme in Berlin zu haben. "Das ist für uns Händler wichtig", so Diekmann. Denn anders als die Autolobby habe der Handel in der Vergangenheit
immer zu viel alleine gehandelt. 

Der Bundesgesundheitsminister versprach, die Anregungen für wirtschaftliche Hilfen mit nach Berlin zu nehmen - warb aber gleichzeitig auch um Verständnis dafür, dass in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit vor allem die Rettung von Großkonzernen im Vordergrund zu stehen scheint. "Lufthansa war auf dem Weg, zu einem der größten Luftfahrtunternehmen der Welt zu werden", sagt Spahn. Nach der Krise entscheide sich, ob China und die USA die weltweite Marktführerschaft unter sich aufteilen, oder ob da auch noch ein Europäer mitspielen werde. Das gleiche gelte für Automobil und andere Bereiche, in denen Deutschland weiter in der Weltliga mitspielen wolle. "Die Frage, ob es da gut läuft, hat dann ja auch mit Einzelhandel zu tun", so Spahn. "Denn nur wenn wir als Exportweltmeister erfolgreich bleiben, haben genug Leute Kohle, um überhaupt einkaufen zu gehen."

Der fünfte Digital-Talk der Initiative „Händler helfen Händlern“ fand am Montag, den 11. Mai 2020 um 12.30 Uhr im Livestream statt und ist hier abrufbar.

Quelle: Händler helfen Händlern

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: WhatsApp Business: Schnelles Tool für direkten Kundenkontakt...
29.05.2020   #Kundenzufriedenheit #Kundenbeziehungsmanagement

WhatsApp Business: Schnelles Tool für direkten Kundenkontakt

Über die Installation, Funktionen und Vorteile der App

WhatsApp ist privat ein milliardenfach genutzter Kommunikationskanal. Mit der WhatsApp Business-App können jetzt gerade kleine Einzelhändler oder Restaurantbenutzer auf einfache und schnelle Art mit Kunden in Kontakt treten und vor allem ...

Thumbnail-Foto: Instore Farming: Wenn die Petersilie im Supermarkt wächst...
26.06.2020   #Nachhaltigkeit #Instore Marketing

Instore Farming: Wenn die Petersilie im Supermarkt wächst

Lebensmittel lokal produzieren und kaufen

Globalisierung bedeutet unter anderem, dass Verbraucher jedes Produkt von überall herbekommen können. Ein Salatkopf kann auf seinem Weg vom Herstellungsort in den Supermarkt schon mehr Kilometer hinter sich gebracht haben als so manche ...

Thumbnail-Foto: E-commerce Berlin Expo 2021
28.08.2020   #Online-Handel #E-Commerce

E-commerce Berlin Expo 2021

Die Veranstaltung ist das größte "Pure-Play" E-Commerce-Event in der (Technologie-)Hauptstadt Deutschlands. 2021 werden über 9.000 Besucher und 200 Aussteller erwartet.

Die Veranstaltung schafft unternehmerische Chancen für das gesamte E-Commerce-Ökosystem: von Händlern, über Plattformen, Hosting-Anbieter, Logistikdienstleister, bis hin zu Zahlungsabwicklern sowie anderen Anbietern von ...

Thumbnail-Foto: Warum Beschwerdemanagement relevant ist
12.08.2020   #Kundenzufriedenheit #Kundenbeziehungsmanagement

Warum Beschwerdemanagement relevant ist

Negative Kundenerfahrungen strategisch und kanalübergreifend angehen

Kunden werden immer anspruchsvoller und die generelle Markenloyalität nimmt ab. Schon wenige negative Erfahrungen können Kunden verprellen. Schlechte Bewertungen und Beschwerden werden zunehmend über öffentliche Kanäle ...

Thumbnail-Foto: Wandel auf Deutschlands Einkaufsstraßen – 8 Trends...
24.08.2020   #stationärer Einzelhandel #POS-Marketing

Wandel auf Deutschlands Einkaufsstraßen – 8 Trends

Highstreet-Report betrachtet die Einkaufsstraßen von 141 deutschen Städten

Deutschlands Städte befinden sich im stetigen Wandel und mit ihnen ihre Highstreets. Entscheidende Treiber sind dabei ein sich veränderndes Konsumentenverhalten und neue städtebauliche Leitlinien. Dort, wo einst vor allem eingekauft ...

Thumbnail-Foto: Lebensmittelgeschäft im Internet boomt weltweit...
07.09.2020   #Online-Handel #E-Commerce

Lebensmittelgeschäft im Internet boomt weltweit

Im Zuge der Corona-Pandemie kaufen immer mehr Verbraucher weltweit ihre Lebensmittel online

Allein Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA werden 2020 voraussichtlich 350 Millionen mehr Bestellungen von Nahrungsprodukten im Internet verzeichnen als im vergangenen Jahr. Dies entspräche einem zusätzlichen ...

Thumbnail-Foto: Nachhaltigkeit im Handel: Auswirkungen der Corona-Pandemie...
26.06.2020   #Nachhaltigkeit #Coronavirus

Nachhaltigkeit im Handel: Auswirkungen der Corona-Pandemie

Online-Umfrage der Universität des Saarlandes

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Handel? Wie beeinflussen die Erfahrungen, die Konsumenten in der Pandemie sammeln, ihre Einstellung zu regionalen Produkten, fairem Handel oder umweltbewusster Produktion? Wird Nachhaltigkeit ausschlaggebender ...

Thumbnail-Foto: „Liebe Händler und Kunden, werden Sie Freunde – Ladenfreunde!“...
15.09.2020   #stationärer Einzelhandel #Kundenbeziehungsmanagement

„Liebe Händler und Kunden, werden Sie Freunde – Ladenfreunde!“

Die Onlineplattform Ladenfreun.de bringt lokale Händler und ansässige Kunden zusammen. Das Erkennungszeichen: ein Produkt.

Wie kann man eine Brücke vom Onlinehandel in die Fußgängerzone schlagen? Diese Frage hat sich ein Nürnberger Startup gestellt und hat auch eine Antwort anzubieten: Ladenfreun.de. Gründer Matthias Hueber spricht im ...

Thumbnail-Foto: 4 Tipps, um mit Beschwerden umzugehen
13.08.2020   #Beratung #Kundenzufriedenheit

4 Tipps, um mit Beschwerden umzugehen

Wie Sie auf Beschwerden von Kunden optimal reagieren und sie für sich nutzen können

Beschwerden liest kein Händler gerne und Arbeit machen sie auch noch. Sie einfach zu ignorieren ist langfristig auch keine gute Strategie, jede schlechte Kundenerfahrung, die öffentlich wird, kann der Marke schaden. Also muss man darauf ...

Thumbnail-Foto: „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“...
27.07.2020   #stationärer Einzelhandel #Digitalisierung

„Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“

Förderprojekt für stationäre Einzelhändler

Die Corona-Krise stellt stationäre Einzelhandelsunternehmen vor große Herausforderungen. Durch die Pandemie wird deutlich: Digitalisierung und Onlinehandel sind wesentliche Faktoren für die Zukunftsfähigkeit im Wettbewerb. ...

Anbieter

ROQQIO Commerce Solutions GmbH
ROQQIO Commerce Solutions GmbH
Harburger Schloßstraße 28
21079 Hamburg
iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
Celsiusstraße 43
53125 Bonn