Interview • 16.06.2020

Warentest im Wohnzimmer

Der Nutzen von AR im Online-Shop

Die Kommode passt nicht neben das Bett! Die Farbe entspricht nicht dem Produktfoto! Die Handtasche ist viel zu klein! Es gibt zahllose Gründe, online erworbene Artikel zurückgehen zu lassen. Aber was wäre, wenn man diese Fehler schon im Vorfeld ausschließen könnte? Durch die Einbettung von Augmented Reality ist das möglich, meint Dr. Ulrich Clemens, CMO von Scanblue. Wir sprachen mit ihm über Nutzen, technische Möglichkeiten und die Zukunft von AR im Handel.

Ein Mann mit Brille und Anzug spricht und erklärt etwas...
Dr. Ulrich Clemens, CMO von Scanblue
Quelle: Scanblue Engineering AG

Herr Clemens, wie hat sich der öffentliche Umgang mit AR in den letzten Jahren verändert?

Die erste Begegnung der breiten Öffentlichkeit mit AR fand im Sommer 2016 statt, als das Spiel „Pokémon Go“ auf den Markt gekommen ist. Davor gab es zwar immer mal wieder kurze Hypes um AR, dann ist das Thema aber immer wieder in der Versenkung verschwunden. Überall waren Spieler oder kleine Gruppen unterwegs, die mit ihren Smartphones auf die Suche nach virtuellen Fantasiewesen gingen – und das in der realen Welt. Zum ersten Mal wurde klar, dass AR früher oder später auch von der breiten Masse verwendet werden würde.

Welche AR-Funktionen sind mit heutigen mobilen Endgeräten möglich?

Moderne Mobiltelefone und Tablets bieten sich aufgrund ihrer hohem Rechenleistung und der ohnehin vorhandenen Sensorik geradezu als AR-Gadgets an. Sowohl Google als auch Apple statten ihr mobilen Betriebssysteme iOS und Android heute mit Fähigkeiten für AR aus, so dass Nutzer AR-Objekte ganz einfach in ihrer Umgebung positionieren und anschauen können – und das ganz ohne App.

In Ausnahmen kann es jedoch auch weiterhin sinnvoll sein, eine spezielle App zu verwenden. Ein Beispiel: Ein Hersteller von Markisen hat eine Vielzahl von Größen, Ausführungen und Materialien im Angebot. Er möchte dem Kunden eine Art Konfigurator zur Verfügung stellen, damit dieser das fertige Produkt außen an seiner Hauswand betrachten kann. Für so einen Fall ist auch weiterhin eine App notwendig und sinnvoll.

Warum sollten Onlinehändler auf AR setzen?

Die alte Maxime „die Großen fressen die Kleinen“ gilt im Onlinehandel nicht mehr. Hier heißt es: „Die Schnellen fressen die Langsamen“. Wer zu lange wartet, verliert. Alle Technologien stehen zur Verfügung und es gibt für Onlinehändler keinen Grund abzuwarten. Daran, dass AR das Onlineshopping verändern wird, zweifelt jedenfalls kein Kenner der Branche.

Es ist kein Geheimnis, dass die Kaufbereitschaft bei Online-Käufern steigt, je größer die Möglichkeit ist, sich mit einem Produkt zu befassen. Bislang ging das nur über Produktfotos. Mit AR kommt jetzt die Chance hinzu, Produkte in einer ganz neuen Qualität zu begutachten: zuhause, dreidimensional, in Originalgröße und mit jedem Detail. Das Erlebnis im Online-Shop nähert sich so mehr und mehr dem Shopping-Erlebnis im stationären Einzelhandel an. Da der Kunde so in vielen Fällen frühzeitiger, das heißt bereits vor der Bestellung, merkt, ob ihm eine Ware passt und gefällt, reduziert sich außerdem die Retouren-Quote. Das sorgt für geringeren Aufwand und somit weniger Kosten beim Händler.

Für welche Bereiche ist der Einsatz von AR besonders spannend?

