Interview • 21.01.2019

Händler-App: Produktfälschungen erkennen und Kundenkontakt stärken

Sichere Barcodes auf Papieretiketten bieten Händlern und Kunden viele Mehrwerte

Durch Produktfälschungen entstehen hohe finanzielle Schäden durch Umsatzverlust, geringere Steuereinnahmen und die Gefährdung von Arbeitsplätzen – nicht nur für Händler und Hersteller. In der EU belaufen sich diese Verluste laut dem EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr.

Auch aus Sicht der Kunden ist es ärgerlich, sich bewusst für ein Markenprodukt zu entscheiden und stattdessen eine Fälschung zu erhalten. Eine neue Lösung soll ermöglichen, dass Kunden die Echtheit eines bestellten Produkts selbst überprüfen können. Verwenden sie dazu die Händler-App, eröffnen sich dem Anbieter zahlreiche Möglichkeiten, direkt mit dem Verbraucher zu interagieren. Für welche Zwecke Händler den gewonnenen Zugang nutzen können, erklärt uns Dr. Ulf Sparka, Geschäftsführer der inotec Barcode Security GmbH, im Interview.

Lächelnder Mann mit Brille und blauem Hemd - Dr. Ulf Sparka von der Inotec...
Dr. Ulf Sparka von der Inotec Barcode Security GmbH
Quelle: inotec Barcode Security GmbH
„So kann der Kunde sichergehen, dass er ein Originalprodukt in der Hand hält.“ (Dr. Ulf Sparka)

Herr Dr. Sparka, wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Leistung Händlern und Herstellern anzubieten?

Momentan entsteht in Deutschland ein jährlicher Schaden von über acht Milliarden Euro durch gefälschte Güter. Unfassbare Mengen an Produktfälschungen strömen in den deutschen und europäischen Markt. Das bedeutet, dass wahrscheinlich jeder schon einmal eine Fälschung erworben hat.

Kunden können sich also nicht darauf verlassen, dass sie ein Originalprodukt erhalten. Kaufen Sie ihre Ware beim stationären Einzelhändler um die Ecke, können Sie vielleicht noch davon ausgehen, dass es sich um ein Original handelt. Aber wenn Sie Artikel über einen Onlineshop beziehen und das Produkt beispielsweise aus China geliefert wird, ist die Frage berechtigt: „Ist das jetzt wirklich ein Markenprodukt?“ Auf diese Frage können wir eine verlässliche Antwort geben.

Und das machen Sie mithilfe von Etiketten?

Richtig, mit einfachen Papieretiketten ohne NFC und RFID. Vielleicht nicht so sexy, aber sie funktionieren und sind preiswert. NFC- oder RFID-Etiketten kosten einige Cents pro Stück. Papieretiketten sind deutlich günstiger.

Warum kennen Sie sich mit Etiketten und Barcodes aus?

Wir sind auf serielle Güterkennzeichnung spezialisiert. Typischerweise kennzeichnen wir Umlaufbehälter. Im Lebensmitteleinzelhandel beispielsweise werden große Pools an Behältern zum Transport benötigt. Diese Behälter sind meist mit einem Barcode gekennzeichnet und diese Barcodes kommen von uns.

Barcodes finde ich ja überall in zahlreichen Formen.

Stimmt. Unsere Barcodes sind allerdings einmalig. Auf Milchpackungen einer Sorte finden Sie beispielsweise den gleichen Barcode für das Kassensystem, damit Sie den Artikel erkennen und verfolgen können. Wir aber nehmen eine individuelle Güterkennzeichnung vor. Wir haben Etiketten, die absolut fälschungssicher sind.

Funktioniert das tatsächlich: 100-prozentig fälschungssicher?

Das werden wir immer gefragt, denn von 100-prozentiger Fälschungssicherheit zu sprechen, ist schon ein starkes Statement. Ein Geldschein sollte zum Beispiel absolut sicher sein, deswegen hat er viele Sicherheitsmerkmale. Und trotzdem gibt es gefälschte Geldscheine im Umlauf.

Wie kriegt inotec das denn gelöst?

Wir haben einen anderen Ansatz: Unsere Sicherheitsgarantie steckt nicht in der Drucktechnologie, sie steckt in der Software. Wir generieren zwei Zufallszahlen, kombinieren sie und drucken sie zusammen auf ein Etikett, eine Zahl ist sichtbar und eine versteckt im Hintergrund. Diese Zahlenkombination ist in einer Datenbank hinterlegt. Scannt der Kunde das Etikett mit meinem Smartphone, kann er über eine App abfragen, ob die beiden Zahlen zusammengehören. So kann er sichergehen, dass er ein Originalprodukt in der Hand hält.

Smartphone scannt Barcode
Quelle: panthermedia.net/Bizoon

Welchen weiteren Vorteil hat die Verifikation des Produkts für den Händler?

