Bericht • 28.02.2022

Die iXtenso-Redaktion war hungrig …

... und hat die Lieferdienste Gorillas und Flink getestet

Lebensmittellieferdienste in Innenstädten nehmen Fahrt auf. Immer häufiger begegnet man den Fahrer*innen mit übergroßem Rucksack auf dem Rücken, teils sogar am späten Abend. Dabei versprechen populäre Dienste, die per App bestellten Lebensmittel innerhalb von zehn Minuten bis vor die Haustüre zu liefern. Kann das wirklich funktionieren? Um das Geheimnis zu lüften, habe ich zum Test meine Einkäufe bei den beiden Anbietern Flink und Gorillas bestellt – an einem Freitagabend, um kurz vor acht. 

Wer kann überhaupt bei den Diensten einkaufen?

Für eingebürgerte Supermarktgänger*innen wird der Einkauf bei Gorillas und Flink ungewohnt sein. Das Ganze funktioniert nämlich nur via App. In dieser muss zunächst ein Benutzer*innenkonto angelegt werden. Anhand der Adresse wird geprüft, ob man sich im Liefergebiet befindet. Dieses ist jedoch ziemlich begrenzt. Ich hatte gerade so Glück: Trotz meiner recht zentralen Wohnlage in der Bonner Südstadt befinde ich mich am Rande des Lieferradius der beiden Dienste.

Blick in eine Papiertüte mit Lebensmitteln
Quelle: iXtenso/Wendorf

Shop-Design

In beiden Shops wird direkt auf der Startseite die aktuelle Lieferdauer angezeigt. Gut für die zeitliche Planung. Außerdem kann jeweils eine Liste mit favorisierten Lebensmitteln angelegt werden. Ob die jedoch jemand nutzt, weiß ich nicht. Im Supermarkt gibt es schließlich auch kein Regal für Lebensmittel, die man beim nächsten Mal kaufen will. 

Die Suche einzelner Produkte über die Suchleiste ist meiner Erfahrung nach sehr mühsam. So hat meine Suche nach „Banane“ bei Flink erst im 11. und bei Gorillas sogar erst im 21. Treffer eine handelsübliche Banane ergeben, hinter diversen Babygläschen, Joghurts und Säften mit Bananengeschmack. Ob die wohl so beliebt sind? Für mich als Nicht-Baby zumindest eher uninteressant. 

Die Auswahl der Produkte über verschiedene Rubriken haben meine Suche deutlich leichter gemacht. In der Kategorie „Frühstück“ konnte ich bei Gorillas mit nur wenigen Klicks Backwaren, Müslis und Aufstriche ausfindig machen. In der Kategorie „Veggie & Vegan“ habe ich bei Flink alles rund um Hafermilch, pflanzliche Fleisch- und Joghurtalternativen gefunden.

Angebotsvielfalt

Das Angebot in den beiden Shops ist vielfältig, von bekannten Labels bis hin zu Produkten von REWE-Eigenmarken ist bei Flink alles dabei – schließlich gehört der Lieferdienst zum großen Lebensmittelkonzern. Gorillas kooperiert momentan mit der Bäckerei und Konditorei Voigt, frische Brötchen sind also auch noch am späten Abend drin. Neben Lebensmitteln vertreiben die beiden Anbieter*innen ebenfalls Tiernahrung sowie Haushalts- und Drogerieartikel. Die waren für meinem Test jedoch eher zweitrangig. 

Zwei Papiertüten nebeneinander, eine von Flink, eine von Gorillas...
Quelle: iXtenso/Wendorf

Preis

Die Preise befinden sich im gewöhnlichen Supermarktspektrum. Bei meinen ausgewählten Sachen waren die Produkte bei Gorillas im Schnitt um einige Cent teurer. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass es bei beiden teils nur die Bio-Variante eines Artikels gibt, und teils nur die konventionelle. Das färbt natürlich auf den Preis ab. So kostet eine einzelne Bio-Banane bei Gorillas 39 Cent, die nicht-Bio Banane bei Flink 29 Cent. 

