Interview • 19.03.2015

Modehandel: "Der fashioncheque ist Anreiz, überhaupt zu kaufen"

Neue Bezahlart könnte den deutschen Geschenkemarkt kräftig ankurbeln

Dr. Bernhard Blüthner und Jacqueline Gasché stellten uns auf der EuroCIS die...
Dr. Bernhard Blüthner und Jacqueline Gasché stellten uns auf der EuroCIS die Partnerschaft zwischen Salt Solutions und fashioncheque vor
Quelle: beta-web GmbH/Mörs

In den Niederlanden boomt diese Form der Geschenkkarte schon seit Jahren - in Deutschland soll sie jetzt auch durchstarten: Der "fashioncheque" ist ein Gutschein, der in unterschiedlichen Modegeschäften eingelöst werden kann. iXtenso sprach auf der EuroCIS mit Jacqueline Gasché von fashioncheque und Dr. Bernhard Blüthner von Salt Solutions über die Umsetzung und Vorteile der neuen Zahlungsart.

Frau Gasché, in den Niederlanden akzeptieren schon über zehntausend Partner fashioncheque als Zahlungsmittel. Warum starten Sie jetzt auch in Deutschland?

Jacqueline Gasché: In Deutschland hat der Gutscheinmarkt in den letzten Jahren unheimlich zugenommen. Im Hotel- und Restaurantbereich gibt es schon vermehrt Gutscheine für mehrere Anbieter. In der Modebranche ist das neu.

Welche Vorteile hat fashioncheque für Einzelhändler?

Gasché: Ein klarer Vorteil ist: In der Regel werden die Gutscheine innerhalb von 90 Tagen eingelöst. Über den Store-Finder in unserer App kann der Kunde sehen, wo er die Karte in der Nähe einlösen kann. So findet er auch Läden, die er bislang nicht kannte. Das bedeutet, es werden Kundenströme generiert. Der Hauptanreiz für Händler liegt allerdings in der Natur aller Gutscheine: Der fashioncheque macht in der Regel nur ein Drittel des Betrages aus, der im Laden ausgegeben wird. Somit ist er oftmals ein Anreiz, überhaupt zu kaufen.

Sehen Händler die Giftcard auch als Gefahr, weil sie bei anderen Partnern eingelöst werden kann?

Gasché: Erstaunlicherweise nicht. Denn die Konkurrenz ist nicht das Geschäft in der Nachbarschaft, sondern der Online-Handel und der branchenfremde Handel. fashioncheque wurde 2008 für den Modehandel gegründet, um mehr von dem Geld, das sonst für Geschenke in Elektronikmärkten, Blumenhandel und Süßigkeiten ausgegeben wurde, in den stationären Modehandel zu holen. In dem Moment, indem die Geschenkkarte an einer Tankstelle oder im Supermarkt gekauft wird, fließt der Geldbetrag garantiert in die Modebranche.

Dennoch sind manche Händler skeptisch.

Gasché: Manche Händler schon, nämlich dann, wenn sie das System noch nicht richtig verstanden haben. Sie fürchten eine Kannibalisierung ihrer eigenen Karte. Noch brauchen diese Open-Loop-Karten in Deutschland etwas Überzeugungsarbeit. Wer aber das Prinzip verstanden hat, erkennt den Nutzen. Die zweite Skepsis herrscht gegenüber den Kosten für die Integration. Die übernimmt allerdings fashioncheque selbst mit seinen Partnern wie Salt Solutions sowie weiteren Kassen- und Webshoppartnern.

Was hat fashioncheque selbst davon?

Gasché: fashioncheque erhält eine Provision über den Betrag des Wertes des eingelösten Gutscheins. Die Beträge, die darüber hinausgehen, fließen vollständig in die Kasse des Händlers.

Dr. Blüthner, Sie kümmern sich mit Salt Solutions um die technische Einbindung der Bezahllösung. Worauf kommt es dabei an?

Bernhard Blüthner: Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass der fashioncheque ein Zahlungsmittel ist. Das bedeutet, dass in jeder Situation, in der ein Kunde es gewohnt ist zu bezahlen – sei es bar, per Karte oder mit einem der gängigen Payment-verfahren – nun auch eine Einlösemöglichkeit für den fashioncheque vorzusehen ist. Die Kasse im Store als Beispiel muss den Barcode der Giftcard scannen und die Nummer an fashioncheque schicken können, wo geprüft wird, ob es diese Nummer gibt.

Auch Teilzahlungen und die gemischte Verwendung unterschiedlicher Bezahlmittel müssen möglich sein. Eine Verbindung zur Warenwirtschaft zeigt im Nachhinein, dass die Bezahlung über fashioncheque gelaufen ist, welche Warengruppen darüber gekauft wurden – und je nachdem sogar von welchem Kunden.

Wie sieht das für einen möglicherweise angebundenen Webshop aus?

Blüthner: Beim Webshop ist es das gleiche Prinzip. Dieser muss um ein Modul für fashioncheque erweitert werden, um als Zahlmittel für den Kunden verfügbar zu sein. Salt Solutions realisiert vor allem Webshops auf der OXID-Plattform, für die wir bereits ein Erweiterungsmodul für fashioncheque entwickelt haben und auf Anforderung bereitstellen können.

Das hört sich zunächst einmal sehr aufwendig an. Wie lange dauert so eine Einbindung und auf welche Kosten muss sich ein Einzelhändler gefasst machen? Blüthner: Gehen wir vom besten Fall aus: Der Händler nutzt OXID und das Kassensystem Korona von Combase - die bereits Partner von fashioncheque sind – dann würde das heißen, dass der Händler beim nächsten Kassensoftwareupdate die fashioncheque-Ergänzung für die Kasse ohne Zusatzkosten erhält. Beim Webshop, wenn dieser schon läuft, wird eine reine Einbindung bei einer größeren Installation inklusive der Einbaumaßnahmen schon ab wenigen tausend Euro möglich. Wenn gute Voraussetzungen herrschen, läuft das System in 14 Tagen. Darüber hinaus muss das Personal auf den Flächen mit der neuen Bezahloption vertraut gemacht werden.

Die Abfrage für den Geschenkwert bei fashioncheque muss in Echtzeit erfolgen. Einige Händler haben aber keine verlässliche Internetverbindung. Wie löst fashioncheque dieses Problem?

Gasché: Um dieses Problem zu lösen, entwickeln wir derzeit eine Händler-App, die eine Datenabfrage über ein mobiles Datennetz ermöglichen soll, beispielsweise über ein Tablet. Damit wird sich der Gutschein scannen lassen und der Bezahlvorgang an die Kasse übermittelt.

Abschließend: Wie kommt die Karte bei den Verbrauchern an?

Gasché: Sehr gut. Wir alle müssen manchmal Mode einkaufen gehen. Und da ist die freie Wahl zwischen den Geschäften ein unheimlicher Bonus. Meine Töchter sind 23 und 18 Jahre alt - Geld schenke ich nicht gern, das ist so unpersönlich - Gutscheine dagegen schon, die kommen immer sehr gut an.

Blüthner: Ich würde ihn auch an meine Kinder und Enkel verschenken. Mir gefällt daran, dass ich ein bisschen mitbestimmen kann, was ich schenke, aber noch Freiheit für eigene Entscheidungen lasse.

Interview: Natascha Mörs; iXtenso.com

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