Firmennachricht • 04.03.2022

Das Lieferkettengesetz kommt

Wie die Zusammenarbeit zwischen Händlern und Lieferanten hilft, Strafzahlungen zu vermeiden und Compliance sicherzustellen

Das neue Lieferkettengesetz tritt 2023 in Deutschland in Kraft – eine Ausweitung auf EU-Ebene steht bevor. Eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Händlern und Lieferanten kann dabei helfen, Strafzahlungen zu vermeiden.

Im Juli 2021 haben der Deutsche Bundestag und der Bundesrat das „Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten“, kurz Lieferkettengesetz, verabschiedet. Eine Ausweitung dieses gesetzlichen Rahmens auf EU-Ebene steht kurz bevor. Die Gründe für dieses Gesetz sind bekannt: es soll dazu beitragen, Ausbeutung von Menschen und Umwelt sowie Zwangsarbeit oder Kinderarbeit zu bekämpfen. Letztlich sollen mit dem Gesetz soziale Mindeststandards eingehalten werden.

Nach aktueller Rechtslage drohen Unternehmen bei Verstößen Strafzahlungen von bis zu acht Millionen Euro oder zwei Prozent des Jahresumsatzes. Sobald das europäische Lieferkettengesetz verabschiedet ist, werden die Strafen vermutlich noch deutlich höher ausfallen. Zu den Pflichten, die aus dem neuen Gesetz hervorgehen, zählen ein Risikomanagementsystem, bei dem die Verantwortlichen im Unternehmen angesiedelt sind, Risikoanalyse, vorbeugende Maßnahmen und Gegenmaßnahmen. Außerdem ein Beschwerdemanagement, Risikobewertungen mit Lieferanten, die weiter hinten in der Wertschöpfungskette stehen und natürlich die Dokumentation von allem – inklusive Berichtspflichten.

Anbieter
Logo: salsify

salsify

7 rue de Madrid
75008 Paris
Frankreich
Zwei Hände heben verschiedenfarbige Trauben aus einem Korb...
Quelle: Rodrigo Flores

Händler stehen in der Verantwortung: Die fünf Säulen der Compliance

Es sind die Händler, die dafür verantwortlich sind, dass die im Gesetz geforderten Standards eingehalten werden. Sie sind die Akteure entlang der Lieferkette, die am besten juristisch greifbar sind – und sie sind auch der direkte Kontakt zum Verbraucher. Sie sind diejenigen, die belangt werden, wenn sie Artikel im Sortiment haben, die nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Händler sind also einem höheren Risiko ausgesetzt und müssen im Zweifel Rechenschaft ablegen können, ob die von ihnen vertriebenen Produkte gesetzeskonform sind. Auf sie kommt ein wesentlicher Mehraufwand zu, denn ihnen obliegt die Sorgfaltspflicht. Letztlich sind es fünf Punkte, die Handelsunternehmen beachten müssen, um mit dem Gesetz nicht in Konflikt zu geraten:

  • Risikomanagement und Analyse: Hierfür müssen Händler interne Zuständigkeiten schaffen, zum Beispiel das Ernennen von Compliance Managern oder Menschenrechtsbeauftragten. Diese berichten direkt an das C-Level-Management. Damit werden Analysen zu menschenrechtlichen Analysen entlang der Lieferkette zur Chefsache. Das Risikomanagement und der Menschenrechtsbeauftragte haben die Aufgabe, direkt mit den Lieferanten zu interagieren, intern Empfehlungen abzugeben, mit wem die Lieferbedingungen neu verhandelt werden sollten. Sie müssen zudem für die Korrektheit der Prozesse im Sinne des Lieferkettengesetzes bürgen können.
  • Berichtspflicht und Dokumentationen: Zu den bestehenden Dokumentations- und Veröffentlichungspflichten kommen Berichte zum Einhalten von Sozial- und Umweltstandards entlang der Lieferkette. Erfasste Unternehmen sollen jährlich einen solchen Bericht vorlegen. Dies ist vermutlich der aufwändigste Teil des Lieferkettengesetzes. Jedoch gibt es im Qualitätsmanagement bereits ausgefeilte Dokumentationsprozesse. Ein Blick, wie die Kolleginnen und Kollegen aus der Qualitätskontrolle ihre Dokumentationspflichten umsetzen, kann das Leben der Compliance Manager erheblich vereinfachen.
  • Prävention: Vorbeugen ist besser als heilen. Deswegen sollen Händler verpflichtet werden, ihre Menschenrechtsstrategie und ihre Präventionsmaßnahmen intern und gegenüber ihren Lieferanten zu verankern. Das beinhaltet das Entwickeln und Umsetzen von Sourcing- und Einkaufsstrategien, dem Schulen von MitarbeiterInnen und dem Setzen von Qualitätsstandards und Kontrollmechanismen in der Lieferantenbeziehung. Das kann bedeuten, dass das Produktmarketing und der Einkauf sehr strenge Regeln beim Listen neuer Produkte beachten müssen. Der Menschenrechtsbeauftragte kann hier mit Rat zur Seite stehen.
  • Beschwerdemanagement: Das Einführen einer Eskalationsstufe, wenn menschenrechtswidrige Praktiken entlang der Lieferkette aufgedeckt werden, ist unumgänglich. Diese kann intern und extern sein, wenn zum Beispiel Lieferanten oder Produkte auffallen, die nicht den Standards beziehungsweise dem Gesetz entsprechen. Es kann aber auch eine Anlaufstelle für Kunden sein, wenn sie auf Praktiken oder Produkte stoßen, die nicht mit dem Gesetz in Einklang zu sein scheinen.
  • Gegenmaßnahmen: Wenn Händler Praktiken auffallen, die nicht menschenrechtskonform sind, stehen sie in der Pflicht, gemeinsam mit den Lieferanten Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dabei geht es nicht um das Beenden der Geschäftsbeziehung, sondern um das Beenden eines rechtswidrigen Zustands. Hier kann ein Blick in die vorhandenen Daten helfen. Wenn der Verdacht unrechtmäßigen Handelns bei einem Lieferanten besteht, können Händler den Ursachen hierfür über die richtigen Daten auf den Grund gehen und mit ihren Lieferanten besprechen, wie sich die Situation lösen lässt.

