Seit Kurzem lässt sich beim Online-Supermarkt Knuspr nicht mehr nur über App oder Website einkaufen, sondern auch direkt im Chat mit ChatGPT. Produkte suchen, Rezepte planen, den Wocheneinkauf zusammenstellen – das verspricht die neue Integration. Ob das im Alltag funktioniert, wollten wir wissen und haben selbst bestellt.
Wir hatten keine großen Einkaufspläne, wollten einfach mal schauen, wie das neue Feature funktioniert. Aber unserer Liste stand grob: Brot für’s Frühstück, ein Abendessen und noch etwas Obst und Gemüse.

KI-Shopping: Zugang und Einrichtung
Vor dem ersten Einkauf steht die Verknüpfung: Wer Knuspr in ChatGPT nutzen will, verbindet die App über den entsprechenden Connector mit seinem Knuspr-Konto. Der Login erfolgt wahlweise per E-Mail und Passwort oder über Google beziehungsweise Apple. Erste Hürde für Neugierige: Ohne bestehendes Knuspr-Konto geht es nicht – eine erste Bestellung muss laut Hinweis im Login-Fenster direkt bei Knuspr aufgegeben werden, erst dann wird ein Knuspr-Konto angelegt und könnte auch über das ChatGPT eingebunden werden. Nutzt man ein bestehendes Konto, geht es schnell und einfach.
Der Einkauf: Obst zuerst
Nach der Begrüßung ("Schön, dich zu sehen") schlug ChatGPT von sich aus zunächst Obst vor – nachvollziehbar, das braucht praktisch jeder Haushalt. Auf eine einfache Anfrage zeigte die KI eine Kachel-Auswahl: Bananen, Trauben, Nektarinen, Kiwi, mit Preisen und Mengenangaben direkt zum Antippen. Der gewünschte Artikel landete mit einem Klick auf das Plus-Symbol in unserem Warenkorb.
Frühstück: erste Rückfrage unsererseits, erste Grenzen
Wir gingen über zum Frühstück. Hier mussten wir nachjustieren, denn auf unsere allgemeine Anfrage nach Frühstücksartikeln schlug ChatGPT zunächst Cerealien vor – Cornflakes, Haferflocken, verschiedene Kellogg's-Sorten. Die Rückmeldung "Ich mag keine Cerealien" verarbeitete die KI unmittelbar und schwenkte auf ein klassisches Frühstück um: Brot, Aufstrich, Eier. Das funktionierte, blieb aber auf der Ebene "eine Kategorie durch eine andere ersetzen" – keine Rückfrage etwa nach süß oder herzhaft, nach Mengenbedarf oder Vorlieben.

Abendessen: der Knackpunkt
Auf den Wunsch nach etwas Vegetarischem mit Gnocchi zeigte die KI eine Auswahl an vegetarischen und veganen Gnocchi-Varianten samt Vorschlägen für passende Zutaten wie Cherrytomaten, Spinat oder Parmesan. Nach der Entscheidung für Gnocchi mit Tomate und Mozzarella fragten wir gezielt nach einer passenden Sahnesoße mit Gemüse. ChatGPT lieferte eine Produktauswahl unter der Überschrift "Sahne Gemüse" – ohne vorher zu fragen, welches Gemüse wir überhaupt mögen oder ob Unverträglichkeiten bestehen.
Da haben wir nochmal nachgehakt und die Antwort der KI war bemerkenswert offen: Sie räumte ein, keine eigene, auf uns zugeschnittene Auswahl getroffen zu haben, sondern schlicht den Suchbegriff "Gemüse" gegen den Knuspr-Shop ausgeführt und die Top-Treffer angezeigt zu haben. Erst danach folgte die Erklärung, welche Fragen sinnvoll gewesen wären:
- Welches Gemüse magst du – und welches gar nicht?
- Gibt es Allergien oder Unverträglichkeiten?
- Soll es schnell gehen oder darf es aufwendiger sein?
- Gibt es Ernährungswünsche, z. B. vegan oder kalorienarm?
Die KI verhält sich an dieser Stelle also nicht wie eine beratende Instanz, sondern wie eine Suchmaske mit Chat-Oberfläche.

Übergang zum Checkout
Der Wechsel von ChatGPT zu Knuspr bringt einen erwartbaren Bruch: Den Bezahlvorgang kann die KI nicht selbst auslösen. Der Warenkorb bei Knuspr zeigte alles korrekt an, das Abschließen der Bestellung war – trotz Wechsel in die App unkompliziert.

Wie hat uns das neue Shopping gefallen?
Der gesamte Einkauf hat spürbar länger gedauert als es beim Shopping über die App oder die Website der Fall gewesen wäre. Zum einen natürlich, weil wir das Feature zum ersten Mal genutzt haben und nicht genau wussten, was uns erwartet. Zum anderen muss man Wünsche explizit in Sprache fassen und Schritt für Schritt erklären, was man will.
- ➕ Schnell bei alltäglichen Standardartikeln (Obst, Brot)
- ➕ Reagiert auf explizites Feedback ("keine Cerealien")
- ➖ Fragt nicht aktiv nach Vorlieben/Unverträglichkeiten
- ➖ Wirkt wie Keyword-Suche, nicht wie Beratung
- ➖ Checkout bleibt über die App nötig
In der App oder auf der Website dagegen überblickt man Angebote selbst, filtert direkt und trifft die Auswahl visuell und in einem Rutsch – ein struktureller Vorteil, den ein Chat-Interface erst noch aufholen müsste. Für den Checkout muss man ohnehin zu Knuspr. Ein nettes Gimmick, dass sicherlich vorgibt, wo es in Zukunft hingehen könnte, aber noch keine echte Abkürzung im Einkaufsalltag. Wer sich beim Einkaufen gern austauscht und mit etwas Zeit im Gespräch erst zu einem Rezept oder einer Idee finden möchte, ist mit dem Chat gut bedient. Der Grundgedanke: Holt die Kundschaft dort ab, wo sie sich aufhält, ist trotzdem richtig. Aktuell heißt das online vor allem KI-Chatbots wie ChatGPT.










