Bericht • 14.09.2017

Displays für den POS: vom Pappaufsteller zum Digital-Signage-Element

Wie Displays zu einem entscheidenden Touchpoint der Customer Journey werden

Die tatsächliche Entscheidung für ein Produkt oder eine Marke fällt häufig erst am POS. Um den Kunden hier zu überzeugen, sind die richtigen Kommunikationsmittel erforderlich. Dazu gehört insbesondere ein aufmerksamkeitsstarker Markenauftritt. Im Einzelhandel werden daher häufig Displays – auch liebevoll „Kundenstopper“ genannt – zur Präsentation von Klein- oder Saisonartikeln eingesetzt.

Zwischen 70 und 80 Prozent aller Kaufentscheidungen werden spontan am POS getroffen. Aus diesem Grund buhlen mittlerweile nicht mehr nur Markenartikelhersteller, sondern auch Händler mit ihren Handelsmarken um den sogenannten „first moment of truth“ – den Moment, der die entscheidenden Sekunden beschreibt, in denen sich ein Kunde für ein bestimmtes Produkt oder eine Marke entscheidet. Insbesondere bei Warengruppen, die normalerweise impulsiv gekauft werden, schaffen es Displays, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, das Interesse der Kunden zu wecken und zu Käufen zu animieren.

Der „first moment of truth“ kann laut Studien durch eine Kombination einer Display-Promotion mit einer Preis-Promotion noch einmal multipliziert werden.

Unterschiedliche Displayarten für unterschiedliche Einsatzszenarien

Displays charakterisieren sich zunächst durch eine begrenzte Platzierungsdauer. Kurzzeitdisplays verbleiben nur wenige Wochen oder Tage am POS. In Deutschland wird insbesondere das Palettendisplay für kurzzeitige Promotions verwendet, da diese in der Regel auf einer Viertelpalette konstruiert werden und somit leicht zu bewegen sind. Ein weiterer Vorteil dieser Displayart ist, dass sie vorwiegend bestückt und aufstellbereit an die Handelsunternehmen ausgeliefert werden. Das Handling ist somit deutlich einfacher. Bewusste Lücken in der Warenpräsentation und eine farblich passende Anordnung wirken zudem absatzfördernd.

Im Gegensatz zu Palettendisplays werden Bodenaufsteller erst am POS zusammengebaut, da sie häufig zu schwer sind, um uneingeschränkt bewegt zu werden. Sie bieten sich insbesondere für kleine Stellflächen an. Fertig konfektioniert sollten sie 15 Kilogramm jedoch nicht überschreiten, da dies die höchste zulässige Gewichtsbelastung für das Verkaufspersonal ist. Bodenaufsteller sind in Europa weit verbreitet, da sie neben dem Fachhandel auch in Tankstellen, Drogerien und Convencience-Stores zum Einsatz kommen. Bodenaufsteller gehören zu den Langzeitdisplays, da sie teilweise über ein Jahr im Store verbleiben und immer wieder vom Personal nachbestückt werden.

Eine Übersicht verschiedener Displayarten

Neben den bisher vorgestellten warentragenden Displaytypen existieren auch verschiedene kleinere Displays, die warenbegleitend genutzt werden. Bei einem nur begrenzten Platzangebot bieten sich Regaldisplays, auch Inshelf ­Displays an, um einzelne Artikel gegenüber konkurrierenden An­geboten hervorzuheben. Ebenfalls im oder am Regal werden sogenannte Parasite Units platziert. Sie vereinen häufig komplementäre Produkte wie Chips und Bier, um Bedarfsverbundkäufe zu realisieren. In Bereichen, wo eine persönliche Bedienung des Kunden erfolgt, beispielsweise im Kassenbereich, ist zudem der Einsatz von Thekendisplays (Counter ­Displays) sinnvoll. Sie fördern Impulskäufe, da sie den Kunden im letzten Moment vor dem Bezahlvorgang ansprechen. Dabei eignen sich nicht nur saisonale Produkttester oder Gratisproben, sondern auch informative Inhalte wie Prospekte oder Gewinnspiele für eine Promotionaktion.

Die länder-, warensegment- und produktspezifischen Anforderungen variieren je nach Land sehr stark. Markenhersteller sollten daher Händleranforderungen, die bei der Gestaltung eines Displays relevant sind, vorab eingehend prüfen.

