Firmennachricht • 23.10.2014

Kassensoftware - Drehscheibe für neue Services

Die Kasse muss für künftige Aufgaben gerüstet sein. Auf der EuroCIS 2015 präsentieren die Software-Häuser dazu ihre neuesten Weiterentwicklungen

Der moderne Multichannel-Kunde will zum Beispiel digitale Coupons an der Kasse...
Der moderne Multichannel-Kunde will zum Beispiel digitale Coupons an der Kasse einreichen, die er sich aus dem Netz gezogen hat oder die ihm auf sein Smartphone überspielt wurden.
Quelle: EuroCIS

Zu langsam, zu fehleranfällig, zu schwer bedienbar: Noch vor fünf Jahren stieß die Touch-Technologie bei den meisten Händlern auf Vorbehalte – insbesondere bei den Verantwortlichen aus den Branchen mit Fast Moving Consumer Goods.

Inzwischen aber ist der Wettstreit zwischen Touch und Tastatur entschieden:  Im deutschen  Einzelhandel zum Beispiel setzten, nach Untersuchungen des Kölner EHI Retail Institute, per Ende 2013 über 80 Prozent der Filialbetriebe Touch-Screens als Eingabe-Medium ein.

Auch die meisten übrigen Händler werden, je nach individuellem Investitionszyklus, in den kommenden ein bis zwei Jahren auf Touch umsteigen. Ihnen steht dann eine weiterentwickelte Technologie zur Verfügung, die auch das Wischen und Zoomen à la iPad erlaubt. „Natürlich bietet es sich an, an Stelle einer Storno-Funktion die zu stornierende Bon-Zeile einfach wegzuwischen“, sagt Dr. Michael Schulte, Director Software Sales & Marketing bei Wincor Nixdorf. Mit der „Beetle/iPOS advanced“ stellt der Paderborner IT-Dienstleister auf der EuroCIS 2015 ein mit solchen Anwendungen ausgerüstetes Kassensystem vor.

Microsoft steuert vor Linux

Noch nicht entschieden dagegen ist der Wettstreit der Betriebssysteme an den Kassenplätzen. Microsoft konnte in der Vergangenheit mit seinen Produkten WEPOS (Windows Embedded for Point of Service) und dem Nachfolger Windows Embedded POSReady punkten und die Linux-Euphorie früherer Jahre bremsen. Der Pinguin hat daher seinen Vorsprung verloren: Im Jahr 2012 wurden noch 52 Prozent der Kassen von Linux gesteuert, inzwischen sind es laut EHI-Studie „Kassensysteme 2014“ nur noch 45 Prozent.

„Linux oder Microsoft – unter den IT-Verantwortlichen ist diese Gretchenfrage schon lange entideologisiert. Kommen viele Systeme zum Einsatz, wird oft Linux bevorzugt, bei Unternehmen mit wenigen Filialen ist eher Microsoft gefragt“, beobachtet Michael Jaszczyk, Technologie-Vorstand der GK Software AG. Bei den weltweiten Rollouts in Handelsunternehmen hat Microsoft mit seinen auf den Handel zugeschnittenen Embedded-Komponenten inzwischen aber die Führung übernommen. Anders verhält es sich im Bereich der mobilen Lösungen. „Hier sehen wir iOS und Android basierende Systeme momentan an der Spitze, doch mit Windows 8 hat Microsoft auch hier eine passende Alternative, die sich leicht in bestehende IT-Infrastrukturen integrieren lässt“, erklärt Dr. Michael Schulte von Wincor Nixdorf.

Im Schnitt sieben Jahre im Dienst

Naturgemäß deutlich vielfältiger als bei den Betriebssystemen ist die Software-Landschaft für Kassenanwendungen aufgestellt. Allein bei den vom EHI befragten Großunternehmen des Handels sind rund 30 verschiedene Anwendungen installiert – die diversen Versionen und Varianten einer Lösung sowie die Eigenentwicklungen nicht mitgerechnet. Die Händler setzen oftmals auf Softwareanbieter, die sich auf die jeweilige Branche spezialisiert haben und dort nachprüfbare Expertisen vorweisen können.

Im Schnitt ist eine Kassenanwendung im Handel rund sieben Jahre im Einsatz, kleinere Updates inklusive. Laut EHI steht damit rund ein Drittel der Handelsunternehmen in den nächsten ein bis zwei Jahren vor der Ablösung ihrer bisherigen Anwendung. 14 Prozent dieser Händler planen einen Release-Wechsel, rund ein Viertel will sich für eine komplett neue Lösung entscheiden. Kassen-Software bleibt somit ein Dauerbrenner auch auf der EuroCIS 2015: Viele IT-verantwortliche Fachbesucher werden sich dort nach zukunftsfähigen Anwendungen für ihren Checkout umschauen.

