Interview • 10.10.2017

Touchscreen ohne Anfassen

Interaktives Schaufenster macht Produkte auch nach Ladenschluss erlebbar

Björn Kroll
Björn Kroll ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsbereich Assistenzsysteme.
Quelle: Fraunhofer IOSB-INA/M. Gutknecht

Der Fraunhofer-Institutsstandort für industrielle Automation in Lemgo und das Osnabrücker IT-Startup Symbic GmbH haben eine Lösung zur berührungslosen Handhabung von interaktiven Displays entwickelt. In einem Transferprojekt mit Fraunhofer Lemgo entstand die Idee, eine Lösung ganz ohne Kontakt zu schaffen und dadurch Probleme wie zu dicke Glasscheiben zu umgehen.

Herr Kroll, wie funktioniert die Technologie?

Björn Kroll: Hierbei werden die Forschungen des Fraunhofer IOSB im Bereich von Handtracking-Technologien genutzt, um mittels eines Tiefensensors die Umgebung der Touchscreen-Fläche interaktionsfähig zu machen. Diese Technologie ist bereits dank der Kooperation mit Fraunhofer bei zahlreichen Partnern im industriellen Umfeld der Handmontage im Einsatz und wird für eine Augmented Reality-gestützte Umgebung genutzt.

Wie sieht ein potenzielles Einsatzszenario für den Einzelhandel aus?

Kunden erwarten heute ein spannendes Einkaufserlebnis, welches sie aber auch technologisch nicht überfordern darf. Mit der durch Symbic und Fraunhofer bereitgestellten Lösung für den Einzelhandel lassen sich vielfältige spannende Interaktionen für bestehende Schaufenster- oder Ausstellungsflächen einfach und für Einzelhändler handhabbar umsetzen.

Die Verknüpfung von realen Ausstellungsstücken mit digitalen Zusatzinformationen macht die Lösung sogar noch breiter anwendbar als ein klassischer Touchscreen. Durch das Zeigen auf ein Kleidungsstück können dem Kunden zum Beispiel weitere Varianten wie Farben des Produkts oder auch andere Kombinationen des Outfits angezeigt werden. Für Küchengeräte können Demonstrationsvideos oder andere Inhalte bereitgestellt und zusätzlich auch andere Elemente wie Licht oder eine Produktdrehscheibe angesteuert werden.

Das Ergebnis des gemeinsamen Projekts ist ein Standardsystem, das gerade für kleine Einzelhändler einen attraktiven Einstieg ermöglicht und die Kosten für die Pflege der Inhalte minimiert. Die Symbic unterstützt Kunden wie Partner bei der Umsetzung von individuellen Lösungen sowie der Integration mit anderen Systemen.

Display mit Gestensteuerung
Testaufbau in der SmartFactoryOWL in Lemgo. Die Lösung könnte in wenigen Monaten für den Einzelhandel verfügbar sein.
Quelle: Fraunhofer IOSB-INA/M. Gutknecht

Welche Vorteile bietet das System?

Das System bietet im Vergleich zu klassischen Touchscreens und Produktinformationssystemen eine deutlich höhere Flexibilität und kann damit das reale Produkt stärker in den Mittelpunkt stellen, ohne dass sich die digitalen Informationen in den Vordergrund drängen. Es ist theoretisch auch ganz ohne Display einsetzbar und kann durch die Ansteuerung von Licht spannende und ganz neue Interaktionsarten erlauben.

Aber auch die Installation ist im Vergleich zu Touchscreens gerade für den Einsatz hinter Schaufenstern deutlich einfacher. Die Anbringung im Außenbereich über dem Schaufenster ist ohne jede Beschädigung oder spezielle Anforderungen an die Beschichtung des Glases möglich.

Welche Voraussetzungen müssen Inhalte erfüllen?

Bei den Inhalten gibt es keine Einschränkungen, wobei diese natürlich eine Art der Interaktion ermöglichen müssen. Sehr einfach lässt sich das Anzeigen von Bildern, Videos, Office-Dokumenten und HTML-Inhalten umsetzen. Diese verschiedenen Inhaltstypen können durch den Einzelhändler selbst, durch Marketing-Abteilungen oder Agenturen erstellt werden. Franchisenehmer können zentral vorbereitete Inhalte übernehmen, auch wenn die Präsentation im interaktiven Schaufenster von der Darstellung auf klassischen Plakaten oder nicht-interaktiven Bildschirmen abweicht.

Zwei Frauen stehen vor einem Schaufenster. Eine davon berührt mit dem...
Die Interaktion zwischen Mensch und Digital Signage-System ist einfach und intuitiv zu bedienen, zum Beispiel mittels Zeigegesten.
Quelle: panthermedia.net/Lev Dolgachov

Wie geht es mit der Entwicklung weiter? Oder gibt es weitere Einsatzszenarien, die aktuell erprobt werden?

Der Fokus der weiteren Entwicklung durch die Symbic GmbH wird sich auf die weitere Vereinfachung der Anwendbarkeit konzentrieren. Dabei sehen wir die Simplifizierung der Konfiguration als ebenso wichtig an wie die weitere Vereinfachung der Inhaltsverwaltung mit zukünftigen Anbindungen an Warenwirtschaft- und Produktinformationssysteme.

Längerfristig wird die Erhöhung der Genauigkeit im Fokus stehen. Dabei ist eine Erweiterung der Erkennung von komplizierten Handgesten ebenso spannend wie die parallele Verwendung durch mehrere Personen zur gleichen Zeit.

Gleichzeitig untersucht Fraunhofer Lemgo den weiteren Nutzen im industriellen sowie im produktionsnahen Umfeld.

Wann kann mit einem Einsatz im Handel gerechnet werden?

Sowohl Fraunhofer als auch Symbic stehen im Rahmen anderer (Forschungs-)Projekte im engen Kontakt mit vielen Produzenten, Einzelhandel und Zulieferern. Wir sind zuversichtlich, dass die heute bereits marktreife Lösung in wenigen Monaten von den Branchenpionieren eingesetzt werden wird.

Interview: Melanie Günther, iXtenso

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