Wenn ein Endverbraucher das Produkt mit der App prüft, entsteht für den Händler ein direkter Kommunikationskanal zum Kunden. Über die App kann er versuchen, seinen Kunden zu binden, indem er Mehrwerte bietet. Er kann mehr Content anbieten, ein Erklärvideo zum Beispiel, oder weitere passende Produkte und Services anbieten wie die Sporthose oder den Trainingsplan zu den Laufschuhen.

Das gekaufte Produkt könnte der Händler auch zur Eintrittskarte für Erlebniswelten machen. Also nur derjenige, der diese Code-Kombination gescannt hat, kann zum Beispiel bestimmte Musikstücke herunterladen, Videos ansehen oder Mitglied in einem exklusiven User-Club werden.

Mit Fantasie gibt es unzählige Möglichkeiten, wie man diesen Zugang zum Kunden einsetzen kann, hier ist die jeweilige Marketing-Abteilung gefragt.

Lassen Sich aus dieser Interaktion auch Daten gewinnen und nutzen?

Allerdings. Im Hintergrund gibt diese App sämtliche Interaktionen an eine Datenbank weiter. Händler und Hersteller mit Zugriff auf die Datenbank – entweder über eine Webapp oder eine CRM-Anbindung – können dann verfolgen, was ihre Kunden gerade mit dem Produkt und der App machen. Darüber ließe sich dann beispielsweise in Echtzeit messen, wie neue Produkte im Markt ausgerollt werden oder wie wirksam gewisse Kampagnen sind.

Nun müssen Sie zugeben, dass es einen Haken an der Sache gibt: Sowohl Kunden als auch Händler brauchen eine spezielle App für diesen Service.

Das ist eine ganz klare Hürde. Um die zu überwinden, muss es zusätzliche Anreize für den Kunden geben, damit er die App installiert und nutzt.

Händler müssen keine neue App entwickeln oder übernehmen. Wir haben das Produkt bewusst skalierbar aufgebaut: Derjenige, der noch keine eigene App hat, kann eine von uns gebrandete App verwenden. Händler, die bereits eine eigene App im Einsatz haben, können unsere Anwendung einbinden.

Wenn Händler oder Hersteller Ihre Lösung einmal ausprobieren wollen, welche Möglichkeiten gibt es da?

Möchte man klein anfangen, kann man komplett vorkonfigurierte Etiketten bekommen. Eine Etikettenrolle kennzeichnet dann beispielsweise die roten Laufschuhe, eine andere Rolle die blauen Laufschuhe. Händler oder und Hersteller können die Etiketten dann selbst auf den Produkten anbringen.

Für Händler oder Hersteller, die Dutzende oder Hunderte von Produkten anbieten, wäre dieses Verfahren nicht geeignet. Hier würde man eine Rolle mit ‚jungfräulichen‘ Etiketten benutzen und diese dann mit einem neuen Produkt eindeutig verheiraten, sprich initialisieren. Diese Daten werden dann in der Datenbank gespeichert und optimalerweise auch im ERP-System mitgeführt.

Wird Ihre Lösung denn schon angewendet?

Noch sind wir sind im Rollout. Wir haben den ersten Piloten, einen Produzenten in Deutschland, der seine Produkte auch in Asien vertreibt. Ihm ist nicht nur wichtig, seinen Verbrauchern die Möglichkeit der Produktverifikation anzubieten. Er verspricht sich auch davon, etwas über seine Kunden in Asien zu lernen.

Autor: Julia Pott, iXtenso – Magazin für den Einzelhandel

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Krieg in der Ukraine mit Auswirkungen auf den deutschen Handel...
24.03.2022   #Handel #Coronavirus

Krieg in der Ukraine mit Auswirkungen auf den deutschen Handel

Weitreichende Sanktionen fordern Tribut auf allen Seiten

Der völkerrechtswidrige Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar hat die Welt verändert. Während die politischen und militärischen Folgen bisher kaum absehbar sind, haben die massiven Sanktionen gegen Russland ...

Thumbnail-Foto: IDH Konsumentenreport: digital informieren, vor Ort shoppen...
19.04.2022   #Online-Handel #stationärer Einzelhandel

IDH Konsumentenreport: digital informieren, vor Ort shoppen

1. Quartal 2022: 80 % der Konsumenten nutzen mehr digitale Angebote als noch vor zwei Jahren, kaufen aber weiterhin lieber vor Ort

Die Initiative Digitale Handelskommunikation (IDH), angeführt von Bonial, marktguru und Offerista, veröffentlichte kürzlich ihren Konsumentenreport für das erste Quartal 2022. Dazu wurden deutschlandweit rund 4.000 Personen ...

Thumbnail-Foto: Unverpackt im Supermarkt einkaufen – geht das?...
23.03.2022   #stationärer Einzelhandel #Nachhaltigkeit

Unverpackt im Supermarkt einkaufen – geht das?

Ja! Eine Übersicht von verpackungsfreien Angeboten im Einzelhandel

Plastiktüten sind längst vergessen, doch wie steht es um die Verpackung von einzelnen Lebensmitteln? „Zero Waste“ klingt zunächst verlockend. Doch wird jede*r, der seinen oder ihren Plastikverbrauch kritisch hinterfragt, schnell ...