Standard-Software mit Customizing-Optionen

Zumal sich kaum mehr ein Handelsunternehmen an komplette Eigenentwicklungen wagt. Standard-Software wird bevorzugt, lediglich noch rund 20 Prozent der vom EHI befragten Handelsunternehmen haben derzeit noch eine selbst gebaute Kassenanwendung installiert. „Die Komplexität der heutigen Kassensysteme einschließlich der Omnichannel-Funktionen und des Anspruchs auf ein schnelles Time to Market überfordert individuelle Entwicklungen“, sagt Christian Jürs, Head of Sales bei der Futura Retail Solution AG. „Der Trend geht zunehmend in Richtung Softwarepakete, die einerseits kostengünstig implementiert und gemanagt werden können, andererseits eine Bandbreite an Konfigurationen bieten“, sagt Marc Wallace, Director of Field Marketing bei NCR Retail.

Dies auch hinsichtlich der Kosten. Denn Eigenentwicklungen sind in der Regel deutlich teurer, nicht nur weil die Software individuell geplant und programmiert werden muss, sondern weil auch spätere Updates und die spätere Integration neuer Funktionen hohen Aufwand erfordert. Bei releasefähiger Standardsoftware dagegen profitiert der Händler automatisch von Weiterentwicklungen, die sein Anbieter integriert. Und vor allem: Der Händler muss auch bei Standard-Lösungen nicht auf eigene Spezifikationen verzichten, da die Plattform-Architekturen der Software-Häuser ein hohes Maß an individuellem Customizing zulassen. „Standardlösungen werden im Laufe der Jahre häufig so grundlegend modifiziert und auf die Bedürfnisse des jeweiligen Handelsunternehmens zugeschnitten, dass es mitunter schwierig ist, überhaupt eine klare Trennlinie zwischen reinen Eigenentwicklungen und individualisierten Standardprodukten zu ziehen“, sagt Cetin Acar, Projektleiter im EHI Retail Institute.

Viel mehr als nur Bezahlprozesse

Customizing ist notwendig, weil kaum eine Standard-Software vom Start weg die spezifischen und immer komplexeren Anforderungen eines Händlers abdeckt. Hinzu kommt, dass die Kasse zur Drehscheibe für verschiedene zusätzliche Anwendungen des mobilen und multimedialen Zeitalters wird. Dabei steht unter anderem das Thema Promotions im Fokus. Von 3 für 2-Aktionen über die Verrechnung digitaler Coupons bis hin zu den verschiedenen Maßnahmen der Kundenbindung über die eigene Kundenkarte: Der Handel erwartet von seiner künftigen Kassenanwendung, dass sie die gesamte Klaviatur der Marketing-Aktionen bespielen, kontrollieren und dokumentieren kann.

Gleiches gilt für künftige Payment-Anwendungen, ob per Smartphone oder kontaktlos per Karte. Noch ist bei den neuen Bezahl-Varianten völlig offen, welche Technologie sich durchsetzt. Zwar wird NFC von 82 Prozent der im EHI-Panel befragten Händler als besonders aussichtsreiche mobile Bezahltechnik angesehen. Doch 51 Prozent glauben dasselbe von QR-Code-Lösungen.  Hinzu kommt inzwischen mit der Bluetooth Low Energy-Technik eine vergleichsweise neue Entwicklung, die aber auch schon von 27 Prozent der Händler als aussichtsreich angesehen wird. Parallel dazu wird die Zahl der Anbieter langsam unübersichtlich.  MyWallet (Telekom), O2 Wallet (O2), Paypal (Ebay), masterpass (Mastercard), V.me (Visa), Yapital (Otto Group) sind nur einige der konkurrierenden M-Payment-Lösungen, die jeweils unterschiedliche technische Ansätzen und Anwendungsvarianten verfolgen. Für den Händler bedeutet dies: Wann auch immer und für welche Lösung auch immer er sich entscheidet – die installierte Kassen-Software sollte seine Entscheidung unterstützen können.

Abbildung von Multichannel-Anwendungen

Darüber hinaus muss der Handel den modernen Multichannel-Kunden zufriedenstellen. Dieser will zum Beispiel online bestellte Ware an der Kasse abholen, reklamieren oder umtauschen. Oder er will digitale Coupons an der Kasse einreichen, die er sich aus dem Netz gezogen hat oder die ihm auf sein Smartphone überspielt wurden. Solche Prozesse erfordern eine Verzahnung von stationärem und digitalem Geschäft und eine kanalübergreifend einheitliche Sicht auf alle Kunden, Käufe, Bestellungen, Bestände und Auslieferungen. Wer als Händler die Multichannel-Kunden dauerhaft binden will, muss diese Services reibungsfrei ermöglichen.

