Bericht • 13.06.2022

Amazing Amazon Fresh?

Unser iXtenso-Redakteur testet einen Amazon-Lieferservice. Hier teilt er seine Eindrücke

Nach der letzten Reise nach Chicago und der doch noch erfolgreichen Suche nach einem „Amazon Go"-Store hatte ich erneut die Gelegenheit, Amerikas kontinuierliche Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel auf den Prüfstand zu stellen.

Wisst ihr noch? Aufmerksame iXtenso-Leser*innen werden sich an mein Abenteuer in Chicago erinnern, bei dem es um widersprüchliche Echtzeitdaten zwischen Google Maps und Amazon Go, Ladenschließungen, Renovierungen und Umzüge sowie einen groß angelegten Rückzug aus großen Teilen der Stadt ging.

All das habe ich mit einem Achselzucken hingenommen, da es sich um einen Test handelte, über den wir euch berichten wollten – um es als Native Speaker zu sagen: the challenge was the story! 

Diesmal war der Test etwas kniffliger: Es ging um das Abendessen. Um die ganze Sache spannenderzu gestalten, stellte ich mir die Frage: Was interessiert die breitere Masse? Was nutzt sie? Klar, Lebensmittellieferungen. Um zu schauen, was hier so möglich ist, wollte ich in Cleveland, Ohio zu Abend essen. Denn: Diese "Rust-Belt"-Stadt repräsentiert viel eher das mittlere Amerika als die Megacity Chicago.

Zwei Tüten stehen vor einer Wohnungstür
Quelle: iXtenso / Giese

Neue App mit effizienter Benutzung

Die Amazon-Go-App hatte ich nach meinem Einkauf in Chicago immer noch auf meinem Handy. Ein möglicher Pluspunkt für uns als potenzielle Kundschaft: Amazon hat vor kurzem die Übernahme des größten nationalen Bio-Lebensmittelhändlers in Amerika 'Whole Foods' abgeschlossen. Das sollte das Lebensmittel-Lieferdienst-Angebot doch abrunden, oder? Dann kanns ja losgehen, dachte ich. Beim Öffnen der App kam jedoch die Meldung, dass die App nicht mehr aktiv sei, aber ich konnte sie in die aktuelle Amazon-App umwandeln, und die App wurde automatisch mit meinem bestehenden Konto verknüpft.

Auch die User Experience einnerhalb der App war recht komfortabel. Mein Wunsch: Ein kompletter Menü-Vorschlag, wie beim Abendessen im Restaurant. Leider war das wohl etwas zu viel auf meinem Wunschzettel. Trotzdem, die Vorschläge und Ideen, die mir in der App vorgeschlagen wurden, um meinen Hunger zu stillen, schienen durchdacht und die Suche nach Käse, Gemüse und Brot war effizient. Alternativen zwischen verschiedenen Marken und Klassen von Lebensmitteln wurden auch angeboten und waren leicht zu vergleichen. 

Die Bezahlung war etwas kompliziert, da ich eine andere Kreditkarte als die mit dem Konto verbundene verwenden wollten. Ich hielt die Karte, die ich verwenden wollte in der Hand, scannte sie und konnte sie einmalig als Zahlungsmethode nutzen. Das Schöne: Es war einfach und ging schnell, außerdem wurde die Karte nicht gespeichert, sodass mein ursprünglich angelegtes Konto unverändert blieb.

Verschiedene verschlossene Lebensmittel auf einem Tisch...
Quelle: iXtenso / Giese

Gute Aussichten für Lebensmittelieferdienst

Ich wählte ein zweistündiges Lieferfenster von 15 bis 17 Uhr nachmittags. Ja, etwas früh für Abendessen, aber ich wusste, dass ich zu dem Zeitpunkt zuhause seien würde. Der Preis für diesen Komfort betrug 10 Dollar. Dieser Betrag hat mich überrascht. Damit ist dieser Service nicht für diejenigen interessant, die auf ihren Geldbeutel achten, sondern eher für solche Kund*innen, die über ein gewisses Einkommen verfügen und die Bequemlichkeit schätzen. Das ist schade!

Kommen wir zur eigentlichen Lieferung: Trotz des Plans, zu Hause zu sein, war ich nicht da, als mich eine Push-Nachricht über die App auf die Lieferung aufmerksam machte. Würde ich mein Essen bekommen? Schaffe ich es noch rechtzeitig? Darüber musste ich mir gar keine Gedanken machen, denn Amazon hat sich bereits Zugang zum Gebäude verschafft und zwei Tüten warteten auf meine Rückkehr – direkt vor der Haustür.

Schön, dass das geklappt hat, aber wie stand es um die Lebensmittel, die ich bestellt hatte? Die Qualität der Lebensmittel in den beiden Tüten war überraschend – überraschend gut. Vor allem der Brokkoli war spürbar feldfrisch und auch der restliche Käse, die Brote und Aufstriche waren hervorragend und schmeckten wirklich gut. Fazit: Gerne wieder. Und schaut man sich die Entwicklungen an, ist zu erwarten, dass Amazon seine Präsent auf diesem Markt weiter ausbauen wird und durch Effizienzsteigerungen bei der Lieferung auf der letzten Meile, Optimierung der Lieferkette und Bequemlichkeit von uns Menschen einen neuen Kundenstamm aufbauen wird.


Unser Redakteur testete bereits Amazon Go – hier geht's zum Artikel



Autor: Ben Giese

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Weltneuheit für IKEA Amsterdam macht Außenlager überflüssig...
05.02.2024   #Tech in Retail

Weltneuheit für IKEA Amsterdam macht Außenlager überflüssig

Einfachere und schnellere Abholung von Bestellungen mit Schließfächern und innovativen Abholautomaten

IKEA Amsterdam führt eine innovative Lösung für Click & Collect-Bestellungen ein und kann sich damit von ...

Thumbnail-Foto: Logistik: Aufladen und ausruhen neugedacht?
21.02.2024   #Nachhaltigkeit #Logistik

Logistik: Aufladen und ausruhen neugedacht?

Wie das Joint Venture Milence das Rasten, Laden und den Transport im Güterverkehr verbessern möchte

CO2-Ausstoß ist in all unseren Lebensbereichen ein großes Thema. Wusstest du, dass etwa ein Viertel der Emissionen auf den Straßen der Europäischen Union ...

Thumbnail-Foto: Sortiment: Von der Beschaffung bis zum Regal dank Automatisierung?...
16.04.2024   #stationärer Einzelhandel #Logistik

Sortiment: Von der Beschaffung bis zum Regal dank Automatisierung?

Wie Prognosesoftware den Filialalltag erleichtern könnte

Von der Optimierung der Beschaffung, über die Verbringung der Ware bis hin zur effizienten Organisation der Filialen ...