Interview • 14.12.2020

Versuchskaninchen Handel

RetailTech Lab in Dänemark testet Technologien für Einzelhändler

Der stationäre Handel hatte es in diesem Jahr in großen Teilen Europas nicht leicht. Höchste Zeit ihn neu zu denken, Innovationen auszuprobieren und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln.

Im RetailTech Lab in Dänemark passiert seit diesem Sommer genau das. Kim Hein, Director des RetailTech Lab, erzählt, was sich im Labor abspielt, wieso nicht jede Idee ein Erfolg sein muss und warum Händler den Zug nicht verpassen sollten.

Herr Hein, welche Technologien sind Ihrer Meinung nach derzeit im Einzelhandel auf dem Vormarsch?

Welche das sind, hängt ein wenig von den Branchenbereichen und dem eigenen Konzept ab. Es gibt jedoch zwei Bereiche, die branchenübergreifend immer wieder auftauchen: Big Data und die Nutzung dieser Daten für personalisierte Inhalte für den Verbraucher und das Social Selling über Kanäle der sozialen Medien.

Wer es schafft, Daten über das Kundenverhalten, den Lebensstil, die Bedürfnisse und das Kaufverhalten seiner Kunden (legal und fundiert) zu sammeln und zu strukturieren, kann mit diesen zielgerichteter und relevanter in der Kommunikation mit seinen Kunden arbeiten und damit möglicherweise auch die Kundenzufriedenheit und Kauflust steigern. Die Möglichkeiten, direkt über Social-Media-Plattformen zu verkaufen, während der Konsument Nachrichten und Inhalte durchblättert, gewinnen an Boden und Auslöser, insbesondere für Impulskäufe (Nudging). Heute können Einzelhändler direkt über Social-Media-Plattformen verkaufen, ohne diese zu verlassen. Mehrere Studien aus dem Jahr 2019 zeigen, dass circa 2/3 aller Verkäufe an junge Menschen über Social Selling erfolgen.

Was wird in Zukunft unverzichtbar sein?

Kurz gesagt – der digitale Verkaufskanal! Wir leben in einer globalisierten Welt, in der das digitale Universum Ihnen rund um die Uhr Zugang zu Kunden auf der ganzen Welt bietet. Die ebenfalls, wann, wo und zu welchen Bedingungen sie möchten, (online) shoppen können.

Das bedeutet nicht, dass wir in Zukunft keine stationären Läden haben werden. Das Geschäft wird mehr und mehr zu einem Teil der Zahnräder in der perfekten Omnichannel-Reise für den Kunden. Das physische Geschäft wird zu einem Fulfillment-Center für schnellere Lieferung und Service.

Ein junger mann im weißen Hemd zeigt zwei anderen Männern ein handliches...
Quelle: Peter Sørensen

Was wünschen Sie sich für die Einzelhandelsbranche?

Wir befinden uns mitten in der bedeutendsten Transformationsphase in der Geschichte des Einzelhandels – darüber reden wir schon lange, aber mit COVID-19 hat sich das alles nur noch beschleunigt.

Wir hoffen, dass die Einzelhandelsbranche etwas mutiger wird und jetzt auf den digitalen Zug aufspringt. Der Zug ist kurz davor, den Bahnsteig zu verlassen, man kann ihn noch erwischen, aber man darf nicht zu lange warten. Ja, das ist schon eine Floskel, aber es gibt noch zu viele Einzelhändler, die den digitalen Schritt noch nicht oder nur halbherzig vollzogen haben. Es wird katastrophale Folgen für die lokalen städtischen Gemeinden haben, wenn der Handel aussterben sollte, und das ist die Realität, mit der wir jetzt konfrontiert sind.

Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun oder wo Sie anfangen sollen, dann finden Sie einen Partner oder einen Berater Ihres Vertrauens, der Sie auf den richtigen Weg führt. Mit kleinen digitalen Schritten können Sie Ihr derzeitiges Geschäftsmodell in ein modernes Omnichannel-Modell umwandeln.

Das RetailTech Lab wurde also gegründet, um der Digitalisierung des Handels auf die Sprünge zu helfen?

Das Konzept des Labors stammt von Marianna Lubanski, CEO der Science City Lyngby, die auf das Straucheln und die damit verbundenen Schließungen im stationären Handel reagieren wollte. Das Labor soll Einzelhändlern bei ihrer digitalen Entwicklung helfen und sie an neue Innovationen der Branche heranführen. Da sie bereits über ein gutes Netzwerk von Mitgliedern mit digitalen Lösungen für den Einzelhandel verfügte, war es ein „Selbstläufer“, ein Labor einzurichten, in dem man neue und nachhaltige Technologien testen konnte, in dem Start-ups Feedback von Einzelhändlern erhalten und Einzelhändler Inspiration suchen konnten. Im Sommer war es dann soweit: Das RetailTech Lab, das Anfang des Jahres von Science City Lyngby, einer gemeinnützigen Organisation, zusammen mit lokalen und nationalen Bildungseinrichtungen und Unternehmen sowie der Unterstützung der dänischen Regierung gegründet worden ist, wurde eröffnet.

Was ist für die Zukunft im RetailTech-Labor geplant?

Jeden Monat kommen neue technologische Lösungen in das Labor, so dass wir immer in Bewegung sind. Einige Technologien fallen durch, während andere erfolgreich werden. Dabei ist es durchaus Absicht, dass nicht alles ein Erfolg wird, denn wir müssen die Technologien testen und sehen, wie sie „im wirklichen Leben“ funktionieren, zum Beispiel in einer Kaufsituation.

Einer unserer Schwerpunktbereiche in diesem Herbst werden RFID-Lösungen sein – nicht nur als einfachere oder schnellere Zahlungslösung, sondern auch zur Schaffung von Kundenerlebnissen im Geschäft, da sie die Reise des Kunden durch das Geschäft auf verschiedene Weise bereichern können, wie zum Beispiel durch einen Zauberspiegel oder interaktive digitale Lösungen in Kombination mit dem physischen Produkt.

Wir zeichnen die Richtung vor, es gibt aber immer die Chance, dass wir überrascht werden. Letztendlich sind es die Technologieunternehmen und unsere Technologie-Startups, die gemeinsam mit dem Verbraucher entscheiden, welche Richtung oder welchen Schwerpunkt wir haben.

Ein Raum voller Menschen
Quelle: Peter Sørensen

Wer kommt im RetailTech Lab zusammen?

Hier treffen sich Technologie-Start-ups, etablierte Technologieunternehmen, Bildungseinrichtungen, Einzelhändler und der Verbraucher treffen, sich gegenseitig testen und inspirieren. Aus diesem Grund ist das Labor in vier separate „Zonen“ aufgeteilt:

  1. Eine Pop-up-Zone, die teilweise ein regulärer Laden ist, in dem Einzelhändler einen Pop-up-Store einrichten können, um die Technologien ausgewählter Start-ups auszuprobieren. In dieses experimenteller Testladen, in dem neue Technologien getestet werden, kann der Einzelhändler sein Sortiment durch oder mit den neuesten Technologien verkaufen.
  2. Eine Test- und Demo-Zone, in der technische Lösungen ausgestellt und vorgeführt werden.
  3. Eine Veranstaltungszone, in der Technologien und Lösungen im Zuge monatlicher Vorträge und Veranstaltungen vorgestellt werden.
  4. Eine Arbeitszone (Co-Creation-Zone), in der Studenten und Start-ups bereit sind, genau zu studieren und zu analysieren, welche Lösungen den höchsten Output oder Wert für Einzelhändler/Verbraucher bieten.
Interview: Katja Laska

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