Gastbeitrag • 14.08.2020

Letzte Meile: Was muss man tun?

Im Wettbewerb um die beste Kundenerfahrung auf der ersten und letzten Meile bestehen

Ein Mann lädt einen Lieferwagen aus, aus der Vogelperspektive aufgenommen...
Quelle: Rido

Die jüngsten Ereignisse haben in den Lieferketten zu erheblichen Einbrüchen geführt. Viele Geschäfte sind geschlossen und der Onlinehandel boomt. Das zweistellige Wachstum der Branche in den letzten Jahren dürfte sich fortsetzen. Zugleich verlangen die Verbraucher unerbittlich mehr Komfort. Schnellere, fehlerfreie, termingerechte Lieferungen setzen Händler und Logistikunternehmen damit unter erheblichen Druck. In seinem neuesten Whitepaper „Die erste und die letzte Meile als Erfolgsfaktor in Handel und Logistik“, untersucht der Supply-Chain-Spezialist Zetes die Herausforderungen der Branche im Hinblick auf die Verbesserung der Kundenerfahrung im gesamten Prozess: von der Kommissionierung über Verpackung und Versand einer Bestellung bis zur physischen Lieferung an den Kunden. Zetes erfasst alle Stationen eines Produkts auf seinem Weg durch die Supply Chain und zeigt Möglichkeiten auf, wie Unternehmen während des gesamten Lieferprozesses die Produktivität und Effizienz steigern und Fehler reduzieren können – und warum jetzt der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist. 

Bisher liegt ein Hauptgrund für die Ineffizienz in der enormen Menge an Paketen, die beim ersten Versuch nicht erfolgreich zugestellt wird. Untersuchungen aus Japan, wo der Onlinehandel rasant wächst, zeigen, dass fast 20 Prozent der Lieferungen beim ersten Versuch nicht erfolgreich zugestellt werden – in den Städten ist der Anteil sogar noch höher. Mehrere Zustellversuche belasten die Kosten und Ressourcen ganz enorm.

Eine Studie von PCA Predict schätzt die Kosten für versäumte und fehlgeschlagene Zustellversuche auf 15 Euro pro Zustellversuch, ein erheblicher Betrag angesichts der hauchdünnen Gewinnspannen vieler Unternehmen. Wenn 30 Prozent der gesamten Logistikkosten bei der letzten Meile entstehen (in Form von Arbeitskräften, Transport und Kraftstoff), sind derartige Lieferineffizienzen einfach nicht tragbar.

Klüger arbeiten

Es liegt auf der Hand, dass die Technologien der Zukunft, wie Robotik und autonome Fahrzeuge, dazu beitragen werden, sowohl Effizienz als auch Nachhaltigkeit des Logistikprozesses zu verbessern. Doch diese Lösungen stecken noch in den Kinderschuhen und stellen hohe Investitionssummen dar. Handel und Logistikdienstleister müssen heute Veränderungen anstoßen, die schnell agile und skalierbare Prozesse und Infrastruktur ermöglichen, damit die Unternehmen mit der Nachfrage und den Erwartungen Schritt halten können, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Außerdem müssen sie intelligenter agieren. Dabei helfen Technologien zur Optimierung kritischer Prozesse. So entsteht ein flexibles Logistikmodell, das bedarfsgerecht skaliert oder verkleinert werden kann, um die Prozesse maximal zu unterstützen.

Der Wandel auf der ersten Meile

Auf der ersten Meile werden mithilfe von Bildaufnahme- und Bildverarbeitungstechnologien Versand- und Abfertigungsprozesse transformiert und Fehler beseitigt. Innovative Technologien wie Visual Sort Assist und die multimodale Spracherkennung sind nur mit minimalem Schulungsaufwand verbunden. Die Mitarbeiter können also sofort produktiv arbeiten. Durch das Zusammenspiel verschiedener Technologien ermöglichen diese Systeme maximale Flexibilität und Wertschöpfung, beispielsweise durch die Kombination von Voice-Technologie und Barcode-Scannern.

Ein Mann im Anzug mit Krawatte schaut in die Kamera...
Tiago Conçeicão ist Experte für Transportlösungen bei Zetes.
Quelle: Zetes

Effizienz auf der letzten Meile

Auf der letzten Meile lässt sich mithilfe von Technologie die Arbeit der Fahrer optimieren, sodass sie sich sicher durch den gesamten Lieferprozess bewegen. Durch die Harmonisierung von Ereignis- und Statusdaten in Echtzeit, die an jedem kritischen Punkt der Supply Chain bis hin zum Endkunden erfasst werden, können Unternehmen mit Proof-of-Delivery-Lösungen Prozesse optimieren und die Kundenerfahrung verbessern. Die Ergebnisse der japanischen Studie zeigen auch, dass 42 Prozent der Kunden nicht wussten, dass eine versäumte Lieferung unterwegs war. Wenn Kunden rechtzeitig über Lieferungen informiert werden, lassen sich kostspielige zusätzliche Zustellversuche vermeiden und sowohl Kosten als auch Umweltauswirkungen senken.

Die finanziellen und ökologischen Kosten zusätzlicher Zustellversuche sind beträchtlich: Erneute Zustellversuche machen 25 Prozent der gesamten Fahrstrecke von Fahrzeugen für die Paketauslieferung aus. 420.000 Tonnen CO2 werden jedes Jahr allein durch wiederholte Zustellversuche von Lieferfahrzeugen erzeugt. Dies entspricht 90.000 Vollzeitbeschäftigten allein für die Zustellung.

Tiago Conçeicão, Experte für Transportlösungen bei Zetes, kommentiert: „Es besteht kein Zweifel, dass Roboter und autonome Fahrzeuge in den Lager- und Lieferprozessen künftig eine immer größere Rolle spielen werden. Allerdings muss die Branche jetzt die innovativen Möglichkeiten nutzen, die ihr zur Verfügung stehen, um eine rasche Erstbelieferung und eine effektivere Ressourcennutzung zu erreichen. Mit einer Infrastruktur, die durch eine agile, skalierbare und vernetzte Technologielösung unterstützt wird, können Handel und Logistik den gesamten Prozess lückenlos transparent und proaktiv steuern. Dadurch gelingt es ihnen, das richtige Produkt kostengünstig und umweltfreundlich zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen.“ Das Whitepaper ist kostenfrei auf der Webseite erhältlich.

Autor: Tiago Conçeicão, Zetes

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