Interview • 22.11.2017

Paketstationen: Rund um die Uhr bereit für Lieferungen

Interview mit Gunnar Anger, Geschäftsführer der ParcelLock GmbH über die Zukunft der Paketzustellung

Der Erfolg einer Auslieferung beeinflusst maßgeblich die Kundenbewertung eines Einkaufserlebnisses. Deshalb sind neue, flexible Lösungen entlang der Lieferkette gefragt. Darunter befindet sich auch eine händlerunabhängige Paketstation, über deren Möglichkeiten Gunnar Anger von der ParcelLock GmbH mit uns spricht.

Foto: Portrait von Gunnar Anger, Geschäftsführer der ParcelLock GmbH...
Gunnar Anger ist Geschäftsführer der ParcelLock GmbH.
Quelle: ParcelLock GmbH

Herr Anger, warum lohnt es sich für Einzelhändler im E-Commerce, sich mit den neuen Möglichkeiten des Paketversandes auseinanderzusetzen?

Gunnar Anger: Viele Verbraucher verknüpfen einen online gekauften Artikel auch mit seiner Logistik. Wie schnell ein Artikel versandfertig ist, ob eine Zustellung reibungslos verläuft oder eine Retoure schnell und einfach abgewickelt ist, kann zukünftige Kaufentscheidungen beeinflussen. Neben der Liefergeschwindigkeit ist es für Verbraucher zunehmend wichtiger, in den Sendungsverlauf eingreifen zu können und die Sendungen nach ihren Wünschen zu steuern. Zudem ermöglichen alternative Zustellmethoden dem Handel, Multichannel-Strategien weiter auszubauen.

Wie können Paketkästen und -stationen denn konkret beim Ausbau von Strategien helfen?

Paketstationen mit einem anbieterneutralen System ermöglichen interessante Lösungen für Click&Collect: An verkehrsgünstigen Punkten gelegen oder direkt neben Filialen können sowohl Kunden als auch Händler auf eine schnelle, sichere und unkomplizierte Zustellung setzen. Online eingegangene Bestellungen können in einer nahegelegenen Filiale kommissioniert werden und bereits nach wenigen Stunden in einer Paketstation eingeliefert werden. Same day delivery oder Retouren unabhängig von jeglichen Öffnungszeiten werden so möglich. Anbieterneutrale Paketstationen bilden so eine Schnittstelle zwischen Off- oder Online-Handel und Kunden.

Durch Paketkästen und -stationen können Verbraucher an einem Ort außerdem von verschiedenen Zustellern und Händlern Pakete empfangen und so ihren Alltag effizienter gestalten. Da die Kunden nicht nur Zustelldienste freischalten, sondern auch Bestellungen von lokalen Lieferdiensten, Apotheken oder vom Supermarkt problemlos nach Hause liefern lassen können, sind die Nutzungsmöglichkeiten für die Kunden unbegrenzt.

Wie verändert der immer stärker werdende E-Commerce-Handel die Paket-Logistik?

Beeinflusst von der rasanten Entwicklung des Online-Handels hat auch das Wachstumstempo der Kurier-, Express- und Paketdienste-Markt-(KEP)Branche deutlich zugelegt. Bereits 2016 wurde die Schallmauer von drei Milliarden Sendungen in Deutschland durchbrochen. Bis 2025 ist sogar eine Verdoppelung des Paketvolumens prognostiziert. Gleichzeitig steht die Branche vor verschiedenen Herausforderungen wie überlastete Innenstädte und Personal-, insbesondere Fahrermangel. Diese Entwicklung zeigt die Notwendigkeit von neuen und nachhaltigen Logistik-Konzepten, insbesondere für die sogenannte „letzte Meile“.

Große Online-Händler führen eigene Lieferprozesse- und strukturen in Ballungsräumen ein oder setzen diese in Pilotprojekten bereits um. Auch andere Anbieter, die im Vorfeld keine Verbindungen in die KEP-Branche hatten, treten in den Markt ein. Etablierte KEP-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Services und entwickeln darüber hinaus neue Konzepte für die „letzte Meile“.

"Anbieterneutrale Paketstationen bilden eine Schnittstelle zwischen Off- oder Online-Handel und Kunden." (Gunnar Anger)

Foto: Lieferant legt Paket in eine Box vor einem Haus; copyright: ParcelLock...
Quelle: ParcelLock

Welche mobilen Hard- und Software-Lösungen werden denn Ihrer Meinung nach die branchenspezifischen Prozesse von Paketzustelldiensten in der Zukunft verändern?

Viele aktuelle Veränderungen sind stark vom Thema Nachhaltigkeit geprägt. So spielen beispielsweise Elektrofahrzeuge und Lastenfahrräder eine immer größere Rolle. Auch ein übergreifender Standard für Hersteller und Paketdienste ist für eine nachhaltige Stadtlogistik von hoher Relevanz. Paketstationen, in die alle Zusteller einliefern können, bündeln Volumen, steigern die Erstzustellquote und entlasten dadurch die Innenstädte.

Können Sie Technologien nennen, die für den Einzelhandel schon erfolgreich eingesetzt wurden?

Konsumenten nutzen längst verschiedene Mittel und Wege für den Kauf neuer Produkte. Welche Technologien in Zukunft tatsächlich einen Nutzen für den Handel hervorbringen, muss sich in der Praxis noch beweisen. In Bezug auf den Lebensmittelhandel entwickeln immer mehr Supermärkte E-Commerce-kompatible Konzepte, darunter Services wie Click & Collect, bei denen eine Online-Bestellung direkt in eine Einzelhandelsfiliale geliefert wird. Hier folgt das Thema offene Paketstation in Verbindung mit Click & Collect also einem großen Trend.

Ein Großteil der neuen Zustellmethoden wie Roboter oder Drohnen befinden sich noch in Testphasen. Dennoch gibt es für den Handel bereits heute interessante Neuerungen und Services seitens der KEP-Branche. Beispielsweise können Händler auf eine digitale Retoure übers Smartphone setzen und so für ihre Kunden den Retourenprozess komfortabler gestalten.

Welche Zustellmethoden wird es künftig geben?

Als besonders nachhaltig gelten anbieteroffene und schließsystembasierte Paketkästen sowie das Mikro-Depot Konzept. Während bei Mikro-Depots immer noch das Problem der persönlichen Annahme bestehen bleibt, ermöglichen Paketkästen eine signifikante Steigerung von erfolgreichen Erstzustellungen. Darüber hinaus sind Drohnen, Paketroboter, Kofferraum-Zustellung oder gar autonom fahrende Lastenfahrzeuge interessante Möglichkeiten, deren Umsetzung und Erfolgswahrscheinlichkeit bisher noch erprobt werden.

Interview: Natascha Mörs, iXtenso

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