
Als Josef Mühlenbein den EDEKA-Markt in Kassel übernahm, blieb fast das gesamte Personal an Bord – bis auf die Reinigungskraft. Daraufhin schaute er sich nach technischen Lösungen um und entschied sich für einen Reinigungsroboter von Future Machines.
Gut zweieinhalb Jahre später hat der Markt das Gerät schon einmal gegen ein größeres Modell getauscht.
Der Auslöser: Wenn die Reinigungskraft fehlt
Die Ausgangslage war nicht einfach, aber „was zuhause geht, muss doch auch im Markt funktionieren", erzählt Mühlenbein. Die Herausforderung: Der Markt stammt von 1988 und ist nach eigener Aussage der erste EDEKA-Neukauf-Markt in Kassel. Er hat knapp 1.800 Quadratmeter, dazu gehört ein Getränkemarkt, der über den Parkplatz angebunden ist. Putzroboter waren nach Mühlenbeins Einschätzung damals kaum verbreitet. Entsprechend groß war das Interesse der Kundschaft, besonders bei den Jüngsten: „Das ist ein unfassbares Erlebnis für die Kinder", sagt Mühlenbein.
Im Alltag: Feste Routinen, flexible Wege
Die Grundfläche in der Filiale ist fest programmiert. Per Timer startet der Roboter mehrmals täglich – morgens, mittags, nachmittags und abends. Morgens und abends nimmt er zusätzlich die Kassenzone und den Vorzonenbereich mit, solange dort noch niemand steht. Zwischendurch muss er flexibel bleiben: Stehen viele Kund*innen im Weg, sucht er sich andere Bereiche und fährt beispielsweise erstmal in die Tiefkühl- statt in die Obst- und Gemüseabteilung.
Gibt es auch nachts eine Reinigungsfahrt? Technisch wäre das kein Problem, bestätigt Mühlenbein. In der Praxis ist es allerdings schwieriger – zumindest im Kasseler Markt. „Wir haben einige Brandschutztüren, da stellt sich dann die Frage: Wer macht sie auf? Und wer sagt der Alarmanlage, dass das Ding fahren darf?", meint er. Weil die Türen nicht offenbleiben dürfen, blieben manche Bereiche nachts ohnehin ungereinigt.
Apropos Anwendung in der Praxis: Um das Wasser muss sich niemand kümmern. Das Gerät hängt an einem Frisch- und einem Abwasseranschluss. „Wenn er merkt, ich bin voll, fährt er dahin", erzählt Mühlenbein. Dann leert der Roboter den Tank, spült ihn durch und füllt frisches Wasser nach. „Da stinkt nichts."

Ganz ohne Menschen geht es trotzdem nicht. Fällt ein Gurkenglas zu Boden, lässt sich die Stelle auf der großen Karte nicht metergenau ansteuern. Dann springt das Personal ein: „Ich will den gerne manuell bedienen, drücke ein Knöpfchen und dann kann ich den schieben." Ein Elektromotor unterstützt dabei. Auch der Weg über den Parkplatz in den Getränkemarkt ist Handarbeit. Das Gerät würde ihn allein schaffen, bei Autoverkehr will Mühlenbein es aber nicht riskieren. Also schiebt jemand den Roboter hinüber und startet ihn dort. „Das ist aber im Prinzip auch das Einzige, was jemand damit tun muss."
So funktioniert das Prinzip grundsätzlich
Wie der Einsatz eines Reinigungsroboters in der Regel aussieht, erklären Julian Käfer und Maximilian Mandel von Future Machines. Ihre Eckdaten:
- Einsatzdauer: Je nach Größe des Marktes ist ein Gerät rund drei Stunden pro Tag unterwegs.
- Rhythmus: Bei den meisten Märkten startet der Roboter einmal früh am Morgen, fährt dann zurück zur Station und lädt dort. Am Nachmittag geht er noch einmal auf Tour. In Kassel läuft das Gerät häufiger.
- Reichweite: In der Regel schafft er die gesamte Fläche innerhalb der Öffnungszeiten.
Käfer ordnet die Technik ein: „Im Kern ist der Roboter eine Nassreinigungsmaschine, wie man sie kennt, funktioniert jedoch automatisiert." Ecken und Kanten schaffe er nicht, „aber der Einsatz ist für Filialen trotzdem eine spürbare Erleichterung". Nach seiner Schätzung nimmt das Gerät 80 bis 90 Prozent der Grundflächenreinigung ab.

Full-Service: Der Roboter fährt, andere kümmern sich
Wenn Josef Mühlenbein über den Roboter spricht, geht es selten um Technik, sondern um Ruhe. „Mein Hauptgeschäft besteht nicht darin, mich um den Reinigungsroboter zu kümmern. Ich sehe ihn ein bisschen wie ein Auto: Er soll fahren und funktionieren." „Dafür biete mir Future Machines das für mich angenehmste Paket mit allem, was ich brauche."
