Optimale Beratung • 30.01.2017

Virtuelle Regale am POS sinnvoll einsetzen

Sie passen in den kleinsten Verkaufsraum und können dennoch das komplette Sortiment auf die Fläche bringen: virtuelle Regale.

Seit drei Jahren werden sie deshalb immer beliebter. Auch Händler wie EP: und Knauber setzen auf die interaktive Informationsquelle.

Bei EP: (ElectronicPartner) sind bereits 700 Filialen mit virtuellen Regalen ausgestattet: Ursprünglich ausgehend von Österreich und mittlerweile im gesamten DACH-Markt werden die Touchscreens eingesetzt. „Für EP: ist vor allem die Möglichkeit wichtig, auch auf kleinem Raum das gesamte Produktsortiment anbieten zu können“, erklärt Thomas-Peter Fischer von jumptomorrow, die verantwortlich für die Installationen und die Softwarelösung dahinter sind.

„Informationsreichtum fördert den empfundenen Mehrwert der Nutzer“ (Mittelstand 4.0-Agentur Handel)

Aktuelle Softwarelösungen für virtuelle Regale bieten Verkaufsmöglichkeiten, die der Kunde bereits aus dem Onlinehandel kennt, wie Guided, Cross- und Upselling. Hierzu bündeln die Systeme Inhalte aus Bilddatenbanken, Warenwirtschaftssystemen und Kundenrezensionen. Was entsteht, ist im optimalen Fall eine sehr hohe Informationsdichte. Daraus ergibt sich laut einer Studie der Mittelstand 4.0-Agentur Handel der größte Mehrwert für den Kunden.

Die Studie untersuchte in 2016 die Reaktionen von Konsumenten auf die virtuellen Regale im Bau- und Freizeitmarkt Knauber Innovation Store in Pulheim. Die Autoren fassen zusammen: „Auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen erwarten Konsumenten eine intuitive und benutzerfreundliche Bedienung, die auch störungsfrei funktioniert – der Spaß ist bei der Anwendung zweitrangig. Bieten aber virtuelle Produktregale darüber hinaus einen hohen Informationsgehalt, werden sie als nützlich empfunden.“

"Kunden nutzen bei virtuellen Regalen bislang am meisten: ausführliche Produktinfos und Fotos, ausgeprägte Filterfunktionen auf wesentliche Produkte, Bewertungen (wie im Onlinehandel auch) sowie Kaufanregungen für alternative Produkte. Was Kunden wichtig ist: die Produkte auch online bestellen zu können." (Tobias Nagel, Online Software AG)

Foto: Virtuelles Regal, Stele mit Digital Signage; copyright: jumptomorrow...
Das ganze Sortiment für den Kunden. So sieht der Einsatz virtueller Regale bei EP: aus.
Quelle: jumptomorrow

Positionierung im Store: gute Sichtbarkeit für den Kunden

Damit Kunden das virtuelle Regal überhaupt als Informations- und Serviceangebot wahrnehmen, muss die Positionierung im Store stimmen. Tobias Nagel von der Online-Software AG erklärt hierzu: „Die virtuellen Regale sollten nicht direkt im Eingangsbereich stehen, denn diesen passiert der Kunde sehr schnell. Sie machen in der Fachabteilung Sinn, wo der Kunde die Bindung zum Produkt wiederfindet, bei zentralen Anlaufstellen oder Wartezonen. Außerdem sollte das virtuelle Regal so platziert sein, dass Kunden persönliche Daten unter Berücksichtigung der Privatsphäre ungestört eingeben können.“

Übergeordnet hält er Einsatzbereiche wie die Computer- und Unterhaltungselektronik, Bücher und Medien, Hobbyartikel, Spielwaren, Bau- und Gartenmöbel sowie Möbel- und Wohnen für sinnvoll. Keinen Sinn macht seiner Meinung nach die Positionierung der Regale bei sehr erklärungsbedürftigen Produkten, denn der Kunde erwarte ein intuitives System, das ihm schnell zu Informationen verhilft bis hin zum Bestell- oder Kaufabschluss.

