Interview • 07.09.2020

Wissen ist (Handels-)Macht

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz will für den Handel lernen und kreiert dafür digitale Filial-Zwillinge

Wissen für alle, alle Einzelhändler – dafür hat das DFKI die Projektreihe Knowledge4Retail ins Leben gerufen. Dahinter steckt eine Open-Source Plattform für komplexe KI- und Robotikanwendungen im Einzelhandel. 

Hierzu soll vor allem auf ein digitales Abbild der stationären Einzelhandelsfiliale, ihren sogenannten digitalen Zwilling, gesetzt werden. 

In Zeiten der Digitalisierung heißt es immer öfter online und offline müssen auch im Handel zusammenfinden. Sie haben eine Plattform entwickelt. Wie funktioniert sie?

Die Plattform befindet sich zurzeit noch in Entwicklung und wird noch nicht aktiv im Handel eingesetzt. Ziel wird es sein, mit Hilfe eines sogenannten „digitalen Zwillings”, also einem sich fortlaufend aktualisierenden, virtuellen Abbild der Filiale vor Ort, Informationen zur Verfügung zu stellen und so Einzelhändlern Möglichkeiten zu geben, die bisher nur schwer realisierbar waren.

Unsere vier betrachteten Anwendungsfälle sollen exemplarisch das Potential unserer Idee zeigen: Dazu gehören die KI-gesteuerte Optimierung des Regallayouts –  also der Produktauswahl und -platzierung – Serviceroboter, intelligente Intralogistik sowie ein intelligenter Kühlschrank.

Mann in blauem Hemd und Sacko
Frederic Kerber ist Leiter des Innovative Retail Laboratory. Unsere Fragen hat er zusammen mit seinen Kollegen des Knowledge4Retail-Konsortium beantwortet.
Quelle: DFKI

Welche Rolle spielen IoT-Daten und Sensorik?

IoT-Daten und Sensoren stellen eine der Grundlagen unserer Plattform dar. Durch sie können Informationen und Daten an die Plattform übermittelt werden, um etwa das digitale Abbild der Filiale aktuell zu halten. Im Fall von beispielsweise Robotik-Anwendungen ermöglichen sie außerdem einem Roboter, sich entsprechend zu bewegen, Produkte zu erfassen und so seine Aufgaben zu erfüllen.

Sie sprachen es gerade schon an: In einem Ihrer Use Cases arbeiten Sie mit einem intelligenten Kühlschrank. Was wird getestet?

Um die Übertragbarkeit der Plattform auf ähnliche Domänen aufzuzeigen wird in einer

Pilotanwendung demonstriert, wie die Plattform mit einem nach dem „Go“-Konzept funktionierenden kassenlosen, intelligenten Kühlschrank interagieren kann. Der intelligente Kühlschrank ist in der Lage, seinen Warenbestand selbstständig zu erkennen, zu verfolgen, zu verwalten und zu verkaufen. Durch den Einsatz von Sensoren ermöglicht die bereits existierende Lösung es, Kunden und Artikel zu identifizieren und zuzuordnen, zum Beispiel um zu erkennen, welcher Nutzer welchen Artikel wann entnommen oder zurückgelegt hat. Die Anbindung der K4R-Plattform ermöglicht den Transfer der Anwendung in stationären Filialen auf eine ähnliche Umgebung, wobei hier insbesondere die Integration vieler Sensor- und IoT-Daten zur Analyse im Vordergrund steht. Auf Basis dieser wird beispielsweise die Nachfüllung durch Echtzeit-Warenbestandverwaltung und Fulfillment-Planung verbessert und das dynamische Kundenverhalten mithilfe von KI analysiert.

Roboter, der durch eine Drogerie fährt.
Quelle: IAI Institut für Künstliche Intelligenz, Universität Bremen

Mehr zur Arbeit des DFKI auf iXtenso

Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich für den stationären Handel und wie bringen diese den Handel aus Kunden- und Händlersicht weiter?

Dem stationären Handel fehlt, ohne die richtigen Daten und digitale Prozesse, die Möglichkeit sein Geschäft weiterzuentwickeln, da gerade der Store selbst eine Black-Box darstellt, während vor- und nachgelagerte Prozesse in der Regel schon gut erfasst sind.

Die Herausforderung besteht für den Handel daher in zwei Punkten: Zum einen der Erfassung und Digitalisierung der relevanten Prozesse und Daten des Stores und zum anderen der zielgerichteten Verbindung dieser um wertschaffende Anwendungen darauf aufbauen zu können. Im Projekt Knowledge4Retail werden genau diese Punkte adressiert.

Wie profitieren Händler?

Händler erhalten durch die Plattform die Möglichkeit, smarte Anwendungen in ihren Filialen einfacher zu realisieren, da sie auf einen stets aktuellen, digitalen Pool an Informationen und Daten zu ihrer Filiale zugreifen können, wodurch intelligentes Nutzen von Daten im Handel ermöglicht wird. Durch unsere Use-Case-Anwendungen zeigen wir, dass wir nicht nur das Einkaufserlebnis für den Kunden verbessern können, sondern auch das Potential mitbringen, Mitarbeitende beispielsweise beim Einräumen der Regale zu entlasten, wodurch diese mehr Zeit den Kunden widmen können.

Ein Blick in die Zukunft: Wie kaufen wir in 20 Jahren ein?

Der Einkauf der Zukunft wird in manchen Teilen dem heutigen Einkauf ähneln – in vielen Aspekten aber auch grundlegend verschieden sein. Wir werden viele Produkte von zu Hause aus individualisieren/personalisieren können und auf direktem Weg als Lieferung erhalten – nicht zwingend nach Hause, sondern vielleicht auch an den Arbeitsplatz oder als Kofferraumzustellung, wenn zuhause sowieso kein Empfänger anzutreffen wäre. Außerdem werden wir Produkte online bestellen, deren Beschaffenheit wir sowieso schon kennen, bei denen eine Packung identisch zur anderen ist. Umgekehrt werden wir eben die Produkte, auf die das nicht zutrifft, weiterhin im stationären Handel kaufen. Dies umfasst Frische-Produkte wie Obst und Gemüse oder Wurst, Fleisch und Käse, aber auch die Produkte, bei denen Geruch und Haptik eine besondere Rolle spielen. Die Beratung wird im stationären Handel wieder eine größere Rolle einnehmen, Händler werden ihre Kunden besser verstehen und ihnen ein persönliches, individuelles und positives Einkaufserlebnis bescheren.

Interview: Katja Laska

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