Der organisatorische Mehraufwand ist beträchtlich. Um diesen in Grenzen zu halten, ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Händlern und ihren Lieferanten erforderlich. Ein Weg dorthin führt über ein erweitertes Stammdatenmanagement. Damit lassen sich nicht alle fünf Punkte erfüllen – Analyse, Berichtspflichten und Prävention lässt sich jedoch wesentlich leichter nachkommen.

Eine junge blonde Frau lächelt in die Kamera
Die Autorin des Textes ist Amélie Klug, Director Solutions Advisor EMEA bei Salsify.
Quelle: Salsify

Was können erweiterte Stammdaten?

Aus den Stammdaten ergibt sich beispielsweise, wo ein Produkt hergestellt wurde. Es lässt sich in den Datensätzen ebenfalls hinterlegen, wo die einzelnen Bestandteile herkommen. Wenn sie aus Gegenden stammen, in denen es wahrscheinlich ist, dass beispielsweise Kinderarbeit üblich ist, müssen Unternehmen dem im eigenen Interesse nachgehen und im Zweifel ihre Lieferanten zum Umstellen ihres Sourcings bewegen. Eine Möglichkeit kann auch sein, das entsprechende Produkt, zumindest vorübergehend, aus dem Sortiment zu nehmen.

Die Frage, ob die bisher üblichen Stammdatenmodelle solche Informationen abbilden können, ist schnell beantwortet: nein. Händler benötigen also erweiterte Datensätze, die Aufschluss über die Zulieferer der Lieferanten geben, über die Produktherkunft von einzelnen Teilen oder Rohstoffen und auch über die Produkthistorie, beispielsweise wenn in nachgelagerten Teilen der Lieferkette Zulieferer ausgetauscht werden.

Die Vorteile: Unternehmen sehen schnell, wo Komplikationen bei einem Lieferanten auftreten können und sind in der Lage, proaktiv zu reagieren. Mehr noch, sie können beispielsweise eigene Zertifizierungsprogramme auf den Weg bringen und auf diese Weise sicherstellen, dass ihre Lieferanten den Anforderungen entsprechen. Zertifizieren lassen sich sowohl Lieferanten als auch Produkte.

War das Stammdatenmanagement in der Vergangenheit eher eine lästige Pflichtaufgabe der IT, die Daten für Einkauf, Marketing, Controlling und vielleicht noch die Distribution aufbereiten musste, wird es nun ein integraler Bestandteil bei der Umsetzung des Lieferkettengesetzes. Hier kann die Commerce Experience Management Plattform von Salsify helfen. Sie bietet erweiterte Kollaborationsmöglichkeiten für Händler und ihre Zulieferer und kann Stammdatenmodelle abbilden, die über den bislang etablierten Standard hinausgehen. Damit wird Stammdatenmanagement auch zum Thema für Risiko- und Compliance Manager. Sie nutzen die Plattformdaten für das Reporting rund um das Lieferantenmanagement.

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Gebacken – geliefert: Schneller Lieferdienst von Filialen zu den...
14.01.2022   #E-Commerce #Lieferung

Gebacken – geliefert: Schneller Lieferdienst von Filialen zu den Kund*innen

MALZERS Backstube und Bakerix beginnen Kooperation im Ruhrgebiet

Die Erzeugnisse der Gelsenkirchener Bäckerei Malzers Backstube, kurz 'MALZERS', werden ab sofort durch das Berliner Startup Bakerix an Kund*innen ausgeliefert. Das Gelsenkirchener Unternehmen MALZERS geht in Kooperation mit dem ...

Thumbnail-Foto: DECATHLON Deutschland startet mit CO2-freundlicher Same-Day-Lieferung...
08.02.2022   #stationärer Einzelhandel #Nachhaltigkeit

DECATHLON Deutschland startet mit CO2-freundlicher Same-Day-Lieferung

Pilotprojekt in München in Kooperation mit Glocally

In diesem Jahr legt der Sportartikelhersteller und -händler in Deutschland einen besonderen Fokus auf den Ausbau nachhaltiger Services. In München ist hierfür ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Lieferdienst Glocally ...