Displaygestaltung mit neuartigen Technologien vorantreiben

Displays werden häufig als reine Pappaufsteller assoziiert. Dies trifft insbesondere auf Kurzeitdisplays zu. Häufig handelt es sich dabei um einen Materialmix aus Karton und Pappe, der mit bedrucktem Karton kaschiert wird. Langzeitdisplays werden hingegen mit aufmerksamkeitsstarken Merkmalen wie Illuminations- und Bewegungseffekten ausgestattet, um den Kunden zu aktivieren. Materialien wie Holz oder Metall sind hier ebenfalls keine Seltenheit. Für Aufmerksamkeit sorgt insbesondere die Gestaltung der Sockel- und Seitenverkleidung sowie ein auffallendes Topschild.

Foto: Displays für den POS: vom Pappaufsteller zum Digital-Signage-Element...
Quelle: POPAI

Im Zeitalter der Digitalisierung werden immer öfter auch Digital Signage-Lösungen integriert, um die Interaktion zwischen Display und Kunde zu verstärken. Das prominenteste Beispiel ist hier aktuell der digitale Maggi-Rezeptfinder, der in Zusammenarbeit mit PEGO GmbH und gekartel AG für Nestlé erstellt wurde. Neben einer Auswahl an Maggi fix&frisch-Produkten befindet sich in der Mitte des Displays ein Touchscreen mit Animationen und Produktempfehlungen. Der Kunde kann sich Rezeptvorschläge direkt vor Ort ausdrucken. Die Inhalte werden von Maggi zentral über eine Datenfernübertragung gesteuert. Der Einzelhändler muss das Regal dann nur passend bestücken.

Foto: Displays für den POS: vom Pappaufsteller zum Digital-Signage-Element...
Quelle: MMT

Eine besondere Inshelf-Lösung stellt die sogenannte Hypebox dar. Diese kann aufgrund ihrer Größe optimal in das Regal integriert werden. Die Mars GmbH platzierte vor Kurzem eine Box im Edeka Center Berlin Moabit, um dort das Pedigree-Sortiment entsprechend zu präsentieren. Die Kunden können hierbei aber nicht nur die Produkte im Inneren der Box sehen, sondern zudem durch Berühren des Displays Informationen zu einzelnen Produkten abrufen. Die Produkte werden in der Box außerdem entsprechend beleuchtet.

Und die Entwicklung von Displays ist noch längst nicht abgeschlossen: Ein weiteres spannendes Thema sind Beacons, die unmittelbar mit dem Smartphone des Kunden kommunizieren, um auf Produkte aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Mondelez, real- und Payback testet Chep bereits eine Viertelpalette, in die standardmäßig ein Beacon integriert wird. Sobald die Nutzer der Payback-App sich dem Display nähern, erhalten sie einen Rabatt-Coupon für den beworbenen Mondelez-Artikel per Push-Nachricht auf ihr Mobiltelefon. Ziel ist nicht nur die gezielte Kommunikation mit dem Kunden am POS, sondern auch die Optimierung der Warenverfügbarkeit anhand der Auswertung der kompletten Supply-Chain. So kann erfasst werden, ob und wo sich eine Palette auf der Verkaufsfläche oder noch im Lager des Supermarktes befindet.

Auch die Integration von Gesichtserkennungstools wird im Rahmen der Displaygestaltung bereits diskutiert.

Foto: Displays für den POS: vom Pappaufsteller zum Digital-Signage-Element...

Mehrwert für die Customer Journey

Ansprechend gestaltet und wohl überlegt platziert, können Displays gezielt die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich ziehen und so impulsives Kaufverhalten fördern. Bevor man sich aber für eine der zahlreichen Displayvariationen entscheidet, sollte vorab geklärt werden, welchen Mehrwert insbesondere digitale Technologien für den Kunden haben. Nur so kann die Aufmerksamkeit auf das Display gelenkt und dieses zu einem entscheidenden Touchpoint entlang der Customer Journey werden.

Autor: Melanie Günther, iXtenso

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Verbindliche Testangebote in Betrieben kommen...
14.04.2021   #Sicherheit #Coronavirus

Verbindliche Testangebote in Betrieben kommen

Regeln zum betrieblichen Infektionsschutz werden bis zum 30. Juni 2021 verlängert und um betriebliche Testangebote ergänzt

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat heute dem Bundeskabinett dargelegt, wie er die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) verlängern und ergänzen wird. Die Änderungen erfolgen per Verordnung (hier geht's zum ...

Thumbnail-Foto: Novelle des Verpackungsgesetzes
28.06.2021   #Nachhaltigkeit #Verpackungen

Novelle des Verpackungsgesetzes

Neue Pflichten für Onlinehändler und Onlinemarktplatzbetreiber

Im Zuge der Reform des 2019 in Kraft getretenen Verpackungsgesetzes werden Nachweis-, Registrierungs- und Dokumentationspflichten erweitert. Dadurch sollen zum einen europäische Vorgaben in nationales Recht umgewandelt und zum anderen ...