Foto: Frau tippt auf Touchscreen; copyright: jumptomorrow...
Die Funktionen sollten so intuitiv und informativ wie möglich sein.
Quelle: jumptomorrow

Mit großen Screens und Videos Aufmerksamkeit wecken

Die Wahrnehmung der Kunden wird durch die Größe des Screens und den dargestellten Content maßgeblich beeinflusst. Nagel sagt: „Je größer der Bildschirm, desto komfortabler die Nutzung – ab 55 Zoll aufwärts. Eine normale TV-Größe ist beinah schon zu unauffällig. Allerdings soll die Größe den Kunden auch nicht erschlagen, sondern sich so harmonisch wie möglich ins Ladendesign einfügen.“

Videos, die auf den Screens laufen, können die Aufmerksamkeit des Kunden erhöhen. Aber auch hier grenzt Nagel ein: „Videos sollten nicht den kompletten Screen ausfüllen. In solchen Szenarien wird der Screen nicht mehr als interaktives Medium wahrgenommen. Außerdem sollte der Kunde gut sichtbar auf die Funktion des Gerätes hingewiesen werden, damit er es auch nutzt.“

Bei allen interaktiven Services, die das digitale Medium ermöglicht, sind sich alle Beteiligten jedoch einig darüber, dass diese mit der Beratung durch einen Mitarbeiter auf der Fläche angeleitet werden sollten. „Sie sollten den Kunden bei der Einführung von virtuellen Regalen anfänglich nicht allein am Regal interagieren lassen“, betont Nagel. Deshalb sollten alle Mitarbeiter im Umgang mit dem System geschult sein und das Sortiment kennen. Er ergänzt: „Das Wichtigste ist, dem Konsumenten das System und die Mehrwerte, die ihm durch die Nutzung zugutekommen, verständlich erklären zu können. Know-How und Schulung sind deshalb wesentlich."

Der Content: automatisierte Darstellung durch Softwarelösungen  

Softwarelösungen bündeln heute die Inhalte aus den unterschiedlichen Datenquellen, leiten die wesentlichen Inhalte auf die Screens und bieten zusätzlich Raum für die individuellen Layouts der Händler selbst. Über einfach zu bedienende CMS (Content Management Software) mit frei definierbaren Vorlagen können diese eigenständig die Optik ihrer Screens anpassen. Thomas-Peter Fischer erklärt: „Der Aufwand für die Händler ist minimal, da sämtliche Datenflüsse voll automatisiert erfolgen und sich das virtuelle Regal je nach Öffnungszeiten automatisch ein- und ausschaltet.“

Foto: Großes virtuelles Regal mit Produktabbildungen; copyright: Online...
In Bau- und Gartencentern sind die digitalen Informationssysteme sehr beliebt.
Quelle: Online Software AG

An einigen Stellen sind die Systeme allerdings noch ausbaufähig. Tobias Nagel von der Online Software AG betont: „Die technische Realisierung der Bezahlfunktion ist der Schlüssel, um die Anwendung rund zu machen. Hier besteht noch Optimierungsbedarf, der jedoch nicht durch die technischen Möglichkeiten limitiert ist, sondern hier bezieht sich das Verbesserungspotential auf die ausbaufähigen Prozesse im Backend für einen vollständig reibungslosen Ablauf.“

Wie geht’s weiter?

Die Zukunft der virtuellen Regale ist aussichtsreich. „Das virtuelle Regal ist ein Kanal, der flexibel um weitere Kanäle wie beispielsweise eine Kunden-App oder Digital Signage erweitert werden kann“, erklärt Thomas-Peter Fischer. Das bedeutet: Mit den virtuellen Regalen lassen sich Omnichannel-Projekte im stationären Handel umsetzen und ausbauen. Um neben dem Online-Handel und gegen die Großfläche bestehen zu können, ist das wohl ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Autor: Natascha Mörs; iXtenso

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