Von LIDL und Kaufland hin zur App-Entwicklung beim Biohändler: Im Interview erzählen Till Schütte (dennree GmbH) und Tobias Kern (The Shoring Company) wie sie an der neuen App für Denns BioMarkt arbeiten, wie ihre Zielgruppenstrategie aussieht und was den Unterschied zu anderen Retailern ausmacht.

Ihr entwickelt gerade die neue Kunden-App für Denns BioMarkt. Was macht diese App aus eurer Sicht besonders?
Till Schütte: Die App ist für uns das Herzstück unserer digitalen Service-Welt. Wir möchten damit eine echte Beziehung zu unseren Kund*innen aufbauen – in der Hosentasche sein. Und sie sollen auch nah bei uns sein.
Inwiefern unterscheidet sich eure Herangehensweise von anderen Retailern wie LIDL?
Till: Klar, die LIDL-App hat eine riesige Durchdringung im Markt. Ich habe selbst bei LIDL gearbeitet, das Produkt mitentwickelt und mag die App, keine Frage. Ich nutze sie auch. Aber hier liegt der Fokus nicht darauf, was die Kundschaft kauft, sondern wie viel – das ist der Unterschied. Wir wollen Kundschaft näher an uns binden – und zwar nicht nur durch Preisnachlässe, sondern durch echtes Engagement. Wir möchten wissen, was ihnen wichtig ist und wie wir ihnen am besten helfen können – und das nicht nur durch einen Haupthebel wie Rabattaktionen oder Coupons. Wir wollen einen echten Mehrwert bieten, der über das klassische Angebot hinausgeht.
Tobias Kern: Das beinhaltet auch individuelle Rezeptvorschläge – ähnlich wie man das von Chefkoch kennt. Man kann in der Datenbank nicht nur Rezepte finden, sondern auch direkt den Kochmodus aktivieren. Ein weiteres Feature ist zum Beispiel eine Einkaufsliste, die in Echtzeit mit Partner*innen und Familienmitgliedern geteilt werden kann.
Was ist mit REWE? Das Unternehmen hat kürzlich eine eigene App gelauncht und investiert ebenfalls viel in den digitalen Bereich.
Till: Die REWE-App ist natürlich auch eine starke Lösung, das muss man sagen. Da haben auch hunderte Menschen mitgearbeitet, es ist viel Zeit und Budget in die Entwicklung geflossen und das Ergebnis ist wirklich tip-top.
Tobias: Da kann ich nur zustimmen. Wenn ich das mit den Vorgängern vergleiche oder auch mit der Kaufland-App, die ich ja aus meiner Zeit dort gut kenne, hat sich da echt viel getan. Die Herausforderung bei diesen Händler*innen ist folgende: Du kannst ab einem gewissen Punkt gar nicht so sehr spezialisieren und individualisieren, weil du immer einer breiten Masse entgegenkommen musst. Und das führt dazu, dass die App recht allgemein gehalten ist.

Und das unterscheidet euch?
Tobias: Bei uns, als BioMarkt mit einer klar definierten Zielgruppe, können wir tiefere und speziellere Features einbauen, die genau zu den Interessen und Wünschen unserer Kund*innen passen. Das ist ein großer Vorteil.
Till: Wir müssen nicht den Service für „Alle“ denken, sondern können ein Portfolio an Funktionen und Vorteilen aufbauen, das einer engeren Zielgruppe entspricht. Das erlaubt uns die Markenposition.
Ihr habt also eine klare Vorstellung von eurer Zielgruppe. Wie habt ihr die App entwickelt und wie arbeitet ihr als Team daran?
Till: Wir wollten die App nicht einfach einem großen externen Dienstleister überlassen, sondern haben ein kleines, fokussiertes Team zusammengebracht – wir nennen es unser „SWAT-Team“. Anfangs waren wir zu viert.
Tobias: Nach und nach kamen noch einige dazu: Product Owner, Marketingexpert*innen, Entwickler*innen und auch jemand aus der Inhaberfamilie, der die Unternehmenssicht mit eingebracht hat. Aber insgesamt waren wir nicht mehr als zehn, 15 Leute. Das war bewusst keine riesige Army. So konnten wir schnell und zielgerichtet Entscheidungen treffen. Wir haben die Komponenten, die es braucht, zusammengebracht, um für das Unternehmen, die Zielgruppe und Kundschaft das Beste rauszuholen.
Till: Ja, und das war auch ein Grund, warum die Entwicklung schneller voranging, als man vielleicht erwartet hätte. Die App ist jetzt fast fertig, auch wenn es noch ein paar Dinge gibt, die wir weiter optimieren müssen, wie etwa das CRM-System. Aber die Hauptfunktionen stehen und sind bereits sehr ausgereift.
Thema Nachhaltigkeit: Eurer Zielgruppe ist das besonders wichtig. Wie zahlt ihr mit der App darauf ein?
Tobias: Wir möchten unserer Kundschaft auch durch Funktionen wie beispielsweise Cashback für unverpacktes Obst die Möglichkeit geben, Guthaben zu spenden oder zu verschenken – noch ein zusätzlicher Anreiz, nachhaltiger zu konsumieren. Das sind Elemente, die andere Apps oft nicht haben – oder nur als Teil eines großen, unpersönlichen Loyalty-Programms.
Was erhofft ihr euch von dieser App langfristig?
Till: Langfristig möchten wir nicht nur eine App haben, sondern ein wirkliches Tool, das unsere Kund*innen täglich nutzen. Wir wollen die direkte Kommunikation mit ihnen und eine emotionale Bindung aufbauen. Die App soll mehr als nur eine Einkaufsanwendung sein – sie soll Teil des Lebensstils unserer Kund*innen werden.