Wir haben mittlerweile Kunden aus nahezu allen Branchen: Lebensmittel, Mode, Schmuck zum Beispiel. In einigen Bereichen hat sich die Technologie schon länger etabliert: Das gilt beispielsweise für Möbel und alles andere rund um Haus und Garten. Hier bietet AR dem Kunden einen besonders großen Mehrwert, da er die Ware direkt in seiner eigenen Umgebung betrachten und in diese einpassen kann.

Wie kann ein Händler AR in seinen Shop einbinden?

Wenn ein Händler Produkte in seinen Shop einbinden will, muss er sie vorab digitalisieren beziehungsweise digitalisieren lassen. Wir von Scanblue beispielsweise bieten dazu zwei verschiedene Möglichkeiten an. Der Kunde kann die Produkte entweder an uns schicken und sie von uns einscannen lassen oder aber er erhält von uns ein 3D-Scansystem, mit dem er die Produkte eigenständig digitalisieren kann.

Welche Entwicklungen dürfen wir im Bereich AR in den nächsten Jahren erwarten?

Ein nächster Schritt wird wahrscheinlich sein, dass ganz normale Brillen die Fähigkeit erhalten, AR-Objekte in unsere Umgebung zu projizieren. Intel hat vor einiger Zeit einen Prototyp vorgestellt, der genau das kann. Mithilfe eines kleinen, am Brillengestell befestigten Projektors wurde dabei das AR-Bild auf die Netzhaut des Auges projizierte. Auch Kontaktlinsen, die für ein AR-Bild sorgen, wären denkbar.

Interview: Sonja Koller

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Self-Checkout: Selbst scannen und zahlen
26.04.2021   #Self-Checkout-Systeme #Smartphone

Self-Checkout: Selbst scannen und zahlen

Sofwareentwickler snabble und Einzelhändler tegut machen mit tegut… teo gemeinsame Sache

Jeder Topf hat einen Deckel. Der Einzelhändler tegut... hat für sein Konzept des unbemannten Stores seinen passenden in snabble gefunden. Mittlerweile haben die Partner bereits den dritten tegut…teo eröffnet. Sebastian ...

Thumbnail-Foto: Wie kommen Technologien in den Handel?
17.03.2021   #stationärer Einzelhandel #Coronavirus

Wie kommen Technologien in den Handel?

Rolf Schumann, CDO der Schwarz Gruppe, gibt bei den „Retail Innovation Days“ Antworten

Tech ist cool! Gimmicks, Gadgets, Gizmos – sie beeindrucken und begeistern schnell. Bis die Technologien dann aber wirklich im Alltag ankommen und von den Anwendern flächendeckend genutzt werden, dauert oft viel länger, als ...

Thumbnail-Foto: Self-Services: modern, modular und mit Mehrwert, bitte!...
20.05.2021   #stationärer Einzelhandel #Digitalisierung

Self-Services: modern, modular und mit Mehrwert, bitte!

Worauf kommt es bei Self-Services im Einzelhandel wirklich an?

Am 19.5.2021 war es wieder einmal soweit: iXtenso und EuroShop hatten eine neue „retail salsa“ kredenzt und luden zum Webtalk am virtuell angerichteten Tisch ein. Das Thema des Tages: „Vielseitige Self-Services bringen Würze ...

Thumbnail-Foto: Letzte Frist für die Kasse mit TSE am 31.03.2021...
10.03.2021   #Kassensysteme #Kassensoftware

Letzte Frist für die Kasse mit TSE am 31.03.2021

Jetzt schnellstens Kassensysteme nachrüsten oder ersetzen!

Frei nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ bekam die TSE-freie Kasse bereits mehrere Gnadenfristen. Jetzt steht aber wirklich das große Finale an: Der 31.03.2021 ist die letzte Frist, um das Kassensystem mit einer ...

Thumbnail-Foto: Digitale Kontaktverfolgung im Handel: neue Luca-App...
21.04.2021   #stationärer Einzelhandel #Coronavirus

Digitale Kontaktverfolgung im Handel: neue Luca-App

Wie sich die Luca-App von der Konkurrenz unterscheidet und warum es Kritik gibt

Ergänzend zur Corona-WarnApp soll in Deutschland nun auch eine neue App namens "Luca" zur digitalen Nachverfolgung von Infektionsketten im Zuge der Corona-Pandemie zum Einsatz kommen. Die vom Berliner IT-Start-up neXenio GmbH ...