Multichannel-Prozesse und mobile Anwendungen am Checkout stehen daher auch auf der EuroCIS 2015 im Fokus. Die IT-Verantwortlichen aus dem Handel werden dort die diesbezüglichen Fähigkeiten der Software-Anbieter unter die Lupe nehmen können. NCR zum Beispiel präsentiert seine Retalix 10-Lösung – eine Softwareplattform, bei der alle Kunden- und Filialapplikationen auf der gleichen Daten- und Geschäftslogik basieren. Die act’o-soft GmbH aus dem westfälischen Werther zum Beispiel ist auf den Fashion-Handel spezialisiert und zeigt auf der Messe mit „act’o-cash 3“ die neueste Generation ihrer Kassen-Software. „Im Zusammenspiel mit CRM, ERP, Logistik-Software, Online-Shops, Loyalty- und Giftcard-Systemen können wir damit Services und Prozesse realisieren, die unsere Kunden von den reinen Onlinern abheben“, erklärt act’o-soft-Geschäftsführer Christian Malachowski.

Ebenfalls verstärkt im Fashion-Bereich tätig ist die Futura Retail Solution AG, unter anderem bei Bogner, Seidensticker, Wormland oder Tommy Hilfiger. Auf der EuroCIS zeigt der Software-Entwickler seine weiterentwickelte Kassenlösung Futura4POS. Unter anderem führt Futura seine Anwendungen zur Bestandsüberwachung bei Multichannel-Prozessen vor. „Der Verbraucher erwartet, dass er den Weg der Lieferung bestimmt, ob Abholung oder Retouren in der Filiale oder umgekehrt Bestellung in der Filiale und Lieferung per Paketdienst“, sagt Christian Jürs, Head of Sales bei der Futura Solutions AG.

Die GK Software AG zeigt auf der Messe ihr Lösungspaket für Checkout- und Multichannel-Prozesse, das alle Komponenten vom Store über die Backend-Systeme bis hin zu Customer Mobility und einer vollständiger Webshop-Integration abdeckt. Die GK-Applikationen verwenden SAP NetWeaver als Basis und können standardmäßig direkt in die anderen SAP-Systeme für den Einzelhandel integriert werden. Auch Wincor Nixdorf präsentiert auf der EuroCIS mit der TP Application Suite sein Software-Spektrum für den Point of Sale. Schwerpunkte der Messe-Präsentation sind die Einbindung von eCommerce-Lösungen sowie verschiedene mobile Erweiterungen, von der Tablet- oder Smartphone-basierenden Kassenlösung bis zur Einkaufs-App für das Kunden-Smartphone.

Cloud nur für unkritische Anwendungen

Stoff für Diskussionen wird auch auf der EuroCIS 2015 das Thema Cloud liefern. Während kleinere Handelsunternehmen die beschriebenen zusätzlichen Aufgaben über leistungsstarke Multifunktionskassen oder über hausinterne Server-Client-Lösungen abbilden können, befassen sich insbesondere die international tätigen Großfilialisten mit der Möglichkeit, Daten und Anwendungen in die Wolke zu verlagern. Die GK Software zum Beispiel hat im Bereich Kassen bereits reine Cloud-Lösungen realisiert, bei denen nur noch die Bedieneroberfläche, nicht aber die Business-Logik auf dem Eingabegerät liegt. In solchen Szenarien kann die Hardware am POS ein  sehr schlanker Thin Client sein, der nur wenig eigene Rechenleistung zur Verfügung stellen muss.

Geringere Kapitalbindung durch den Verzicht auf eigene Server-Kapazitäten, bessere Skalierbarkeit der Anwendungen und schnellere Integration neue Dienste und Funktionen: Diesen Vorteilen von Cloud-Diensten stehen bei den Händlern allerdings nach wie vor große Sicherheitsbedenken gegenüber. Bislang sind die meisten Unternehmen daher lediglich dazu bereit, Teil-Funktionalitäten wie zum Beispiel Kundeninformationen, deren Verfügbarkeit nicht geschäftskritisch für den Verkaufspunkt ist, in der Cloud zu halten. Der Trend weist somit in Richtung hybrider Strukturen. „Für die mittelfristige Zukunft erwarte ich ein Nebeneinander von unterschiedlichen stationären und cloudbasierten POS-Varianten, je nach Einsatzort, benötigtem Funktionsumfang oder Netzanbindung“, sagt Michael Jaszczyk, Technologie-Vorstand der GK Software AG.

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