Gastbeitrag • 20.06.2023

Vier Schritte zum erfolgreichen ESG-Reporting im Einzelhandel

Berichterstattungsprozesse in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung optimieren

Rund 83 % aller Verbraucher*innen erwarten von Unternehmen eine aktive Rolle bei der Definition von Best Practices in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance; ESG). Dies setzt Einzelhändler*innen mehr denn je unter Druck, ihre Nachhaltigkeitskompetenz zu belegen. Da es zudem sehr wahrscheinlich ist, dass in naher Zukunft neue ESG-Regeln eingeführt werden, stufen aktuell viele Einzelhandelsunternehmen die Ordnung und Optimierung ihre ESG-Berichterstattungsprozesse als dringende Aufgabe ein.

Eine Gruppe von Menschen sitzt mit Laptops an einem Tisch...
Quelle: Precisely

Der Wunsch der Verbraucher*innen nach mehr Nachhaltigkeit führt heute schon zu einem veränderten Kaufverhalten. Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage suchen 66 % der Käufer*innen aktuell nach umweltfreundlichen Marken, 55 % äußerten ihre Bereitschaft, mehr für nachhaltigere Produkte zu zahlen. Und drei Viertel der Konsument*innen gaben an, dass sie sich von einer Marke trennen würden, wenn es zu einem Wertekonflikt kommt. Dies alles zeigt, wie wichtig es für Einzelhändler*innen ist, Nachhaltigkeitsinitiativen eine hohe Priorität einzuräumen.

Allerdings ist das ESG-Reporting für Einzelhändler*innen eine komplexe Aufgabe. Zum einen fallen im Lebenszyklus eines Produkts eine große Menge an Daten an, die gesammelt werden müssen. Weiterhin muss gewährleistet sein, dass diese Informationen eine ausreichende Integrität aufweisen, um aussagekräftige Berichte zu generieren – also über die maximale Genauigkeit und Konsistenz verfügen und sich im Kontext einordnen lassen.

Fehler im ESG-Reporting können sich negativ auf die Erträge eines Einzelhandelsunternehmens auswirken, da sie die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen und so häufig das Vertrauen in Anbieter irreparabel beschädigen. Händler*innen sollten sich also dezidiert auf Berichterstattung zur Nachhaltigkeit vorbereiten. Vier Schritte, auf die folgend ausführlicher eingegangen wird, bieten sich zur Vorbereitung eines verlässlichen ESG-Reportings an: das Auflösen von Datensilos, die Entwicklung einer effektiven Datenstrategie, die Anreicherung von Daten sowie die Skalierung für den langfristigen Erfolg.

Mann mit Brille und kurzen grauen Haaren schaut in die Kamera...
Patrick McCarthy, Chief Revenue Officer bei Precisely
Quelle: Precisely

1. Das Auflösen von Datensilos

Bevor Einzelhändler*innen eine umfassende Datenstrategie entwickeln können, sollten sie zunächst die unterschiedlichen, für sie relevanten Datenquellen feststellen. Für jedes einzelne Produkt müssen Informationen zusammenstellt werden, die unter anderem darüber Auskunft geben, wie und mit welchen Arbeitskräften es produziert wurde, welche Materialien zum Einsatz kamen und welche Transportwege genutzt wurden. 

Einzelhändler*innen müssen diese Daten dann mit weiteren Fakten kombinieren – etwa ihren CO2-Fußabdruck oder der Art und Weise, wie das Produkt verkauft wird, einschließlich des Energieverbrauchs in Ladengeschäften, Beschäftigungspraktiken und möglicherweise dem Versand an Verbraucher*innen. Schwierig wird es dadurch, dass diese Daten oft ohne Konsistenz in Format oder Herkunft in verschiedenen Systemen gespeichert sind.

Einzelhändler*innen müssen diese Silostruktur durch robuste Funktionen zur Datenintegration aufbrechen, wodurch sich Daten aus verschiedenen Quellen zu einer einheitlichen Ansicht kombinieren lassen. Die Datenintegration stellt dabei sicher, dass Änderungen an einem Datensatz in nachfolgenden Datensätzen berücksichtigt werden, so dass die Informationen aktuell, genau und vollständig gehalten werden. Dadurch verfügen Händler*innen über ein vollständigeres Bild ihrer Daten, das als Grundlage für aussagekräftigere ESG-Reports dienen kann.