Zahlung

Der Checkout bei Flink läuft über PayPal oder Kreditkarte. Bei Gorillas kann zusätzlich mit Klarna gezahlt werden. Die Lieferkosten liegen jeweils bei 1,80 Euro. 

Die Bezahlung bei Flink? Kein Problem. Nach wenigen Klicks wurde das Geld verbucht und der Fahrer machte sich auf den Weg. Die Zahlung bei Gorillas verlief dafür umso nervenaufreibender. Erst hat die Seite ewig geladen, dann kam plötzlich eine Fehlermeldung – der Zahlungsvorgang könne nicht abgeschlossen werden. Der Grund? Keine Ahnung. Mein Einkaufwagen war voll, mein Magen leer. Es war, als hätte ich an der Supermarktkasse festgestellt, dass ich mein Portemonnaie zu Hause vergessen habe. In diesem Fall schien wohl aber eher die Kasse kaputt. 

Mein erster Testdurchgang bei Gorillas ist also gescheitert. Eine Woche später habe ich dem Dienst jedoch eine neue Chance gegeben. Und bingo, diesmal ging der Kauf durch. 

Service

Beide Lieferanten waren sehr freundlich und brachten mir die Tüten bis in den zweiten Stock. Bereits im Vorhinein konnte ich ihnen beim Checkout ein virtuelles Trinkgeld geben. 

Ein mitarbeiter von Gorillas füllt papiertüten in einem Lebensmittellager...
Quelle: Gorillas

Transport

Die Bestellungen kamen jeweils in handelsüblichen Papiertüten ohne weiteren Verpackungsschutz. Bananen, Chips und Knäckebrot lagen teils im unteren Bereich in der Tüte, sind jedoch in keinem der beiden Fälle beschädigt worden. Den Härtetest haben sie also bestanden. Selbst mein bei Gorillas bestelltes Eis hat die Reise ohne gesonderte Verpackung überlebt und ist nicht aufgetaut. 

Lieferzeit

Kommen wir zur Lüftung des großen Geheimnisses: War die Bestellung wirklich innerhalb von zehn Minuten da? 

Leider muss ich euch enttäuschen: Nein. Aber fast! Bei Gorillas hat es 16 Minuten gedauert, der Konkurrent war da etwas flinker und lieferte die Bestellung innerhalb von 11 Minuten! 

Ob man da meckern kann? 

In beiden Fällen konnte der Standort der Fahrerin beziehungsweise des Fahrers via App in Echtzeit nachverfolgt werden. Spannend, aber irgendwie auch gruselig. Ein weiterer Mini-Fail bei Gorillas: Die angekündigte Uhrzeit der Lieferung wurde nicht aktualisiert. So hieß es auch um 19.56 Uhr noch, dass meine Bestellung um 19.53 Uhr da sein würde. Laut Karte war der Fahrer aber noch mehrere Hundert Meter von meinem Haus entfernt. Etwas verwirrend, aber aushaltbar. 

Fazit

Insgesamt waren meine Bestellung eine Erfahrung wert. Auch wenn die Lieferung jeweils nicht innerhalb von zehn Minuten da war, war es erstaunlich, wie schnell die Lebensmittel tatsächlich vor meiner Türe standen. Das ist künftig für stressige Tage sicherlich eine gute Lösung. Tendenziell würde ich dabei eher auf den Anbieter Flink zurückkommen. Einkäufe jedoch auf Dauer so zu erledigen, kann ich mir nicht vorstellen. Dafür gehe ich zu gerne in den Supermarkt, stöbere durch die einzelnen Abteilungen und falle auf den ein oder anderen Marketingtrick hinein. Letztendlich scheint wie in vielen anderen Bereichen eine hybride Lösung der goldene Mittelweg zu sein.


Der Test wurde im Oktober 2021 durchgeführt.

Autorin: Elisa Wendorf

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