Thumbnail-Foto: Wocheneinkauf leicht gemacht: Ernährungsplanung per App...
18.05.2022   #Online-Handel #E-Commerce

Wocheneinkauf leicht gemacht: Ernährungsplanung per App

Lebensmitteleinkauf, Bestellung, Rezepte – alles in einer App mit Anbindung an den lokalen Lebensmittelhandel

Lebensmittel einkaufen kann Spaß machen. Für einen Fünf-Personen-Haushalt mit Baby und Hund inklusive Allergien und Lieblingsgerichten wird das schnell zur Mammutaufgabe. Die Entwickler der App Jow wollen genau diesen Prozess ...

Thumbnail-Foto: Herausforderungen im Multichannel-Marketing
17.06.2022   #Online-Handel #E-Commerce

Herausforderungen im Multichannel-Marketing

Drei wichtige Trends im Einzelhandel, die einen Wandel bei der Inhaltserstellung forcieren

Die Kreativproduktion für den Einzelhandel steht vor einer Mammutaufgabe. Web-to-Print, POS, Verpackungen, bezahlte Werbung und Social Media-Marketing: Das Multichannel-Marketing für große Einzelhandelsmarken erfordert Unmengen an ...

Thumbnail-Foto: Das Smartphone ist die Nummer Eins beim Omnichannel-Kauferlebnis...
09.05.2022   #Tech in Retail #Smartphone

Das Smartphone ist die Nummer Eins beim Omnichannel-Kauferlebnis

M-Commerce wird zum Spitzenreiter und überholt E-Mail als bevorzugten Kommunikationskanal beim Kaufprozess

Das Smartphone hat sich während der Pandemie bei europäischen Konsumenten an die Spitze der bevorzugten Kommunikationskanäle geschoben. Dies gilt insbesondere für das Omnichannel-Kauferlebnis der Kund*innen mit Marken und ...

Thumbnail-Foto: Ynvisible unterstützt nachhaltige Modebranche mit digitalen...
13.05.2022   #Digitalisierung #Nachhaltigkeit

Ynvisible unterstützt nachhaltige Modebranche mit digitalen Preisschildern

Neue Generation ist leicht lesbar, flexibel und individuell anpassbar

Ynvisible Interactive Inc. hat bekanntgegeben, dass Digety, ein Unternehmen, das elektronischen Preisschilder für die Modebranche herstellt, Ynvisible zum Display-Lieferanten für seine wiederverwendbaren digitalen Etiketten gewählt ...

Thumbnail-Foto: Die Zukunft des kassenlosen Einkaufs in Deutschland...
12.04.2022   #Digitalisierung #Tech in Retail

Die Zukunft des kassenlosen Einkaufs in Deutschland

Chancen, Technologien und Risiken für Händler und Verbraucher - ein Interview mit Ines Bahr, Senior Content Analyst bei Capterra

Der kassenlose Einkauf gilt vielen Menschen als Einkauf der Zukunft. Im europäischen Vergleich befindet sich Deutschland aber noch ein Stück weit von dieser Zukunft entfernt. Während einige Händler*innen die hohen ...

Thumbnail-Foto: Megatrend Nachhaltigkeit – die Erwartungen der Konsumenten an die...
03.05.2022   #Nachhaltigkeit #Kundenanalyse

Megatrend Nachhaltigkeit – die Erwartungen der Konsumenten an die Fashion-Branche

„Deine Kleider machen Leute - nachhaltig, bio & fair steht Dir und der Erde besser“ lautete das Motto des Earth Day am 22. April. Doch das Thema ist 365 Tage im Jahr aktuell.

Das Nachhaltigkeitsbewusstsein von Konsumenten wächst stetig. Das hat auch auf die Modebranche einen immensen Einfluss. 69 Prozent der Verbraucher geben an, dass ihnen Umwelt- und Sozialverträglichkeit bei der Anschaffung von Bekleidung ...

Thumbnail-Foto: Es kommt nicht immer auf die Größe an
17.06.2022   #E-Commerce #stationärer Einzelhandel

Es kommt nicht immer auf die Größe an

„Fräulein Mode und Wohnen“ zeigt, dass auch der lokale Einzelhandel bei Instagram durchstarten kann

Interview mit Simona Libner, Inhaberin von „Fräulein Mode und Wohnen“ und Gewinnerin des Deutschen Handelspreises 2021 des Handelsverband Deutschland HDE.Manchmal muss man ins kalte Wasser springen, denn meistens zahlt es sich am ...

Anbieter

HappyOrNot
HappyOrNot
Innere Kanalstraße 15
40476 Düsseldorf
salsify
salsify
7 rue de Madrid
75008 Paris
Inxmail GmbH
Inxmail GmbH
Wentzingerstr. 17
79106 Freiburg im Breisgau
POSBOX GmbH
POSBOX GmbH
Süchtelner Str. 16
41066 Mönchengladbach
Chili publish NV
Chili publish NV
Neue Schönhauserstraße 3-5
10178 Berlin
Canto GmbH
Canto GmbH
Lietzenburger Str. 46
10789 Berlin