Der Techniker kommt zweimal pro Woche. „In der Regel merken wir gar nicht, dass der da ist", sagt Mühlenbein. Der Mann wisse, wo alles steht, erledige seine Arbeit und gehe wieder. Nur wenn ihm etwas auffällt, spricht er das Team an.
Damit liegt der Markt deutlich über dem, was Mandel als Branchenstandard beschreibt: „Viele kommen etwa vier Mal im Jahr mit zwei bis vier Verschleißteilsets vorbei. Dazu gibt es eine Sichtprüfung und der Wechsel von Gummilippe oder Bürsten." Alles darüber hinaus koste häufig extra, inklusive Anfahrt.
Future Machines setzt nach eigener Darstellung auf ein anderes Konzept: mindestens ein Besuch pro Woche, bei dem das Team Teile tauscht, den Roboter reinigt und vorbeugend wartet. Ein Termin dauert laut Mandel eine bis eineinhalb Stunden und liegt in Zeiten, in denen der Roboter ohnehin nicht fährt. „Die Kollegen sollen keine Robotik-Experten werden", sagt er. „Wir kümmern uns um den Roboter, die Inhaber kümmern sich um ihren Laden."
Vieles lässt sich auch aus der Ferne klären. Future Machines hat dafür eine eigene Plattform entwickelt, die Fehlermeldungen sammelt. In vielen Fällen reagiere man, „bevor der Kunde es überhaupt mitbekommt", so Mandel. Er nennt drei Beispiele:
- Hängt fest: Bleibt der Roboter in einem Update stecken, startet das Team ihn aus der Ferne neu.
- Sinkt langsam: Meldet das Gerät einen Fehler an der Bürstenwalze, schauen die Techniker auf die Spannungswerte. Fallen sie über längere Zeit immer weiter ab, rostet vermutlich das Kugellager. Dann wird es gereinigt oder getauscht.
- Bricht plötzlich ein: Sinken die Werte von einer Sekunde auf die nächste, hat sich etwas in der Walze verfangen, etwa ein Band.
Mühlenbein erreicht das Team über WhatsApp. „Ganz einfache Nummer: Foto. Ich habe ein Problem. Bitte kümmert euch mal bei Gelegenheit drum." Auch Wünsche wie eine geänderte Reinigungslogik laufen so. Als einmal ein Motor überhitzte und der zuständige Techniker krank war, schickte das Team ein Video mit Anleitung. „Damit konnte ich arbeiten und das Problem war in wenigen Minuten behoben."
Dass Technik ausfällt, räumt auch der Anbieter ein. „Da muss man einfach realistisch sein", sagt Käfer. Im Zweifel tausche man das Gerät aus, per Expressversand kann die Maschine am nächsten Tag da sein. In Kassel hat sich das schon bewährt: Ein Roboter fiel durch einen internen Fehler komplett aus, das neue Modell war schnell vor Ort. Für Mühlenbein gilt deshalb: „Ich weiß, ich kann mich immer darauf verlassen, dass er fährt."
Was es kostet: Mieten statt kaufen
In Kassel hat der Roboter eine Stelle ersetzt. „Es spart mir mindestens Personalkosten für eine Reinigungskraft, die brauche ich nicht mehr", sagt Mühlenbein. Das Team kümmere sich am Tag vielleicht zehn Minuten um das Gerät, „vielleicht 10 Prozent maximal von dem, was vorher da war".
Gekauft hat der Markt den Roboter nicht, sondern gemietet. Das ist laut Mandel der Normalfall: „Die allermeisten Kunden, ich würde sagen 90 bis 95 Prozent, sind bei uns in einem Mietmodell." Die Hardwarekosten würden auf die Laufzeit umgelegt, damit sie „nicht ein Schlag auf einmal" anfallen, sondern gemeinsam mit dem Service als monatliche Rechnung, „so wie Sie das von Personal oder Dienstleister auch kennen würden". Den Preis nennt Mühlenbein nicht. Bei der Umstellung auf das neue Gerät passten sich die Konditionen dem Modell an. Sein Vergleich: Ein ID.3 koste im Autohaus etwas anderes als ein ID.7 oder ein Porsche, „aber ist alles im erträglichen Bereich, und man kann darüber reden."
Wann sich ein Reinigungsroboter rechnet (Richtwerte von Future Machines)
Reinigungsleistung | Mensch und Roboter schaffen jeweils gut 500 m² pro Stunde |
Personalkosten | Mitarbeiter mindestens rund 18 Euro, Dienstleister oft um die 30 Euro |
Roboter | je nach Modell und Fläche rund 30 Euro am Tag, teils weniger, teils mehr |
Laufzeit | 36 bis 60 Monate, meist 36 oder 48 |
Fläche | ab ca. 800 m² mit eigenem Personal ungefähr kostendeckend, mit externem Dienstleister früher rentabel; ab ca. 1.000 m² laut Mandel „richtig Spaß" |
Der Markt in Kassel liegt mit knapp 1.800 Quadratmetern darüber.