Thumbnail-Foto: 34 Millionen Euro mehr Umsatz - Online-Lieferungen in Deutschland nehmen...
17.03.2022   #Online-Handel #E-Commerce

34 Millionen Euro mehr Umsatz - Online-Lieferungen in Deutschland nehmen weiter zu

Neue Studie von Metapack verdeutlicht die Auswirkungen von COVID-19 in Zeiten der Heimarbeit und die Effekte auf den deutschen Markt

Der deutsche Einzelhandel rechnet bis 2025 mit einem zusätzlichen Umsatz von 33,9 Milliarden Euro durch Online-Lieferungen nach Hause, wie eine neue Studie des E-Commerce-Lieferanten Metapack in Zusammenarbeit mit dem Forschungsunternehmen ...

Thumbnail-Foto: Effizient und vernetzt im E-Commerce-Lager
24.01.2022   #E-Commerce #Datenanalyse

Effizient und vernetzt im E-Commerce-Lager

Mit Big Data proaktiv auf saisonale Peaks vorbereiten

Digitales Shopping rund um die Uhr bedeutet für E-Commerce-Anbieter, Serviceansprüche an maximale Verfügbarkeiten und kürzeste Lieferzeiten zu erfüllen. Da die Prozesse rund um Lagerung und Versand zunehmend komplexer ...

Thumbnail-Foto: Verpackungstrends im E-Commerce 2022
24.02.2022   #Nachhaltigkeit #Trendforschung

Verpackungstrends im E-Commerce 2022

Ziele gehen vor allem Richtung Nachhaltigkeit

Auch 2022 wird der Online-Handel weiterwachsen. Ein Grund, sich die wichtigsten Verpackungstrends einmal näher anzuschauen. Vorab: Diese zielen vor allem in Richtung Megatrend Nachhaltigkeit. Denn Hersteller*innen, Handel und ...

Thumbnail-Foto: Retouren: Onlinehändler erhalten jede siebte Bestellung zurück...
06.12.2021   #Logistik #Versand

Retouren: Onlinehändler erhalten jede siebte Bestellung zurück

Können digitale Technologien die Anzahl an Retouren senken?

Sie sorgen für mehr Verpackungsmüll, zusätzliche Kosten und belasten die Umwelt: Retouren beim Online-Shopping. 15 Prozent der online bestellten Waren werden nach Einschätzung der Betreiber von Online-Shops zurückgeschickt. ...

Thumbnail-Foto: Nachhaltigkeit und grüne Lieferketten im europäischen E-Commerce...
04.02.2022   #Online-Handel #E-Commerce

Nachhaltigkeit und grüne Lieferketten im europäischen E-Commerce

Cross-Border Commerce Europe stellt Blue Paper vor

Cross-Border Commerce Europe (CBCommerce), die Plattform zur Förderung des grenzüberschreitenden Online-Handels in Europa, veröffentlicht ihr neuestes Blue Paper, das Erkenntnisse aus sieben Wissens- und Brainstorming-Sitzungen von ...

Thumbnail-Foto: Same day delivery ohne Aufpreis
21.12.2021   #Online-Handel #Lieferung

Same day delivery ohne Aufpreis

ALDI SUISSE startet Testphase seines Lebensmittel-Lieferdienstes

ALDI SUISSE startet mit seinem neuen Lebensmittel-Lieferdienst aldi-now.ch in Zürich in die Testphase. Ab sofort können sich die Kundinnen und Kunden ihre Lebensmittel nach Hause liefern lassen – und das am selben Tag.Ab sofort startet ...

Thumbnail-Foto: Aus Forschungsprojekt „Kiezboten“ wird Start-up...
11.03.2022   #Kundenzufriedenheit #Nachhaltigkeit

Aus Forschungsprojekt „Kiezboten“ wird Start-up

Ende 2020 testete das Projekt „Kiezboten“ gebündelte Paketzustellung in Berlin. Hat es sich bewährt? Wir haben nachgefragt

Das Projekt KOPKIB – Kundenorientierte Paketzustellung durch den Kiezboten trat Ende 2020 an, um dem „Paketfrust“ vieler Kunden den Kampf anzusagen. Die Waffe: gebündelte Paketzustellung um die Ecke - wir berichteten. Die ...

Thumbnail-Foto: Die iXtenso-Redaktion war hungrig …
28.02.2022   #Lieferung #Lebensmittelonlinehandel

Die iXtenso-Redaktion war hungrig …

... und hat die Lieferdienste Gorillas und Flink getestet

Lebensmittellieferdienste in Innenstädten nehmen Fahrt auf. Immer häufiger begegnet man den Fahrer*innen mit übergroßem Rucksack auf dem Rücken, teils sogar am späten Abend. Dabei versprechen populäre Dienste, die ...

Anbieter

salsify
salsify
7 rue de Madrid
75008 Paris
Rhenus SE & Co. KG
Rhenus SE & Co. KG
Rhenus-Platz 1
59439 Holzwickede