Thumbnail-Foto: Bedürfnisse verstehen, um alle Kunden abzuholen...
12.07.2021   #Online-Handel #E-Commerce

Bedürfnisse verstehen, um alle Kunden abzuholen

Barrierefreiheit im Onlinehandel und typische Hürden

Damit auch blinde Menschen uneingeschränkt online einkaufen können, müssen Onlinehändler bei der Gestaltung ihres Webshops auf Barrierefreiheit achten. Wir haben mit Ronja Pahaoja, Accessibility Specialist bei ...

Thumbnail-Foto: Flexibel, adaptiv und krisenfest: Stadt der Zukunft oder Utopie?...
21.07.2021   #E-Commerce #stationärer Einzelhandel

Flexibel, adaptiv und krisenfest: Stadt der Zukunft oder Utopie?

Die Studie #ELASTICITY zeigt, wie Innenstädte künftig aussehen könnten

Gestapelte Stühle, geschlossene Türen: Die Corona-Pandemie hat das Innenstadtleben vor eine harte Probe gestellt. Zwar konnten To-Go-Angebote und Konzepte wie Click&Meet den Einzelhandel vorübergehend über ...

Thumbnail-Foto: Neue Umsatzsteuerregeln für den EU-weiten B2C-Onlinehandel zum 01.07.2021...
13.07.2021   #Online-Handel #E-Commerce

Neue Umsatzsteuerregeln für den EU-weiten B2C-Onlinehandel zum 01.07.2021

Sollten Händler sich für das One-Stop-Shop-Verfahren registrieren?

Die bisherige EU-Versandhandelsregelung wurde am 1. Juli 2021 durch die Fernverkehrsregelung abgelöst, als Teil eines europäischen Reformpakets hinsichtlich des wachsenden grenzüberschreitenden Onlinehandels. In Deutschland werden die ...

Thumbnail-Foto: Innenstädte und Ortszentren im Wandel
30.06.2021   #stationärer Einzelhandel #Coronavirus

Innenstädte und Ortszentren im Wandel

IHK-Vollversammlung verabschiedet Resolution zur „Zukunft der Innenstadt“

Die Innenstädte und Ortszentren sind im Wandel und die Folgen der Pandemie haben das Tempo und den Druck noch einmal verschärft. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt Rhein Main Neckar hat in ihrer Sitzung am ...

Thumbnail-Foto: Digitale Preisauszeichnung schafft mehr Zeit für Kunden bei 3...
20.06.2021   #Kundenzufriedenheit #Digital Signage

Digitale Preisauszeichnung schafft mehr Zeit für Kunden bei 3

Telekommunikationsunternehmen 3 setzt auf elektronische Regaletiketten

Nachdem in allen Filialen elektronische Regaletiketten des IT-Unternehmens Delfi Technologies installiert wurden, müssen sich die Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens 3 nicht mehr um die Aktualisierung der Produktinformationen und ...

Thumbnail-Foto: Erfolgreiches E-Commerce abseits der Online-Riesen...
19.07.2021   #Online-Handel #E-Commerce

Erfolgreiches E-Commerce abseits der Online-Riesen

Mit diesen Kniffen setzen sich Online-Shops gegen Amazon durch

Der Onlinehandel wird, und da sind sich alle einig, in weiten Belangen von Amazon dominiert, aber – noch – nicht beherrscht. Dass es nicht so weit kommt, ist zahlreichen Onlinehändlern zu verdanken. Sie lassen sich von dem ...

Thumbnail-Foto: Automatisierte Kundenstrommessung: Du kommst hier (nicht) rein!...
28.04.2021   #stationärer Einzelhandel #Coronavirus

Automatisierte Kundenstrommessung: Du kommst hier (nicht) rein!

Sensortechnologien ermöglichen automatisierte Einlasskontrolle

Die Zeiten, in denen sich die Kunden dicht gedrängt zwischen Regalen in den Geschäften tummelten, liegen in der Vergangenheit. Ihren Store überhaupt für die Kundschaft öffnen zu dürfen, ist für eine Vielzahl der ...

Thumbnail-Foto: Den aktuellsten Trends auf der Spur
04.06.2021   #E-Commerce #Kundenzufriedenheit

Den aktuellsten Trends auf der Spur

OTTO setzt ein neues Inhouse-Tool zur Trend-Recherche ein

Gemeinsam mit Google hat der Online-Händler OTTO ein Dashboard entwickelt, das dabei unterstützt, „Whitespots“ – fehlende Marken und Produkte – zu identifizieren. Das Tool mit dem Namen MANGO baut auf Googles ...

Anbieter

Delfi Technologies GmbH
Delfi Technologies GmbH
Landgraben 75
24232 Schönkirchen