Thumbnail-Foto: Unbemannte Stores: Eine Idee, viele Konzepte
19.04.2021   #Self-Checkout-Systeme #App

Unbemannte Stores: Eine Idee, viele Konzepte

Wie können Kunden 24/7 shoppen?

Einkaufen, rund um die Uhr, ohne Mitarbeiter, mit Self-Checkout-Option – die Idee hinter unbemannten Stores ist stets die gleiche, die Herangehensweise kann unterschiedlich sein.Die Firma Wanzl hat verschiedene Konzepte entwickelt. iXtenso hat ...

Thumbnail-Foto: Sortimentsplanung: Was Kunden wollen
19.04.2021   #Kundenanalyse #Künstliche Intelligenz

Sortimentsplanung: Was Kunden wollen

Bonprix setzt auf KI-gestützte Sortimentsgestaltung

Welcher Rock ist aktuell besonders beliebt? Sollte das Kleid weiter im Angebot bleiben oder nicht? Wie hat sich der Pullover im vergangenen Monat verkauft? Diese und weitere Fragen stellen sich Produktmanager in der Fashion-Branche Tag für ...

Thumbnail-Foto: Neu: Hybrides Self-Checkout bei LODATA
19.04.2021   #Kassensysteme #Kassen

Neu: Hybrides Self-Checkout bei LODATA

Von der bedienten Kasse zum Self-Service in fünf Sekunden

Beim Mitarbeiter an der Kasse zahlen oder als Kunde schnell selbst kassieren? Das neue hybride Self-Checkout System, das LODATA Microcomputer mit Komponenten von ALMEX, HP und der Software von COMBASE auf den Markt bringt, beherrscht beides. Durch ...

Thumbnail-Foto: „Tante-Emma-Laden“ von morgen
04.05.2021   #Digitalisierung #Self-Checkout-Systeme

„Tante-Emma-Laden“ von morgen

Warum der Einzelhändler Tegut auf neue Technologien setzt

Tegut hat vor kurzem seinen dritten unbemannten Store eröffnet, in dem Kunden individuell und selbstbestimmt einkaufen können. Projektmanagerin Verena Kindinger erzählt, warum das immer wichtiger wird, worauf Händler beim ...

Thumbnail-Foto: Vollautomatisierte Supermärkte
13.04.2021   #Sicherheit #stationärer Einzelhandel

Vollautomatisierte Supermärkte

IP-basierte Sicherheitslösungen ermöglichen Einkaufen der Zukunft

Die Corona-Pandemie mit all ihren Regeln, Maßnahmen und Einschränkungen hat unsere Art des Einkaufens radikal verändert. Um sich vor einer Infektion effektiv zu schützen, wünschen sich die Konsumenten ein Einkaufserlebnis, ...

Anbieter

GEBIT Solutions GmbH
Koenigsallee 75 b
14193 Berlin
iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
iXtenso - Magazin für den Einzelhandel
Celsiusstraße 43
53125 Bonn
Delfi Technologies GmbH
Delfi Technologies GmbH
Landgraben 75
24232 Schönkirchen
Diebold Nixdorf
Diebold Nixdorf
Heinz-Nixdorf-Ring 1
33106 Paderborn
eyefactive GmbH
eyefactive GmbH
Haferweg 40
22769 Hamburg
GMO Registry, Inc.
GMO Registry, Inc.
Cerulean Tower, 26-1 / Sakuragaoka-cho, Shibuya-ku,
150-8512 Tokyo
Reflexis Systems GmbH
Reflexis Systems GmbH
Kokkolastr. 5-7
40882 Ratingen
GLORY Global Solutions (Germany) GmbH
GLORY Global Solutions (Germany) GmbH
Thomas-Edison-Platz 1
63263 Neu-Isenburg
HappyOrNot
HappyOrNot
Innere Kanalstraße 15
40476 Düsseldorf
SALTO Systems GmbH
SALTO Systems GmbH
Schwelmer Str. 245
42389 Wuppertal