Bericht • 11.03.2020

Bodenbeläge im Einzelhandel: robust, nachhaltig und intelligent

Warum Design nicht alles ist

Dass wir in der iXtenso-Redaktion Böden lieben, ist sicherlich längst kein Geheimnis mehr. Nachdem wir jahrelang mit einem in die Jahre gekommenen Teppichboden Vorlieb nehmen mussten, ist unser Flur mittlerweile ein echter Hingucker

Doch welche Anforderungen hat der stationäre Einzelhandel neben einem zeitgemäßen und individuellen Design eigentlich an Bodenbeläge? Wir haben uns auf der EuroShop 2020 genauer umgesehen und aktuelle Trends festgehalten.

Robustheit schließt Design nicht aus

Bodenbeläge im stationären Einzelhandel müssen vor allem eines sein: robust und kratzfest. Immerhin gehen je nach Größe des Stores tagtäglich tausende von Kunden ein und aus. Ob High Heels, Schmutz, Einkaufs- oder Kinderwagen – Bodenbeläge müssen zwangsläufig einiges aushalten. 

Daher kommen häufig Harthölzer wie Eiche, Esche oder Buche zum Einsatz. Doch hoher Durchgangsverkehr oder das Verrücken von Gegenständen greift das Holz in hohem Maße an. Daher setzt das Unternehmen Pergo aus Belgien auf eine besondere Versiegelung, die kratz-, wasser- und schmutzfest ist. 

Dass das Geheimnis im sogenannten Overlay liegt, weiß Steven Meeremans, Marketing Manager bei Pergo: „Die Oberfläche unserer Böden wird durch eine besondere Dreifach-Versiegelung geschützt. Die Robustheit wird dabei insbesondere durch Aluminiumoxid-Partikel gewährleistet. Der besondere Mix aus Material und Technologie sorgt dann dafür, dass die Optik des Dekors nicht verloren geht.“ 

In der Tat werden die Böden durch die Versiegelung sprichwörtlich unzerstörbar, wie zahlreiche Belastungstests wie im Hauptbahnhof von Kopenhagen bewiesen haben.

Photo
Quelle: Julia Pott/ iXtenso

Nachhaltigkeit: Nichts geht in den Müll

Doch nicht nur Robustheit und Langlebigkeit sind Themen, die Händler umtreiben. Auch nachhaltig produziert müssen Bodenbeläge heute sein. Die Firma Unilin setzt daher in der Produktion der HDF-Platten – ein wesentlicher Bestandteilt von Hartböden oder Laminat – zu 100 Prozent auf Kreislaufholz. Alexander Callaghan, Project Consultant erklärt: „Unsere Spanplatten bestehen bis zu 85 Prozent aus Recyclingholz. Konkret verfolgen wir den Grundsatz, dass das gesamte Material nach Möglichkeit recycelt werden sollte. So begrenzen wir den CO2-Ausstoß und reduzieren den Bedarf an gefällten Bäumen.“

Mit einem ausgefeilten Sortier- und Reinigungsverfahren gibt das Unternehmen mehr als einer Million Tonnen Holz pro Jahr ein zweites Leben – Holz, das sonst verbrannt werden würde. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Fall jedoch nicht nur, recycelte Materialien zu verwenden: „Wir nutzen den Holzstaub, um Energie für den Produktionsprozess herzustellen“, so Callaghan. 

Underlay mit Sensoren für Bodenbelag
Quelle: Sonja Koller/ iXtenso

Wenn der Bodenbelag intelligent wird

Böden müssen aber nicht nur robust und nachhaltig sein, sie können ebenso Auskunft darüber geben, wie sich Kunden im Store bewegen. Das Unternehmen Future Shape bietet intelligente Böden mittlerweile auch für den Handel an. Das Underlay des Systems kann unter jeden Boden verlegt werden. Die Sensoren messen Veränderungen des elektrischen Feldes und leiten die Daten per integriertem Chip an ein Rechnersystem weiter. Dr. Axel Steinhage, CTO bei Future Shape, erläutert: „Mithilfe intelligenter Sensoren können Händler auswerten, wo ihre Kunden viel Zeit verbringen, wie schnell sie sich durch den Laden bewegen und welche Bereiche des Stores möglicherweise ‚tote Ecken‘ sind. Aus den gesammelten Daten wird dann eine Heatmap erstellt, um Bewegungsmuster zu erkennen und Aktivitäten auszuwerten.“ 

Laut Steinhage nutzen Retailer die Technologie vor allem in Flagship-Stores, um die gewonnenen Informationen später auf andere Geschäfte zu übertragen und somit die Positionierung von Regalen oder bestimmten Werbekampagnen zu optimieren. 

Wir halten also fest: Bodenbeläge im stationären Handel müssen nicht nur optisch etwas hermachen. Sie müssen sowohl robust, nachhaltig als auch funktional sein. Die nächste Herausforderung wird sicherlich sein, diese drei Anforderungen in einem Produkt zu vereinen. 

Autor: Melanie Günther

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