2. Die Entwicklung einer effektiven Datenstrategie

Mit einer umfassenden Datenstrategie können Einzelhändler*innen einen erfolgversprechenden Kurs für das ESG-Reporting einschlagen. Sie können unter anderem einen Startpunkt für interne ESG-Initiativen setzen, bessere und sicherere Entscheidungen im Zusammenhang mit ESG-Zielen treffen und Aufsichtsstellen sowie der Öffentlichkeit zuverlässig über ESG-Ergebnisse berichten.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen Händler*innen damit beginnen, eine Datenstrategie zu entwickeln, die für die relevanten Informationen ein Höchstmaß an Genauigkeit und Konsistenz gewährleistet. Während die Integration von Daten dazu beiträgt, mehrere Datenquellen zu kombinieren, stellen Data-Governance-Tools sicher, dass Regeln, Vorschriften und Durchsetzungsprotokolle bei der Datensammlung eingehalten werden. Sie erlauben es den Unternehmen auch, ihre Datenquellen transparenter zu gestalten, indem sie Informationen zur Herkunft der Daten bereitstellen, um ESG-Metriken zu unterstützen.

Die Etablierung eines durchdachten Data-Governance-Modells unterstützt Einzelhändler*innen dabei, Nachhaltigkeitsinitiativen aktiv zu überwachen und darüber zu berichten – was insbesondere angesichts neuer gesetzlicher Vorgaben immer wichtiger wird. Weiterhin kann Data Governance dazu beitragen, den Wert der Daten für Händler*innen zu steigern, indem sie sicherstellt, dass deren Qualität hochwertig genug ist, um als Entscheidungsgrundlage zu dienen. Eine Datenstrategie mit den richtigen Komponenten kann also dazu beitragen, dass Einzelhändler*innen auf die sich entwickelnden ESG-Berichtsanforderungen vorbereitet sind.

3. Anreicherung von Daten, um verborgenen Kontext zu erschließen

Einzelhändler*innen können im Rahmen ihrer Datenstrategie das ESG-Reporting mittels Datenanreicherung weiter verfeinern. Diese erfolgt über die Datensätze von Drittanbietern, die händlereigene Daten um weitere Informationen wie etwa Standortdaten, demografische Daten oder auch dynamische Wetterdaten ergänzen.

Datenanreicherung kann dabei helfen, versteckte Muster oder Beziehungen in den Daten aufzudecken, die ansonsten unbemerkt bleiben würden. Zum Beispiel können Standortdaten dazu beitragen, neue Informationen zu den Lieferketten von Händler*innen hinzuzufügen –  etwa durch das Hervorheben nachhaltiger Praktiken oder mehr Transparenz in Bereichen, in denen potenzielle Schwachstellen vorhanden sind, die behoben oder optimiert werden sollten.

4. Skalierung für den langfristigen Erfolg

Auch wenn für Einzelhändler*innen in puncto ESG-Reporting aufgrund der bevorstehenden Offenlegungsvorschriften der SEC und der steigenden Verbraucher*innenanforderungen akuter Handlungsbedarf besteht, sollten die entwickelten Strategien und Prozesse nicht nur eine schnelle Lösung darstellen, sondern auch zukunftssicher sein. Datenstrategien müssen für den langfristigen Erfolg so aufgebaut sein, dass die implementierten Prozesse skalierbar und anpassungsfähig sind. Händler*innen sollten daher bei den Vorbereitungen des ESG-Reportings eine effektive Datenintegritätsstrategie verfolgen. Denn mit genauen, konsistenten und kontextbezogenen Daten sind Einzelhandelsunternehmen bestens darauf vorbereitet, zuverlässige Berichtsprozesse für aussagekräftigere Nachhaltigkeitsinformationen zu generieren – und sich damit einen Wettbewerbsvorteil für den langfristigen Erfolg schaffen.

Autor: Patrick McCarthy

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