Interview • 11.03.2022

Aus Forschungsprojekt „Kiezboten“ wird Start-up

Ende 2020 testete das Projekt „Kiezboten“ gebündelte Paketzustellung in Berlin. Hat es sich bewährt? Wir haben nachgefragt

Ein kleines Fahrzeug zur Paketzustellung
Quelle: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Das Projekt KOPKIB – Kundenorientierte Paketzustellung durch den Kiezboten trat Ende 2020 an, um dem „Paketfrust“ vieler Kunden den Kampf anzusagen. Die Waffe: gebündelte Paketzustellung um die Ecke - wir berichteten. Die Schlachten scheinen siegreich gewesen zu sein, denn: Aus dem Projekt ist nun ein Start-up geworden. Wir haben bei Prof. Dr. Stephan Seeck, Projektleiter von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin um ein Update gebeten. 

Herr Seeck, das Forschungsprojekt ist planmäßig ausgelaufen. Wie lief es?

Unsere Forschungsprojekt lief weitgehend planmäßig. Aufgrund von Corona konnten wir mit Hilfe zusätzlicher Mittel die Projektdauer um drei Monate verlängern; dabei haben wir vor allem den Feldversuch von sechs Monaten auf ein ganzes Jahr ausgedehnt, um mehr Daten für eine detailliertere Auswertung zu erhalten.

Wann war der Moment, wo Sie gesagt haben, wir führen das Ganze weiter und gründen ein Start-up?

Bereits nach den ersten Monaten des Feldversuchs kam die Idee im Forschungsteam auf, das Projekt in Form des Start-ups „Kiezbote GmbH“ weiterzuführen. Ein wichtiger Grund für diese Entscheidung war vor allem die Begeisterung unserer Kunden*innen, der Empfänger*innen der Pakete. Sie haben uns in Gesprächen und Feedbacks deutlich gemacht, wie spannend und wertvoll unser Angebot ist.

Wer steckt denn jetzt hinter dem Start-up?

Das Start-up gegründet haben sechs Personen aus dem Forschungsteam: wissenschaftliche und studentische Mitarbeiter, ein Partner und meine Person. Die beiden studentischen Mitarbeiter, die zum Ende des Projekts ihr Studium mit dem Master abgeschlossen haben, leiten das Unternehmen und übernehmen auch die operativen Tätigkeiten.

Vier Männer mit Paketen in den Händen
Quelle: HTW Berlin/Alexander Rentsch

Als Forschungsprojekt wurden die Kiezboten bisher gefördert, jetzt stehen Sie sozusagen auf eigenen Beinen. Was braucht es, damit das Ganze wirtschaftlich wird?

Momentan beliefern wir dasselbe Gebiet in Charlottenburg einfach weiter, nur dass wir in Kürze einen Betrag pro Sendung erheben werden. Unser Kunden*innen sind so zufrieden, dass die meisten dazu bereit sind. Sicherlich werden wir mehr Kunden*innen gewinnen müssen und unser Ausliefergebiet um weitere Kieze erweitern, um wirtschaftlich zu werden. Solange unsere Leistung so gut wie bisher angenommen werden und wir bekannter werden, sind wir guter Hoffnung, dass die Wirtschaftlichkeit nur eine Frage der Zeit ist.

Bei der „reinen“ gebündelten Paketzustellung im Kiez soll es nicht bleiben, welche Services soll es noch geben?

Gern würden wir in den Kiezen, in denen wir unterwegs sind, auch Zustellservices für die dort ansässigen lokalen Händler anbieten. Wir sind offen für Kooperationen und werden auf die lokalen Händler zugehen. Gerade der Einzelhändler, der keinen oder nur einen privat betriebenen Online-Shop für seine Stammkunden betriebt, kann von unserem Service profitieren.

Was ist für die Zukunft noch geplant?

Ein nächster Schritt könnte die Übernahme von Liefertransporten sein. Durch Pop-up-Radwege und andere Maßnahmen der viel diskutierten Berliner Verkehrswende sind starke Einschränkungen für den Lieferverkehr mit Transportern zu erwarten. Dies trifft vor allem kleinere Geschäfte, wenn der Lieferant nicht mehr direkt vor dem Geschäft parken kann. Durch unsere Belieferung mit Lastenrädern können wir dieses Problem lösen – und bieten durch unsere App auch noch die Möglichkeit, Wunschzeitfenster für die Lieferung auszuwählen. So kommt die Ware dann, wenn das Geschäft Zeit hat, diese zu verräumen.

Interview: Katja Laska

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